Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 25 (22.6.1923)
- Date
- 1923-06-22
- Page
- Seite 299 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Das Jüdische Echo BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE verschiedene Arten von Menschen, die wenig miteinander zu tun haben. Die Gründung des Verbandes nationaldeutscher Juden hätte die Klärung bringen können. Die Gelegenheit wurde versäumt. — Mir scheint alles darauf anzukommen, welche Rolle die jüdische Anschauung im Dasein des Einzelnen spielt. Eine Schwerpunktsverlegung von der materiellen auf die jüdische Seite täte Not,“ „ „Sie nähern sich unserer Forderung nach dem Primat des Judentums.“ “ „Lassen Sie dies Schlagwort. —■ Mir genügt als Voraussetzung einer starken Abwehr die erfolgreiche Durchführung einer ,inneren Mission* im Sinne von Eugen Fuchs. Abwehr des Antisemitismus müßte mehr: sein als Schutz persönlicher Interessen! Wenn jüdische Vergangenheit, jüdisches Schrifttum, die Sprache unserer Gebete nicht nur im Staub der Lehrbücher und Bibliotheken vertrocknen, sondern in Herzen und Hirnen leben, wenn die jüdische Religion nicht mehr nur Feiertagsrequisit und Rabbinersache sein würde.... Ich könnte mir ein Judentum denken, für das die deutschen Juden mit letztem Ernst und ungeheuerer Entschlossenheit eintreten würden.“ „ „Ich begreife jetzt, weshalb Sie so ernsthaft für das Arbeiterfürsorgeamt eintreten, so eifrig für den Keren Hajessod1 arbeiten.“ “ „Meiner deutschen Gesinnung wird dadurch nichts genommen. Ich würde mich in dieser Zeit des internationalen Antisemitismus schämen, die Solidarität mit meinen Glaubensgenossen nicht zu bekunden. Ich arbeite mit an den Aufgaben der jüdischen Gegenwart und glaube an eine Zukunft auch des deutschen Judentums, die von einem jüdischen Palästina erhellt werden könnte. — Mir und meinen wirklichen Gesinnungsgenossen kommt eben alles darauf an, daß das Judentum, für das wir kämpfen, des Kampfes wert sei oder besser: Im Mittelpunkt unserer jüdischen Anschauung und Betätigung steht nicht die Abwehr, nicht eine bedauerliche Notwendigkeit, nicht die Sicherheit und das Behagen einzelner, sondern das Judentum und die jüdische Gemeinschaft, die wir lieben und um die allein es sich lohnt zu kämpfen.“ „ „Auch für uns Zionisten ist eine solche Tendenz des Abwehrkampfes entscheidend. Wir sind willens, nach Kräften für Ehre und Bestand der i jiddischen Gemeinschaft ei'nzutreten. Es müßte freilich wieder eine jüdische Gemeinschaft in Deutschland geben, nicht nur ein Konglomerat einzelner Juden; einen jüdischen Körper, der Träger einer jüdischen öffentlichen Meinung sein könnte.“ “ „Innerhalb dieses jüdischen Körpers hielten Sie gemeinsame Arbeit der jüdischen Parteien für möglich?“ „ „Wenigstens eine Koalition zur gemeinsamen Durchführung gemeinsamer Aufgaben, wie beim Keren Hajessod. Der geistige Kampf würde weiter gehen.“ “ „Ich fürchte ihn nicht, ich begrüße ihn. Er könnte bei gegenseitiger Achtung eine Klärung der Meinungen und eine Vertiefung des Gemeinschaftsempfindens bringen. — Aber wie denken Sie sich die praktische Zusammenarbeit?“ „ „Dile Gemeinden oder Gemeindeverbände sollten Aktionsausschüsse einsetzen, in denen die Parteien vertreten sind. Oder es würde eine demokratische Organisation der deutschen Juden mit örtlichen Vertretungskörpern und einer Exekutive neben anderen auch die Aufgabe der Abwehr übernehmen. Schließlich könnten die einzelnen Gruppen im Judentum selbst paritätisch zusammengesetzte zwischenparteilichle Instanzen schaffen.“ “ „Und wenn nun eine solche Einigung erfolgt wäre?“ „ „So müßten wir in ernster und würdiger Form vor die deutsche Öffentlichkeit treten und Recht und Gehör verlangen. Es dürfte nichts verschleiert werden. Man müßte den Tatsachen entsprechend bekennen, daß es innerhalb der Judenheit zwei anschauungsverschiedene Gruppen und einen Streit um das Wesen des Judentums und damit um die Stellung zum Deutschtum gibt. Man könnte beifügen, daß alle jüdischen Richtungen einig seien in der loyalen Haltung dem Staat und der Staatsnation gegenüber und in der Forderung, daß der Staat die Gleichberechtigung und den Schutz seiner Bürger nicht von ihren Gesinnungen abhängig machen dürfe. Freilich hätten wir dafür zu sorgen, daß wir gehört werden. Sie wiesen schon darauf hin, daß die Mehrzahl der deutschen Blätter, fast alle Nachrichtenbüros und damit die ganze deutsche Presse unter dem Einfluß des Stinnes-Hugenbergschen Zeitungstrust stehen, dessen Redakteure, die Wünsche ihrer Herren über treffend, täglich weniger Objektivität in jüdischen Fragen zeigen. Nicht einmal die Juden kämpfen dagegen an. Sie schimpfen wohl, aber sie lesen das gewohnte Blatt weiter und unterstützen es durch Geschäfts¬ und selbst Familieninserate. Wehren wir uns dagegen, suchen wir die noch unabhängige Presse zu stärken! Vielleicht ist es doch noch nicht zu spät, und sei es unter Opfern, ein gewisses Gegengewicht zu schaffen, — Sehen wir uns auch nach Freunden um! Es ist dankenswert, daß man Beziehungen zu nichtjüdischen Kreisen unterhält, aber unsere Wirkungsmöglichkeiten sind größer. Nicht jeder ist Antisemit, der die Gleich a r t i g k e i t von Juden und Deutschen leugnet. Überlassen Sie uns Zionisten die Aufgabe, ihn von der Gleich Wertigkeit der Juden zu überzeugen. Wir Zionisten sind nicht belastet durch nationaldeutsche Erklärungen und Annäherungsversuche an den gemeinsamen Feind. Wir haben unsere Jugend in einem neuen Verhältnis zur körperlichen Arbeit erzogen. Es ist leicht, unsere Tätigkeit in Palästina, unsere Chaluzim und ihr Werk dem Verständnis und dem Herzen des anständigen Deutschen nahe zu bringen. — Sie müßten einmal Gewerkschaftler nach einer Aufführung unseres Palästinafilms hören ....“ “ „Ich weiß, daß sogar in' Bayern jüdische Gemeinden die Aufführung des Films aus solchen Gründen wünschten. — Aber wie stellen Sie sich unsere Beziehungen zu den deutschen Parteien vor?“ „ „Als ein Zusammengehen für den Fall gemeinsamer Not, wie sie z. B. in Bayern jeden Tag eintreten kann. Wir hätten bei Verband-