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Das jüdische Echo · 1923-06-15 · 24 (15.6.1923) · p. Seite 288

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
24 (15.6.1923)
Date
1923-06-15
Page
Seite 288 (sequence 6)
Language
German
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288 Das Jüdische Echo Nr. 24 Palästinaarbeit gesammelt. Die Konferenz übernahm die Verpflichtung, bis Ende des Jahres eine Million Dollar zu sammeln. Rudolf Schildkraut in New York verurteilt Der bekannte jüdische Schauspieler Rudolf Schildkraut wurde gemeinsam mit 12 anderen Schauspielern wegen der Aufführung des Dramas „Der Gott der Rache“ von Schalom Asch vom Strafgericht in New York verurteilt. Das Gericht bezeichnete das Drama als unsittlich.. Schildkraut hatte sich gegen diese Anklage dahin verteidigt, daß er die Hauptrolle in „Gott der Rache“ in Berlin am Deutschen Theater Max Reinhardts vor mehreren Jahren kreiert hat, ohne daß es jemanden einfiel, das Stück als unsittlich zu bezeichnen. Wie bekannt, hat der Streit um die Sittlichkeit des Dramas „Der Gott der Rache“ in Amerika weite Kreise gezogen. Der Autor Schalom Asch hat persönlich in den Streit eingegriffen und ist für sein Werk eingetreten. Tschecho-Slowakei Die Prager Israelitische Kultusgemeinde für den Keren-Hajessod Anläßlich der Budgetberatung am 3. Juni d. J. beschloß die Repräsentanz der israel. Kultusgemeinde in Prag, dem Keren-Hajessod für das laufende Jahr eine Spende von 10 000 K zuzuwenden. Vizepräsident Dr. Adolf Bandler gegründete diesen Antrag damit, daß der Keren- Hajessod eine allgemein jüdische Angelegenheit sei, welche die Unterstützung aller Parteien verdiene. Die Spende bezieht sich auf das laufende Jahr; es wurde aber die Absicht ausgesprochen, sie in den nun folgenden Jahren zu wiederholen. Die Annahme dieses Antrages erfolgte einstimmig. Das Palästina-Amt Berlin teilt mit: Der palästinensischen Regierung ist es gelungen, wieder einmal von der englischen Regierung die Einreiseerlaubnis für 429 Chaluzim zu erwirken. Davon entfallen auf Deutschland 15 Zertifikate für Landwirte. Die Exekutive betont, daß nur gut ausgebildete und praktisch erfahrene Landwirte in Frage kommen. Ein jeder muß demnach bereit sein, jede Arbeit zu übernehmen, die ihm im Lande zugewiesen wird. Neben den Landwirten sind noch Hausgehilfinnen für die Einwanderung nach Palästina zugelassen worden. Von diesen entfallen auf Deutschland 9 Personen. Bei den Hausgehilfinnen wird besonderer Wert darauf gelegt, daß sie mit allen hauswirtschaftlichen Arbeiten vertraut, und möglichst auch in Kinderpflege erfahren sind. Die Bewerberinnen für diese Zertifikate müssen wenigstens 1 Jahr in einen palästinensischen Haushalt gehen. Zur Übersiedlung ist erforderlich: 1. Ein Paß, 2. ein polizeiliches Führungszeugnis, 3. ein ärztliches Attest, 4. das erforderliche Reisegeld. Die Reisekosten betragen pro Person zirka £ 6.10 bis £ 8.—, je nach der Art des Passes (inkl. Eisenbahn- und Schiffsreise, Verpflegung, Gepäck, Regierungssteuer, Visa usw.). Umgehende Meldungen sind zu richten an das Palästina-Amt, Berlin, Emserstr. 12/13, da die Visa bis Ende Juli ablaufen. literarisches Echo Es ist eines der wesentlichsten Verdienste der nationaljüdischen Bewegung, daß sie eine Neuerstarkung des Interesses für gute jüdische Literatur mit sich gebracht und dadurch wieder anregend auf die Produktion und auf die Schaffensfreude jüdischer Dichter und Denker gewirkt hat. Im „Jüdischen Verlage“ sind in den letzten Wochen wieder eine Reihe von Werken in vorbildlicher Ausstattung herausgekommen, die sämtlich von außerordentlichem Wert für alle diejenigen sind, die tatsächlich ein Bedürfnis haben, jüdischer zu werden oder doch wenigstens zu erkennen, welche Kräfte dem doch so kranken Organismus des jüdischen Volkes innewohnen und sofort existent werden, wenn man auch nur in bescheidenem Maße daran geht, sie zu ermuntern, zu pflegen, anstatt sie wie bisher künstlich niederzuhalten und verkümmern zu lassen. S. J. Agnon hat mit seiner Erzählung: Der Verstoßene vielleicht zum ersten Male in einer wunderbaren Sprache und mit seltener, eines feinen Humors nicht entbehrender Ausdrucksfähigkeit, das den jüdischen Osten in ungeahntem Maße bewegende Problem der Divergenz von Chassidim und Mismagdim herauskristallisiert. Die wunderbare Eigenschaft großer Dichter, durch einen Roman, ein Drama eine Erzählung tiefere Einblicke in historisches Geschehen zu vermitteln, als es die wissenschaftlichsten Darlegungen von Gelehrten vermögen, bewahrheitet sich auch an diesem Buche, dessen, wie es scheint, glückliche Übersetzung den Genuß verraten läßt, den das hebräische Original dem Leser vermittelt. Der dritte Band der „Herzl’schen Tagebücher“ und der dritte Band von S. M. Dubnow’s „Neuester Geschichte des Jüdischen Volkes“ werden wohl von der großen Zahl derjenigen, die die beiden ersten Bände gelesen haben, mit Ungeduld erwartet worden sein. Geht schon die Lektüre der Tagebücher jeden Juden, beileibe nicht nur den Zionisten, an, so bedeutet die nunmehr lückenlos den Zeitraum von 1879 bis 1914 umfassende Geschichte Dubnow’s den ersten als glänzend geglückten Versuch, jüdische Geschichte nicht als eine Aneinanderreihung der Taten und Leiden einzelner großer Juden zu betrachten, sondern in historischer Treue und unter liebevollem Eingehen auf die bisher so vollkommen vernachlässigten sozialen Verhältnisse der jüdischen Minorität eine Volksgeschichte zu schreiben, die sich wohl inhaltlich ganz bedeutend, der Geschichtsauffassung nach jedoch im Wesentlichen nicht von den großen Geschichtswerken anderer Literaten unterscheidet. Der flüssige Stil macht es möglich, das Gesamtwerk hintereinander ohne Unterbrechung zu lesen und gibt endlich dem Erzieher, dem daran gelegen ist, jüdische Werte zu vermitteln, die technischen Möglichkeiten dazu. In dem Bücherschränke eines interessierten jüdischen Jungen dürfte der „Dubnow“ überhaupt nicht fehlen. In demselben Verlage ist nun auch das genaue stenographische Protokoll des XII. Zionistenkongresses erschienen. Es wird wohl kaum eine wesentliche jüdische Frage geben, mit der sich der Kongreß nicht beschäftigt hat, und die infolgedessen in diesem dickleibigen Bande nicht berührt wäre. Wenn dieses Buch auch hauptsächlich für Zionisten bestimmt ist, so empfehlen wir es doch allen denjenigen, die sich ein Bild der von dem Kongresse bewältigten Arbeit machen wollen. Die vom Verein jüdischer Hochschüler „Barkochba“ in Prag herausgegebenen „Jüdischen Jugendblätter“ erfüllen ebenfalls ein in Kreisen positiv jüdischer Jugend lange gehegtes Bedürfnis. I» der neuesten Nummer 11 finden sich unter anderem Artikel von Jakob Meller: Vom jüdischen Erziehungswesen; Siegfried B e r n f e 1 d : Über Lehrerausbildung; Arthur Holitscher: Die Arbeitsschule in Rußland u. a.

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