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Das jüdische Echo · 1923-05-25 · 21 (25.5.1923) · p. Seite 248

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
21 (25.5.1923)
Date
1923-05-25
Page
Seite 248 (sequence 4)
Language
German
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248 Das Jüdische Echo Nr. 21 fließt, will, daß er nicht etwa irgend welche Auswüchse der jüdischen Kolonisation, sondern den Gedanken der Kolonisation an sich aufs heftigste bekämpft. Die Tragik und die Größe dieses ganzen Kampfes liegt eben darin, daß jede der beiden Parteien das Recht auf ihrer Seite zu haben glaubt und auch glauben kann, daß es sich hier um Fragen handelt, die niemals durch das Wort, sondern nur durch die Tat entschieden werden können. Wir Juden, die wir durch eine tausendjährige Leidensgeschichte dazu erzogen wurden, alle Dinge mit einem viel größeren Maße von Objektivität zu betrachten, als es oft gut ist, gerade wir sind allzuleicht geneigt, die Gerechtigkeit unserer eigenen Sache um deswillen zu übersehen, weil wir auf der anderen Seite auch eine gewisse Berechtigung zum Kampfe erkennen. (Wir wissen, daß es sogar Juden gibt, denen diese „Objektivität“ die Kraft nimmt, sich gegen den Antisemitismus würdig zu verteidigen.) Den Arabern ist es zwar gelungen, im Laufe der Jahrhunderte Palästina bis zu einem Grade herabzuwirtschaften, daß es sich in einem Zustande der Verwahrlosung wie wenige Länder in der ganzen Welt befindet, aber keineswegs ist Palästina ein arabisches Land im wahren Sinne des Wortes. Erst neulich faßte Sir Alfred Mond seine Reiseeindrücke aus Palästina in die Worte zusammen: „Wenn wir die jüdische Arbeit von Palästina ausschalten, was bleibt dann überhaupt übrig?“, und er begründete diese These in längeren Ausführungen, die an Überzeugungskraft nichts übrig lassen. Palästina ist auch wahrlich nicht das einzige Land, das den Arabern zur Verfügung steht. Uns Juden dagegen fehlte bis zur Erteilung des Mandates ein Platz, an dem wir uns unserer Art gemäß frei entwickeln konnten. Palästina wäre ein unbekanntes Stückchen Land irgendwo in Kleinasien, das vielleicht noch nicht einmal einen eigenen Namen hätte, wenn es nicht „E r e z I s r a e 1“, das Land der Bibel, wäre. Es bedarf nicht einer Häufung der Argumente, um festzustellen, daß unser Recht auf dieses steinige Stück Boden so fest begründet ist, als Rechte von Menschen überhaupt gegründet sein können. Nur wenn man von dieser Überzeugung ausgeht, nur wenn die Achse unserer Politik das Axiom von dem jüdischen Lande für das jüdische Volk bildet, dann hat das Wort von der Verständigungspolitik mit den Arabern in Palästina einen realen Sinn für uns. Nicht ein Betteln um. Freundschaft, nicht ein zielloses Nachgeben wird uns daher zum Ziele führen. Wir kommen als Eigentümer zu dem unrechtmäßigen Besitzer unserer Sache, dem wir zwar den guten Glauben nicht absprechen, von dem wir aber selbstverständlich die Anerkennung gegenüber der alten Jkademie unseres Rechtes verlangen müssen. Diese Anerkennung werden wir aber, so lange die messianische Zeit noch nicht angebrochen sein wird, nur dadurch erlangen, daß wir eine reale Macht hinter unsere realen Forderungen zu setzen imstande sind. Jede neue Kolonie in Palästina bedeutet ein Argument für unsere Sache, das viel nachdrücklicher als die erhebendsten Reden und das liebevollste Eingehen1 auf die Psyche des Arabers und, wie wir zuversichtlich auch glauben, auch die Sache der bisherigen Bewohner des Landes fördern wird. Jeder Chaluz, der nach Palästina kommt, stärkt nicht nur unsere wirtschaftliche, sondern gerade auch unsere politische Situation, jedes neu errichtete Unternehmen ist ein Schritt vorwärts zur moralischen Eroberung des Landes. Demgegenüber handelt es sich bei der Orientierung unserer offiziellen Politik ganz wesentlich um Fragen des T a k t e s. Man wird es vermeiden müssen, Dinge zu tun und zu propagieren, die den Araber vor den Kopf stoßen müssen. Man wird mit der arabischen Intelligenz in stärkerem Maße als bisher Fühlung zu nehmen haben und man darf sicherlich auch in Zukunft nicht die nachdrückliche Bekämpfung der Verhetzung außer Acht lassen, die von den Großgrundbesitzern, vor allem aber auch von außerhalb des Landes liegenden Mächten systematisch betrieben wird. Auch die Lösung der Araberfrage ist also innig verknüpft mit all den anderen schweren Aufbauproblemen, mit denen wir heute in Palästina zu kämpfen haben, Probleme, die alle von einer Wurzel ausgehen, an einem Knotenpunkte zusammenlaufen!, den schon die Römer als nervus reruin bezeichnet haben, an der Frage der Aufbringung der Geldmittel. Also handelt es sich auch hier um Sammlung von Geldern zur Abwehr des Antisemitismus, also gibt es auch in Palästina Antisemitismus, Pogrome? Wozu dann überhaupt Palästina? Diie Beantwortung dieser Fragen soll einem weiteren Artikel Vorbehalten bleiben. Li-r. Vom bayerischen Kriegsschauplatz Der Sous-Brigadier des „Völkischen Beobachter s“. Wie ein Alkoholkranker weiße Mäuse, so sieht der „Volk. Beobachter“ in München überall Juden. Neuerdings hat er seine Forschungen auf das Münchner Adreßbuch ausgedehnt und einen französischen Juden entdeckt, dessen Standesbezeichnung — Sous- Brigadier a. D. — dem Blatte folgenden Notschrei entlockt: „Danach — nach dem Sous-Brigadier nämlich — diente er in der französischen Armee. Der Mann ist offenbar Jude, weshalb wir es ihm wirklich nicht verübeln, daß er heute noch stolz darauf ist, einem Truppenkörper der weißen Neger angehört zu haben; uns kümmert nur das eine: Ist (folgt der Name) französischer Staatsbürger? Wenn ja, welche Garantie hat die bayerische Regierung, daß er nicht Spionage treibt? Endlich, sitzt er zu Recht in dieser Wohnung?“ — Säße nur ein einziger Münchener in der Schriftleitung des „Völkischen“ — diese Besorgnisse wären niemals aufgetaucht. Denn außer dem Sous- Brigadier gibt es in München noch gar manche, die französische Rangbezeichnungen führten („Premier-Brigadieur“, „Cornets“ usw.), ohne Juden und Franzosen zu sein. Es waren die höheren Chargen der Königlich Bayerischen Leibgarde der Hartschäere, lauter ehrenwerte, kernbayerischie und gutdeutsche, altgediente Soldaten. Ja, für so schwierige Fragen müßte sich die Schriftleitung einen eigenen Sachverständigen halten! Immer dieselbe Weise: Dummheit und Unverstand.....

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