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Das jüdische Echo · 1923-07-13 · 28 (13.7.1923) · p. Seite 336

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
28 (13.7.1923)
Date
1923-07-13
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
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334 Das Jüdische Echo Nr. 28 Wir möchten auch bezweifeln, daß es fromme Juden erst seit der Zerstörung gibt. Wir sind der Ansicht, daß zu den Zeiten Salomos und der Propheten auch eine jüdische Religion vorhanden war, obwohl damals Palästina ein jüdisches Land war. Daß man nicht Priester und jüdischer Staatsbürger zugleich sein kann, berührt in solchem Zusammenhänge betrachtet, zum mindesten merkwüidig. Unsere hauptsächliche Kritik gegenüber der Argumentation von Margolius richtet sich aber gegen einen, wie uns scheint, viel wesentlicheren Fehler seiner jüdischen Einstellung. Das ganze Gebäude seiner jüdischen Auffassung ist nämlich ein typisches Ghettoprodukt, eine Konstruktion im luftleeren Raum. Voraussetzung der Erhaltung und Weiterbildung einer Religion, wie überhaupt irgend einer Weltanschauung ist doch unzweifelhaft, daß sie irgend welche Menschen zu Trägern hat. Ein Judentum ist eben nur möglich, solange es Juden gibt. Und hier wird Margolius mit den schönsten Theorien eben nicht über die statistisch einwandfrei nachgewiesene, in einem enormen Maße progressive Abnahme der jüdischen Bevölkerungsziffer hinwegkommen können. Ein Blick in die heutigen Verhältnisse im Osten Europas, wo doch die allein ausschlaggebenden jüdischen Wonach ’die New Yorker Staatsbank sämtliche noch nicht plazierten Obligationen der Tel Awiw-Stadtanleihe käuflich erwirbt. Seitens der New Yorker Staatsbank Unterzeichnete deren Präsident Mister Richard das Abkommen. Die Stadt Tel Awiw war durch ihren gegenwärtig in den Vereinigten Staaten weilenden Bürgermeister Disengoff und durch den amerikanischen Richter Bernard Rosenblatt vertreten. Bekanntlich betrifft die gesamte Anleihesumme 75 000 Ägyptische Pfund. Die B’ne Brith Logen und der Aufbau Palästinas (JPZ.) Baltimore. A. Anläßlich der zionistischen Konvention von Amerika teilte Prof. N. Slutz in einer Sitzung im Namen des Großmeisters der B’ne Brith Loge, Mr. Kraus, mit, daß die B’ne Brith Loge eine Gartenstadt in Palästina errichten werde. Die BB.-Loge habe bereits für diesen Zweck eine Viertelmillion Dollar assigniert und es werde bald mit der Arbeit begonnen werden. England England und Palästina London. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung“.) Ihr Korrespondent erfährt, daß im Rahmen des britischen Kabinetts eine Kommission zum Studium der jetzigen Situation in Palästina bestellt wurde. Diese Kommission wird nach eingehender Beratung mit Sir Herbert Samuel der Gesamtregierung ihre Vorschläge in Bezug auf Palästina unterbreiten. Es verlautet, daß eine der ersten Maßnahmen dieses Komitees die Durchführung der Sparmaßnahmen in Palästina sein wird. Ein weiteres wichtiges Studiumobjekt bildet die Frage des Advisory- Council. Es wird von gut unterrichteter Stelle erklärt, daß von einer Diskussion auf anderer Basis, als Balfour-Deklaration keine Rede sein kann. Litauen Dr. Rosenbaum jüdischer Minister in Litauen K o w n o. (JCB.) Der Präsident des jüdischen Nationalrates Dr. S. Rosenbaum ist zum Minister für jüdische Angelegenheiten ernannt worden. Die Bemühungen einflußreicher Kreise der christlichen Nationaldemokraten, an Stelle des jüdischen Ministeriums ein Minoritätenministerium mit einem Deutschen an der Spitze zu schaffen, sind somit erfolglos geblieben. menleben auf dem Territorium und mit gemein* samer Sprache ablehnen. Oder sollte etwa Herr Margolius die Bildung eines Judenstaates außerhalb von Palästina, etwa in Argentinien oder in Uganda erstreben, damit gleichzeitig eine Rettung der Judenheit und des „symbolischen Zion“ gewährleistet ist? Fürwahr, allen sogenannten „orthodoxen“ Juden sollte man diesen Artikel von Maroglius als Warnungstafel vor Augen halten, als Musterbeispiel dafür, wohin es führt, wenn man aus Angst vor der Realität, aus mangelndem Zutrauen an die Kraft des Judentums und der jüdischen Religion zu einer Verdrängung unseres nationalen Selbsterhaltungstriebes kommt. Des Glaube muß schwach sein, der von der Vereinigung der zerstreut lebenden Juden, von dem Ende des Golus, den Zusammenbruch der jüdischen Religion erwartet. Nicht, weil der Zionist die jüdische Religion für „überlebt“ hält, will er Palästina, sondern gerade weil er davon überzeugt ist, daß nur dort jüdische Lehre zu neuem Leben und nicht nur im Worte sondern auch in der Tat erstarjken wird, geht er nach Erez-Israel. Li-r. i i\n-2 1 Moris Rosenfeld. I Vor wenigen Tagen wurde in New York der jüdische Dichter Moris Rosenfeld zu Grabe getragen. Er starb, trotz aller Anerkennung, die ihm die letzten Jahre gebracht, in ziemlicher Not und Verlassenheit. Erklärt dieser Umstand, den er mit allen Großen teilt, allein die tiefe Erschütterung, die die Nachricht von seinem Tode allenthalben hervorrief? Sein Name ist heute in aller Mund; die Lieder, die dieser ehemalige Schneidergeselle der Qual seiner Nächte entrang, wurden in alle Kultursprachen übersetzt und wenigstens sein Gedichtsband: „Lieder des Ghetto“ sind in der Bibliothek einer jeden jüdischen Familie anzutreffen. Und schon kommen die „Kenner“ köpfeschüttelnd, zählend und wägend, ob die tränenschwere, qualdurchlebte Lyrik Rosenfelds, die holde Harmonie der Seele, über die Dichter nun einmal nach ihrer Ansicht verfügen müssen, aufweise; andererseits fand eine akademieverseuchte Generation die Wogen seines Gedichtes „Sturm“ grade bewegend und rührend genug, um sich darauf zu dem (meist gutbesetzten) Büffettisch tragen zu lassen. Und doch, und doch, er war ein echter Dichter und großer Mensch! Freilich, er zirpt und trällert nicht Liebe und „kein goldenes Instrument stimmt seine Kehle zum Singen“. Selbst der Frühling kann ihm nur ein melancholisches Lächeln abzwingen. Seine Lieder durchbraust der vielstimmige Schrei der Arbeit, durch seine Lieder zittert die Not, mit der der Dichter in bangen Nächten Zwiesprache hält und ringt. Denn ein beispielloser Kampf ist sein Leben. In seines Lebens Mittelpunkt steht die Unrast, die Sehnsucht. Sie treibt ihn nach einer im engen Heimatstädtchen und im Warschauer Cheder verbrachten entsagungsvollen Jugend in die Welt hinaus, nach Holland, England, Amerika: sie quält ihn und peinigt ihn; sie aber gibt ihm die Kraft, die täglich sich erneuernde Frohnde der Werkstatt zu ertragen, sie schenkt ihm auch die Lieder, in denen sich seine gefesselte Seele wieder zu Gott emporschwingt; Lieder des Zornes über die eigene Sklaverei und die des Volkes; Lieder der Hoffnung, ganz wenige eines scheuen Glücks und viele, viele der Trauer ....

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