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Das jüdische Echo · 1923-06-01 · 22 (1.6.1923) · p. Seite 260

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
22 (1.6.1923)
Date
1923-06-01
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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26Ö Das Jfldlsche Echo Nr. 22 in der Lage ist, der in sich sämtliche Funktionen einer gesunden Volkswirtschaft vereinigt. Alle Arbeit, die der Hand und des Geistes wird dort von Juden verrichtet. Die Bebauung des Ackers, die Errichtung von Häusern, der Unterricht der Kinder, das Theater, alles wird von Juden für Juden besorgt. Selbstverständlich gibt es auch heute noch rege geistige und wirtschaftliche Beziehungen zwischen Arabern und Juden. Aber diese Fäden, die sich hinüber und herüber spinnen, sind nicht einseitig geistiger Natur auf der einen und wirtschaftlicher Art auf der anderen Seite. Arabische Konsumenten beziehen ihre Milch, ihr Gemüse aus den jüdischen Kolonien, ihre Kraft aus jüdischen Elektrizitätswerken, ganz genau so, wie jüdische Gelehrte aus dem Gedankenaustausch mit ihren arabischen Kollegen Vorteil und Belehrung gewinnen. Und dieses Verhältnis wird sich naturgemäß mit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung, die ihrerseits natürlich ganz wesentlich von der Menge des nach Palästina strömenden Geldes abhängig ist, mehr und mehr zu Gunsten der Juden verschieben, ohne daß auch nur ein minimaler Bruchteil der gespendeten Gelder in nichtjüdische Hände überzugehen braucht. Dieses Gefühl der Genugtuung darüber, daß tatsächliche Leistung zugleich die beste Möglichkeit der Konsolidierung der Verhältnisse darstellt, sollte nicht nur unseren Chaluzim auch in Zukunft jene Frische und jenen Stolz verleihen, der von allen Besuchern Palästinas als etwas so Wunderbares und Neues mit Recht empfunden wird, sondern es müßte eigentlich auch die Judenheit in der ganzen Welt anfeuern, in ganz anderem Maßstabe als bisher dazu beitragen, daß diese so viel versprechende Entwicklung nicht an Lethargie und mangelnder Verantwortlichkeit scheitert. Daß das jüdische Palästina dann auch in ganz überragendem Maße ein Bollwerk gegen den internationalen Antisemitismus bilden wird, ist schon so oft ausgeführt worden, daß ein Hinweis darauf hier genügen kann. In diesen Zeilen ist der Versuch gemacht worden, zu zeigen, daß die Araberfrage, selbst wenn man sie pessimistischer betrachtet, als es bei der augenblicklichen Lage der Dinge eigentlich erforderlich wäre, nicht nur keinen Anlaß zu einer negativen Einstellung der Palästinafrage gegenüber bietet, sondern gerade dann, wenn man sie so ernst nimmt, als sie vielleicht unter ungünstigen Verhältnissen einmal werden könnte, erst recht und immer wieder zeigt, daß eine radikale und anständige jüdische Lösung der Judenfrage nur auf der Basis des jüdischen Palästina möglich sein kann. Niemand wird Palästina den Juden geben, wenn nicht sie selbst und niemand wird es ihnen nehmen können als ihr eigener Mangel an wahrem Verantwortungsgefühl. Li-r. , — -— — -—- * - gegenüber der alten JJködern ie reine Die Bestätigung des Mandates Von Dr. Chajim Weizmann Bei einem Meeting in New York erzählte Dr. Weizmann nachstehende Einzelheiten aus jenen schicksalsschweren Tagen, da im Rate des Völkerbundes über die Genehmigung des Palästina-Mandates verhandelt wurde: In dem Völkerbundsrat, der über das Mandat zu entscheiden hatte, waren sieben Staaten vertreten, deren Beschluß einstimmig gefaßt werden mußte. Jeder einzelne dieser Staaten konnte die Mandats-Ratifizierung aufhalten oder verhindern. Von diesen sieben Staaten waren fünf katholisch. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß der Vatikan bis dahin nicht sehr freundlich auf unsere Wünsche in Palästina geblickt hatte. Und unter diesen katholischen Staaten befanden sich einige, in denen eine jüdische Bevölkerung so gut wie gar nicht existierte. In Staaten, in denen Juden leben, kann man ihre Hilfe in Anspruch nehmen, um die Sympathie ihrer Regierung zu gewinnen. So war es der Fall bei Frankreich, wo die jüdische Bevölkerung zu unseren Gunsten argumentieren konnte. Auch bei Italien durften wir diese Erwartung hegen. Aber da war ferner Spanien. Dort gibt es keine Juden. Die Geschichte unserer Beziehungen mit Spanien ist lang und blutig, und das Fehlen einer jüdischen Gemeinschaft in Spanien ist nicht ohne Zusammenhang damit. Dann saß Brasilien im Völkerbundsrat. Die Zahl der Juden in Brasilien ist unbedeutend. Aber was unsere Zukunft in Palästina anbetrifft, so war der Einfluß von Brasilien für uns ebenso wichtig, wie der von England. In den wenigen Tagen, die der entscheidenden Sitzung vorangingen, erwogen wir jede Möglichkeit und blickten uns nach allen Seiten um Hilfe um. Wir erinnerten uns, daß wir im Jahre 1918 bei der Grundsteinlegung der Universität in Jerusalem ein Glückwunschtelegramm von einem Professor der Universität in Madrid erhalten hatten. An ihn wandten wir uns, und er wandte all seinen Einfluß auf und wandte sich an seine Freunde, damit sie sich bemühten, die Regierung zu unseren Gunsten zu stimmen. Dieser spanische Professor war ein Marrane und unter seinen Freunden, die er für unsere Sache bemühte, waren mehrere Marranen. In diesem Augenblick unserer Geschichte, nachdem das Judentum dieser Marranen Jahrhunderte hindurch vergessen war, erwachten sie plötzlich zu ihrem wahren Wesen und zu ihrer echten Verantwortlichkeit. Wir wandten uns an den Vertreter Spaniens im Völkerbundsrat, der zufälligerweise Vorsitzender der für uns entscheidenden Sitzung war, und wir sagten zu ihm: „Hier hat Spanien die Möglichkeit, zu einem Teil die lang ausstehende Schuld zu begleichen, die es den Juden schuldet. Das Übel, das Eure Vorfahren uns angetan haben, könnt Ihr zu einem Teil tilgen.“ Der Vertreter Spaniens war für uns. Wir wollen diese Tatsache in unserer Geschichte verzeichnen, daß durch den Mund des Vertreters von Spanien in jenen entscheidenden Tagen jene jüdischen Märtyrer gesprochen haben, die in den Tagen der Inquisition litten und starben. Jene Opfer vor 400 Jahren trugen im Jahre 1922 ihre Früchte. Am Sonnabend, nachmittag um 5 Uhr, wurde das Mandat unterzeichnet. Um 1 Uhr desselben Tages kam ein päpstlicher Bote nach London; Er brachte das päpstliche Verlangen mit sich,, daß die Mandatsratifizierung bis zum kommenden Montag verschoben werden sollte. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß das Mandat niemals bestätigt worden wäre, wenn dieser kurze Aufschub

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