Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 29 (20.7.1923)
- Date
- 1923-07-20
- Page
- Seite 346 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103029-9148077--05745-9078426- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
346 Das Jüdische Echo Nr. 29 Nationalsozialisten in der schrankenlosen Beherrschung der Straße künftig keinen Widerstand mehr finden. Wir müssen uns damit begnügen, unseren Lesern diese Tatsachen und Zusammenhänge zu zeigen. Wir Juden selbst, denen der Haß all dieser mächtigen, weit verzweigten, über die Länder Europas zusammenhängenden Gruppen gilt, können nichts unternehmen. Wir können nur hoffen, daß die fortschreitende Aufdeckung der politischen und moralischen Giftherde dazu führt, die Gefolgschaft der Hetzer zu schwächen, alle, die sich einen Rest anständiger Gesinnung bewahrt haben, von der Teilnahme an diesem Treiben abbringt. Es erscheint, abgesehen vom Prinzipiellen auch aus diesem Grunde von Wert, „auszusprechen was ist“. Eine wirkliche Beendigung der gegenwärtigen Zerstörung aller politischen und menschlichen Moral wird allerdings erst mit einer wirklichen Befriedung Europas erfolgen, wird erst möglich sein, wenn Frankreich aufgehört haben wird, zur Aufrichtung seiner eigenen Hegemonie Europa und besonders Deutschland an allen Stellen zu unterwühlen. Daß es dabei den eifrigsten und brauchbarsten Helfer unter den lärmendsten deutschnationalen „Patrioten“ findet, muß immer aufs neue festgestellt werden. Wir Juden werden stets auf der Seite sein, die bereit ist, dem wirklichen Frieden zu dienen. Aus der ittdischen Welt Palästina Sabbathentweihung in Jerusalem? Auch in Jerusalem sollte der Geburtstag des englischen Königs gefeiert werden. Die Feierlichkeiten wurden, da der Geburtstag auf einen Sonntag fiel, auf den voraufgehenden Sabbath verlegt. Dies hat man in jüdischen Kreisen als eine Nichtachtung des jüdischen Ruhetages betrachtet. Darum einigten sich die jüdischen Verbände dahin, den Feierlichkeiten fernzubleiben. Einzig die Agudas Jisroel sandte ihre Vertreter zur Feier. Dies empfanden weite Kreise als eine Sabbathentweihung, selbst wenn es sich nur darum handelte, im Stadtgarten zu Jerusalem am Sabbath dem Vertreter der obersten Macht in Palästina die Hand zu drücken. Hiezu schreibt das „Hamburger Israelitische Familienblatt: Wir sind allerdings auch der Meinung, daß die Teilnahme an der offiziellen Feier aus Gründen der Solidarität besser unterblieben wäre. Daß dabei keine Verletzung des Religionsgesetzes erfolgte, tut nichts zur Sache. Berutt man sich aber darauf, so ist zu bedenken, daß man in seiner Handlungsweise zwar dem Buchgegenuber der alten JkacJemie staben des Gesetzes gerecht werden kann, dabei aber gegen seinen Sinn verstößt. Die palästinensische Gendarmerie Jerusalem. (JCB.) Vertreter des Waad Leumi protestierten beim Zivilsekretär der palästinensischen Regierung gegen die neue Verordnung, daß die palästinensische Gendarmerie aus 100 Arabern und 50 Juden bestehen soll. Diese Verordnung verletzt die getroffene Vereinbarung, daß die Gendarmerie aus einer gleichen Zahl von Juden und Arabern bestehen soll. Gründung eines amerikanischen Finanzierungs¬ und Kreditinstitutes für Palästina. Wie wir erfahren, hat ein kleiner Kreis amerikanisch-jüdischer Millionäre, darunter Louis Marshall, beschlossen, ein Finanzierungs- und Kreditinstitut für Palästina ins Leben zu rufen Es haben darüber bereits Besprechungen mit Dr. Arthur Ruppin, dem Leiter des Kolonisations-Departements der Zionistischen Weltorganisation, und Dr. Georg Halpern, dem Direktor des Jewish Colonial Trust, London, stattgefunden, die das Tätigkeitsgebiet des geplanten Unternehmens zum Gegenstände hatten. Als Grundkapital wurde der Betrag von 5 Millionen Dollar in Aussicht genommen. Vom Ruthenberg-Werk. Ein weiterer Fortschritt der Arbeit in dem Ruthenberg-Projekt ist jetzt zu verzeichnen. Die eisernen Träger, die die Drähte der Transmissionen des Stromes halten, wurden in den Straßen von Tel-Aviv und Jaffa angebracht. Die erste der beiden Transformationsstationen für Jaffa ist an der Ecke der King Georges. V. Street gegenüber dem Kaufhaus von Morums errichtet worden, die andere wird im Ajamiviertel gebaut werden. Die Handwerkerbank. Die Handwerker in Jerusalem und Tel-Aviv, die eine Genossenschaftsbank gegründet haben, beabsichtigen die Aktien des Unternehmens in Litauen abzusetzen. Deutschland Hüben und drüben. In einem Feuilleton über „den amerikanischen Literaturmarkt“ schreibt Roda Roda aus New York in den Münchener Neuesten Nachrichten“ folgendes: „Die amerikanischen Juden haben jüdische Zeitungen, Theater mehr als genug und befassen sich darin mit den besonderen Angelegenheiten ihres Stammes. Sie nehmen rührend innigen Anteil an der deutschen Not, helfen freigebig, sympathisieren warm mit dem deutschen Volk — selbst wenn unverantwortliche Politiker hüben und drüben böse Reden führen.“ Merkwürdig genug dies Bekenntnis gerade in dem den Deutsch-Völkischen so nahe stehenden Organ zu lesen. — Müller in Palästina. (Wir geben im folgenden einen Artikel der „Jüdischen Presse“ wieder, der die in der „Vossischen Zeitung“ erschienene Artikelserie des früheren Staatssekretärs Dr. Müller in treffender Form kennzeichnete und gleichzeitig uns ahnen läßt, warum die deutsche Diplomatie bei jeder Gelegenheit so glänzend versagt. Die Red.) Die Überschrift ist nicht ganz treffend. Müller ist nicht in Palästina gewesen, aber immerhin er war doch auf dem Wege dorthin und hat sogar unmittelbar vor dem Eingang Palästinas mit einer Reihe von Leuten aus dem Lande gesprochen und ist daraufhin sachverständig genug, um 3 Artikel in einer vielgelesenen Berliner Zeitung Erez Israel in landwirtschaftlicher, industrieller, und finanzieller Beziehung, über die dort leben-