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Das jüdische Echo · 1923-05-25 · 21 (25.5.1923) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
21 (25.5.1923)
Date
1923-05-25
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 22 25. Mai 1925 10. Jahrgang Die Äraberfrage i. Es hat eine Zeit gegeben, wo man glaubte, in der Araber,frage kein Problem sehen zu müssen. Die Araber, so argumentierte man, sind auf einer kulturell und zivilisatorisch derart niedrigen Bildungsstufe, daß sie weder die physischen noch die geistigen Kräfte haben, sich einer wohlorganisierten Einwanderung der Juden entgegenzustellen. Dies gelte wenigstens für die Hauptmasse der palästinensischen Araber, für die Fellachen. Die kleine kapitalkräftige Oberschicht der Effendis, denen ja tatsächlich der Grund und Boden des Landes zu weitaus größtem Teil gehört, hätten auf der einen Seite wenig Liebe zu ihrem Lande, auf der anderen großen Hunger nach barem Geld und so würde sich ohne irgend welche tiefer gehende Zerwürfnisse zwanglos der Übergang arabischen Besitzes in jüdische Hände ergeben. Und nicht nur das: mit den Juden würden Ströme von Geld in das Land fließen, neue Arbeitsmöglichkeiten in großem Umfange würden entstehen, jüdische Erziehungsarbeit und jüdisches Vorbild würden das niedrige Lebenshaltungs- und Kulturniveau des Arabers heben und er würde schließlich zur Einsicht gelangen, daß er in den Juden nicht Menschen zu sehen habe, die gekommen seien, das Land auszubeuten und seine Bewohner zu versklaven, daß es sich nicht etwa um eine Wiederholung der spanischen Eroberung von Amerika, auf neue Verhältnisse übersetzt, handle, sondern daß die neuen Immigranten von dem ehrlichen Wunsche beseelt seien, mit ihrer eigenen Hände- Arbeit Wohlstand und Frieden im Lande zu verbreiten. Eine Verdrängung der Araber aus ihrem Besitze sollte ja völlig ausgeschlossen sein, da man statistisch genau festgestellt hatte, daß ohne jede Schmälerung der Rechte der bisherigen Bewohner von Palästina reichlich genug Land für Millionen von Neuzuziehenden vorhanden sei. Auf dem Papier, in der Theorie also ließ sich die Sache aufs beste an und für die jüdische Öffentlichkeit, ja sogar für die jüdischen Führer mit Ausnahme einiger ganz großer, wie Ach ad Ha am z. B., gab es keine Äraberfrage, bis auf einmal die Schreckenskunde von arabischen Überfällen auf schutzlose jüdische Kolonien nach Europa gefunkt wurde, bis die Namen der Toten vom Tel Chai in den jüdischen Blättern veröffentlicht wurden. ■ Aber auch jetzt noch erkannte man die Frage nicht in ihrer vollen Tragweite. Man hatte sich theoretisch so gut mit der Sache abgefunden und nun wollte das Leben sich nicht nach dem säuberlich ausgearbeiteten Schema richten, dessen Verfertigung so viel Mühe und Geist gekostet hatte. Da man nun aber doch diese Toten, die niedergebrannten Häuser, die vernichteten Felder nicht einfach negieren konnte, versuchte man instinktiv die Tatsachen irgendwie dieser Theorie einzufügen und so kam es zu den zahlreichen Broschüren, Büchern und Zeitungsartikeln über die Araberfrage, die auch jetzt noch leugneten, daß der einfache Araber, der Fellache, sich irgendwie gegen die Errichtung der jüdischen Heimstätte auflehne, daß vielmehr nur die wenigen Großen, die Effendis, es seien, die aus Furcht, ihre Machtposition im Lande zu verlieren, durch Aufwendung großer Geldmittel die Leidenschaft und die niedrigen Instinkte der Masse aufgeputscht hätten, daß es sich aber nur um ein Strohfeuer handle, das so rasch, wie es aufgeflackert sei, auch wieder in sich zusammensinken werde. Es könne sich bei der nahen Rassenverwandtschaft zwischen Arabern und Juden nur um eine aus Konkurrenzneid geborene Aktion handeln, die bei sachgemäßer Aufklärung und vor allen Dingen durch Zeitablauf, durch Gewöhnung zum Stillstand gebracht werden könne. Wir wissen heute, daß die Frage des Zusammenlebens von Arabern und Juden in Palästina zu den schwierigsten Dingen gehört, deren Bewältigung die zionistische Idee und die ihr dienende Organisation erfordert. Die Kontinuität feindseliger Handlungen von Arabern gegenüber Juden, die Absendung von Delegationen nach England und an den Völkerbund, die Gründung judenfeindlicher Zeitungen, die Abhaltung antijüdischer Demonstrationen, alles das waren Fakta, an denen man nicht so einfach vorübergehen konnte, die zu ständiger aufmerksamer Beobachtung, zur Umorientierung gleichsam zwangen. Es ist zudem gerade in der zionistischen Bewegung nie üblich gewesen, Vogel Strauß-Politik zu treiben, das widerspricht ja ihrer ganzen Natur, die sich gerade auf die ehrliche Erkenntnis bestehender Verschiedenheiten zwischen den Völkern gründet. So fanden sich denn, bald in immer zunehmendem Maße führende Zionisten, die nicht davor zurückschreckten, die Araberfrage in ihrer Totalität aufzurollen und aus der Erkenntnis heraus, daß es sich, um eine Volksbewegung handelt, geeignete Mittel und Wege vorzuschlagen, um eine Lösung dieses komplizierten Fragenkomplexes arizubahnen. Von Anfang an war man sich darüber klar, daß durch das Eingreifen der Regierungsgewalt, durch englisches Militär, eine dauernde Lösung nicht erreicht werden könnte, so nötig auch im Einzelfall und unter dem Drucke augenblicklicher Verhältnisse ein solches aktives Vorgehen seitens des Mandatarlandes sein mochte. Man hatte überhaupt zu viel aus den europäischen Verhältnissen gelernt, um einer Politik der Faust, abgesehen von ihrer ethischen Angreifbarkeit allzu große Erfolge zuzutrauen. So forderte man denn eine araberfreundliche Politik, das heißt eine Politik der Erziehung der Araber zu dem Gedanken der Berechtigung der Juden, sich in Palästina niederzulassen, mit dem Hinweise auf unser historisches Recht auf die altjüdische Heimat, vor allen Dingen aber darauf, daß die jüdische Einwanderung nicht einen Schaden, sondern in jeder Beziehung einen Vorteil für die eingesessene Bevölkerung bedeuten werde. Aber auch noch in diesem Stadium unserer Politik verkannte man das wahre Wesen des arabischen Widerstandes. Man war sich immer noch nicht klar darüber geworden, worum es den Arabern ging, daß es sich hier um eine nationalistische Welle handle, die das Land in starken Stößen überflutete, daß der Araber lieber ein arabisches Palästina in dem heutigen Zustande trostloser Verwahrlosung, als ein jüdisches, das wieder von Milch und Honig

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