Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 21 (25.5.1923)
- Date
- 1923-05-25
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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250 Das Jüdische Echo Nr. 21 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21641 ELEGANTE PELZE jahr 1923 ist zu entnehmen, daß die Arbeiten für die Ausgrabung der Davidstadt am Berge Ophel bei' Jerusalem, die im Mai d. J. in Angriff genommen werden sollten, infolge finanzieller Schwierigkeiten verschoben werden mußten. Die Palästina- Regierung will ihre Einwilligung zum Beginn der Ausgrabungen nur geben, falls die nötigen Beträge sichergestellt werden. Da die Summe noch nicht aufgebracht wurde, können die Arbeiten nicht vor dem Jahre 1924 begonnen werden. Verbilligung des Bahn Verkehrs in Palästina Mit dem l. April wurden die Tarife auf den palästinensischen Bahnen bedeutend reduziert. Die Ermäßigung beträgt beispielsweise auf der Strecke Jaffa—Jerusalem bis 60 St., aber auch auf allen anderen Linien 30 bis 40 St. Diese Verbilligung hat bereits zu einer bedeutenden Steigerung des Verkehrs auf den Eisenbahnen geführt, dem im letzten .fahre durch den verhältnismäßig billigen, recht regen Automobilverkehr eine große Konkurrenz erstanden war. Das Pochen an die Tore Palästinas (Ungestümes Fordern von Einwanderungserlaubnissen) Wie stark das Verlangen der Juden nach Einwanderung nach Palästina ist, zeigen folgende Auszüge aus den bei der Emigrantenabteilung der Palästinensischen Zionistischen Exekutive aus verschiedensten Ländern eingetroffenen Schreiben, in denen stets das ungestüme Verlangen nach Erhöhung der Einwandererquote und Zuteilung von weiteren Einreiseerlaubnissen zum Ausdruck kommt: Polen. Das Palästinaamt in Warschau schreibt u. a.: „Aberhunderte von Flüchtlingen aus Rußland und der Ukraine sind ständig der Abschiebung gewärtig. Die Lage ist schrecklich. Herr Sokolow hat sich davon überzeugt und Ihnen ein diesbezügliches Telegramm geschickt. Wir hoffen sicher, daß seine Bitte um weitere 300 Einreiseerlaubnisse erfüllt werden wird. Litauen. Das Palästinaamt in Kowno schreibt u. a.: „Fortwährend wenden sich an uns Leute um Visa, nützliche Elemente, Familienväter und Fachleute und auch arbeitserprobte Chaluzim, und wie groß ist unser Schmerz, daß wir ihnen die gewünschte Visa nicht erteilen können. Bei Erhalt unserer negativen Antwort geraten die Leute in Verzweiflung. Wir ersuchen deshalb, uns 100 Einreiseerlaubnisse zukommen zu lassen, wobei wir zu berücksichtigen bitten, daß es für den Keren Hajessod, den Keren-Kajemeth, die Schekelaktion usw. keine bessere Propaganda gibt, als die Ermöglichung der Palästinaeinwanderung.“ Lettland. Das Palästinaamt in Riga schreibt u. a.: „In Lettland gibt es Hunderte von Handwerkern, die nach Palästina übersiedeln möchten. Es gibt jetzt keinen anderen Zionismus als Palästinaeinwanderung. Die Frage der Geldbeschaffung steht im engsten Zusammenhang mit der Lösung der Einwanderungsfrage.“ Rumänien. Das Palästinaamt in Bukarest schreibt u. a.: „Die Zahl der sich an uns wendenden Einwanderer ist sehr groß, hingegen aber die Zahl der uns zur Verfügung gestellten Erlaubnisse sehr gering.“ — Das Palästinaamt in Czernowitz verlangt in einem Telegramm vom 21. März 100 Einreiseerlaubnisse. U n g a r n. Das Palästinaamt in Budapest schreibt u. a.: „Chaluzim, größtenteils erstklassige Handwerker, und auch vermögende Leute können nicht die Einreiseerlaubnis' nach Palästina erwirken. Um die zionistische Bewegung in Ungarn zu stärken, benötigen wir unbedingt Einreiseerlaubnisse.“ T schiechoslowake i. Das Palästinaamt in Prag schreibt u. a.: „Wir können nicht bis zum nächsten Jahresquartal warten, in dem Sie sicher eine neue allgemeine Einwanderungserlaubnis erhalten werden. Wir müssen unbedingt noch in diesem Quartal neue Einreiseerlaubnisse zugewiesen bekommen.“ Bulgarien. Die Zionistische Organisation in Sofia schreibt u. a.: „Da das Verlangen nach Einreiseerlaubnissen sehr groß ist, fordern wir mit aller Energie, die Zahl der uns zugewiesenen Einreiseerlaubnisse jedesmal zu verdoppeln.“ Österreich. Das Palästinaamt in Wien ersucht ständig um Einreiseerlaubnisse, da es ständig von Einwanderern um solche angegangen wird. Deutschlan d. Das Palästinaamt in Berlin fordert in jedem Briefe weitere Einreiseerlaubnisse an. Italien. Das Palästinaamt in Triest schreibt u. a.: „Wir benötigen weitere Einreiseerlaubnisse für die Juden aus Tripolis, um ihren Unmut zu beschwichtigen, der unserer Keren Hajessodarbeit großen Schaden zufügt.“ Frankreic hl Das Emigrationskomitee in Paris schreibt u. a.: „Mehr als 100 Leute, darunter solche, die für das Land von großen Nutzen sein würden, wandten sich an uns mit der Bitte, ihnen die Einwanderung nach Palästina zu ermöglichen. Alle haben genügend Reisemittel und auch die für die verschiedensten Berufe nötigen Arbeitsgeräte.“ England. Die Zionistische Exekutive schreibt u. a.: „Wollet bitte bei der ersten Gelegenheit eine gewisse Zahl von Einreiseerlaubnissen für England reservieren.“ Türkei, Das Palästinaamt in Konstantinopel schreibt u. a.: „Jedes Schiff aus Odessa und Batum bringt Gruppen von Wanderern, von denen die meisten nach Palästina möchten, darunter zahlreiche Handwerker, die den Bedingungen des Landes angepaßt sind, auch viele, die zu ihren Verwandten reisen. Erst dieser Tage kommen wieder 400 Wanderer aus Batum.“ — In einem Telegramm vom 23. März teilt das Palästinaamt in Konstantinopel mit, daß 300 Flüchtlinge aus Rußland erwartet werden, für die es unbedingt 100 Einreiseerlaubnisse benötigt. Griechenland. Aus Saloniki wird u. a. geschrieben: „Das Wanderungsverlangen der Juden Salonikis nach Palästina wächst von Tag zu Tag. Wir ersuchen Sie, uns so schnell als möglich Erlaubnisse zuzuschicken.“