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Das jüdische Echo · 1923-06-29 · 26 (29.6.1923) · p. Seite 312

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
26 (29.6.1923)
Date
1923-06-29
Page
Seite 312 (sequence 6)
Language
German
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312 Das Jüdische Echo leute in Haft, die an dem Angriffe beteiligt waren. Die drei bezeichnen sich als Nationalsozialisten. Vom bayerischen Kriegsschauplatz Die deutsche Turnerei. Berlin. Nach einer Meldung des „Vorwärts“ aus München hatten verschiedene völkische Organisationen beschlossen, das 13. Deutsche Turnfest, das vom 13. bis 20. Juli in München abgehalten werden soll, wegen der angekündigten Teilnahme von jüdischen, amerikanischen und anderen nichtdeutschen Turnvereinen zu meiden. Entgegen diesem Beschluß erlassen nun Hitler für Deutschland, Dr. Riehl für Österreich und Knirsch für Deutschböhmen einen Aufruf mit der Anordnung, daß sämtliche Mitglieder der nationalsozialistischen Partei mit Aufbietung aller Kräfte in einer Massenbeteiligung an dem Turnfest teilzunehmen haben, um den größtmöglichen Einfluß auf das Fest auszuüben. Gleichzeitig wird ein großer nationalsozialistischer Kongreß in München abgehalten werdea „Deutsche Zeitung“ gegen nationaldeutsche Juden. Berlin. (J.C.B.) Die deutschvölkische „Deutsche Zeitung“ macht sich in ihrer letzten Nummer über die nationaldeutschen Juden lustig, die sich bemühen, die deutsche Judenschaft zu echtem Deutschsein zu erziehen. Das Blatt zitiert verschiedene Stellen aus einer von Ambrö verfaßten Schrift, in welcher den Juden Deutschlands aus Anlaß der beginnenden Reisezeit Verhaltungsmaßregeln gegeben werden, damit sie nicht als Juden den Mitreisenden lästig werden. Die „Deutsche Zeitung“ wendet sich besonders gegen den Schlußsatz des jüdischen Verfassers, der seine lieben „nationaldeutschen Juden“ auffordert, „Missionäre des Deutschtums“ zu werden. Das Blatt meint der Prediger, der das; Deutschtum lehrt, unterliegt dem ärgsten jüdischen Fehler: der jüdischen Überheblichkeit. Da er Jude ist, wird er das Deutschsein niemals lernen. Der in der Tschechoslowakei erscheinende nationalsozialistische „Tag“ druckt diesen Artikel der „Deutschen Zeitung“ ab. Literarisches Echo Unter dem Titel: „Die Bilanz des Keren Hajessod“ hat die Abteilung für Zentraleuropa des Keren-Hajessod in Berlin, in Form eines Albums eine doppelseitige Karte herausgegeben, die auf der Vorderseite eine graphische Darstellung, einen Überblick über das bisherige Ergebnis der Palästinasiedelung und die Verwendung der dafür aufgebrachten Mittel gibt und auf der Rückseite diese Darstellung durch Bilder ergänzt, die die Entwicklung der jüdischen Arbeit in Palästina in ausgezeichneter Weise veranschaulichen. Das Ganze wird; erläutert durch einen kurzen Text, der die hauptsächlichsten Zahlen und das Programm des Keren Hajessod enthält. Diese Publikation kommt einem langempfundenen Bedürfnis entgegen, das nach einer sinnfälligen Aufstellung verlangt, die die Verwendung der für den Aufbau aufgebrachten Gelder in ihren Einzelheiten und Resultaten vor Augen führt und in leicht faßlicher Form' die ganze Entwicklung des jüdischen Palästina unzweideutig und überzeugend illustriert. Einzelexemplare dieser Broschüre sind gegen1 Voreinsendung von 500 Mk. durch das Keren Hajessodbüro Nürnberg, Fürtherstraße 87, zu beziehen. Ein gegangene Bücher. (Besprechung Vorbehalten.) Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums; Historische Sektion, II. Band, Untersuchungen über Quellen und Komposition des Schebet Jehuda von Fritz Baer; Talmudisehe Sektion, II. Band, Untersuchungen über die Redaktion der Mischna von Chanoch Albeck; beide Werke sind erschienen im Verlage von C. A. Schwetschke u. Sohn, Berlin. Kunst-Echo Hermann Fechenbach Ein jüdischer Künstler. In den letzten Jahren konnte wiederholt das jüdische Publikum auf neue schöpferische Kräfte im Judentum hingewiesen werden, die mit zum Aufbau einer jüdischen Kunst beizutragen berufen sind. Nicht als Künstler wollten sie angesehen werden, die gerade zufällig Juden sind, deren Wirken aber nur im Rahmen der zeitgenössischen Kunst zu werten ist, auch wenn ihre Schöpfungen jüdische Themen zur Darstellung brachten. So waren noch Pasternak und E. M. Lilien und selbst Struck nur zeitgenössische Künstler. Seit aber Josef Budko und Steinhardt vor den Kreis der Öffentlichkeit traten, ändert sich das Bild. Aus dem Willen, jüdisch zu sein, ergaben sich Ansätze zu Behandlungsarten, die als jüdische Eigenart anzusprechen ist. Zu diesen seit Jahren wohlbekannten Namen wird sich bald ein neuer gesellen: Hermann Fechenbach. Der im alten Ordensmeisterstädtchen Mergentheim geborene, erst 26 Jahre alte Maler hat wohl aus der alten kulturgeschwängerten Umgebung die Keime zu seiner intimen Naturbeobachtung gewonnen. In Stuttgart bei Landenberger und nun in München bei Schinnerer und Stuck hat er die technischen Fertigkeiten erworben. Noch ist er ein Werdender und fühlt sich auch noch nicht zur vollen Reife gediehen; deswegen verläßt er bald München, um in Florenz seine Studien fortzusetzen. Aber er hat durch eine Abschieds-Ausstellung, die nur noch bis einschließlich Sonntag, 1. Juli im Atelier, Adalbertstr. 41a, Rückgebäude, zu sehen ist, eine Reihe von seinen bisherigen Arbeiten auf den Gebieten der Ölmalerei, der Zeichnung und des Holzschnittes dem weiteren Publikum zugänglich gemacht. Die Gemälde, meist Studien, zeigen sehr erfreuliche Ansätze zu freier Licht- und Raumbehandlung und beweisen bereits gute Beherrschung des Eindrucks und der Wiedergabefähigkeit. Vollendeter — und zwar schon bis zur meisterhaften Beherrschung der Technik — sind die Holzschnitte. Hier herrscht volles Leben im Spiel von Licht und Schatten. Die Flächen sind gut gegeneinander abgewogen und das Schwarz - Weiß zu farbiger Wirkung herangezogen. Hier ist dem Künstler auch die Möglichkeit gegeben, das „Jüdische“ in Inhalt und Ausdrucksgewalt erscheinen zu lassen. Vor allem ist eine „Misrach“-Tafel zu erwähnen, die neben der Verwendung von Symbolen und Schrift noch sehr eindrucksvolle figürliche Darstellungen bietet. Die beiden Elemente der Zions-Sehnsucht, der betende Jude und der Chaluz, daneben die Schöpfungs-Idee des Sechs-Tage-Werkes sprechen in technisch hervorragenden Bildern zu uns. Neben weiteren Blättchen einer reizvollen Kleinkunst, Sabbath-Eingang und Habdalah, einem Blättchen „Chanukkah“ sind eine wertvolle, technisch ebenfalls vorzügliche Reihe von Holzschnitten,

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