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Das jüdische Echo · 1923-07-20 · 29 (20.7.1923) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
29 (20.7.1923)
Date
1923-07-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 29 20. Juli 1925 10. Jahrgang Der Seuchenherd Ein Epilog zum Münchner Hochverratsprozeß Von J. K o p p Am letzten Dienstag hat sich der Landtag mit einer sozialistischen Interpellation über den Hochverratsprozeß Fuchs-Machhaus befaßt und eine Erklärung des Innenministers gehört. Damit erscheint die Angelegenheit im wesentlichen abgeschlossen und wir halten den Zeitpunkt für gekommen, unsererseits dazu Stellung zu nehmen, nachdem wir es absichtlich während der Prozeßverhandlung unterlassen haben, uns mit den Einzelheiten zu befassen. Wir wollen auch heute lediglich vom Gesamteindruck der ganzen Angelegenheit sprechen, die ja nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit den politischen Vergiftungserscheinungen in Mitteleuropa zu werten ist. Wenn Minister Dr. Schweyer im Landtag sagte, der Prozeß war ein reinigendes Gewitter, so hat er auf jeden Fall insofern Recht, als es heute eine ganz große Anzahl von Menschen gibt, die zu den rechtsnationalen Organisationen hinneigen und durch den Prozeß schaudernd sehen mußten, in welche Hände sie da gerieten. Im übrigen hat die Reinigung nicht die dringend erforderliche Gründlichkeit gehabt und außerordentlich vieles ungeklärt gelassen, was dringender Erklärung bedarf. Immerhin geben die Prozeßerörterungen genügend Anhaltspunkte, um das, was im Hintergrund geblieben ist, mit einiger Sicherheit erkennen zu lassen. Wie sehr sich auch die einzelnen rechtsbolschewikischen Gruppen bekämpfen, einig sind sie im Haß gegen die Juden. Wir sehen hier und überall im kranken Europa, daß die chauvinistischen Hetz- und Blutpolitiker ihren Haß in erster Linie nicht so sehr gegen den äußeren Feind, wie gegen die Juden richten. Wir müssen sagen, daß diese Einstellung auch von einem höheren Gesichtspunkt, als ihn die durchschnittliche Erbärmlichkeit dieser Herrschaften, die überall gleich korrupt sind, kennt, begreiflich erscheint. Ihr Ziel ist überall Krieg, Zerstörung und Unordnung und die Juden sind überall an sich ein Element des Friedens. Wir spüren, als die Exponiertesten und Schutzlosesten die verderblichen Folgen der Zerstörung zu allererst und am stärksten und sind schon deshalb, ganz abgesehen von unserer geistigen Einstellung, Anhänger des Friedens und werden als solche von den Chauvinisten aller Länder aufs stärkste angefeindet. Es ist außerordentlich aufschlußreich, wenn der Zeuge Frick im Hochverratsprozeß erklärt: „Wir, Herr Präsident Pöhner und ich, haben insofern gemeinsame Ansichten mit Fuchs, als wir mit ihm und wohl mit verschiedenen anderen Leuten in München die Abneigung gegen das jüdische und sozialistische Berlin empfinden. (Die „verschiedenen anderen Leute“, die Frick meint und die an den entscheidendsten Stellen des Landes sitzen, sind allzu bekannt, als daß Frick sie besonders zu nennen braucht.) In diesen sehr zurückhaltend formulierten Worten kann man den Schlüssel zur Einstellung der wichtigsten bayerischen Stellen gegenüber den Juden sehen. Sachliche Gesichtspunkte spielen da überhaupt keine Rolle. Es wird geduldet und gefördert, daß Tag für Tag der Bevölkerung der unwahrscheinlichste Blödsinn über die Juden vorgesetzt wird, gegen den im einzelnen anzukämpfen, als nahezu sinn- und zwecklos erscheint. Daß die Juden in allen Tonarten als Feinde und Zerstörer Deutschlands von eben denselben Kreisen dargestellt werden, die französisches Geld in Riesensummen nehmen, ohne jede Kontrolle verwenden und den Franzosen die allerwertvollsten Dienste gegen Deutschland leisten. Die Juden werden als Schädlinge des deutschen Wirtschaftslebens dargestellt, während es die Spatzen von den Dächern pfeifen, daß rechtsnationale schwerindustrielle Kreise den letzten Marksturz herbeiführten, der die deutsche Widerstandskraft so schwer getroffen hat. Aber aus eben diesen Gründen paßt es diesen Trägern der rechtsnationalen Bewegung, ihre eigene fortgesetzte schwere Schuld am deutschen Volk durch Reproduktionen aus „den Weisen von Zion“ und ähnlichen Phantasiegebilden zu verdecken. Unter den stärksten politischen Ausnahmegesetzen und -gerichten erhalten die rechtsbolschewistischen Organisationen „aus der Abneigung gegen das jüdische und sozialistische Berlin“ volle Bewegungsfreiheit und können unbehelligt die Vergiftung des politischen Lebens und die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit (z. B. Überfall auf Kommerzienrat Siegmund Fränkel) fortsetzen. Das ganze Treiben des rechtsbolschewistischen Lagers mit seinen Geheimverbänden, Fehmeorganisationen, die Möglichkeiten enorme Geldsummen ohne jede Kontrolle zu verwenden, erzeugt die denkbar größte moralische Verwahrlosung. Und wenn schon der Hochverratsprozeß einen tiefen Einblick in diese Erscheinungen gewährte, so lassen einem die Kette politischer Mordtaten (am Student Berger in München, der Parchimer Mord, der Mord Novosat in Wien), die alle in den gleichen Kreisen unter ähnlichsten Bedingungen geschehen, vor dem Abgrund menschlicher Verworfenheit zurückschrecken, den die rechtsbolschewistische Korruption erzeugt hat. Immer deutlicher sieht man die Fäden, die in all diesen Dingen stets nach München führen und die besonders engen Verbindungen zwischen den Hauptsitzen der Reaktion, München-Budapest. Es ist zu hoffen, daß die sehr rührige Wiener Polizei in Verfolgung der Ermordung Novosats, die zu einer größeren Reihe von Verhaftungen und Hausdurchsuchungen geführt hat, viel neues wertvolles Material liefern wird. Als Symptome äußerst bemerkenswert sind die intimen Beziehungen des berüchtigten Dr. Rüge (der jetzt plötzlich als der „verrückte Rüge“ erscheint und wohl auch vor Gericht erscheinen wird) mit Frick usw.; aus den letzten Tagen verdient in diesem Zusammenhang die Einsetzung der nationalsozialistischen Sturmtrupps als „Ordnung s“-Dienst verzeichnet zu werden, gibt er doch ein besonders hübsches Bild vom Ordnungsbegriff der zuständigen Stellen! Nimmt man dazu noch den Sturm der rechtsgerichteten, das heißt aller bürgerlichen Tageszeitungen und der V. V. V. gegen die Polizei, die unerhörter Weise — man bedenke! die gleichen Nationalsozialisten zur Achtung vor der öffentlichen Ordnung zwingen wollten, so ist zu erwarten, daß die

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