Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 20 (18.5.1923)
- Date
- 1923-05-18
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Das Jüdische Echo Nr. 20 Erziehung der Jugend, worüber Frau Eichholz (England) und Frau Esche Ibacher (Deutschland1) referierten. Die Rednerinnen sprechen über die erschreckende Assimilation und Entfremdung der Jugend vom Judentum und empfehlen als, Gegenmittel die Belebung religiöser Gebräuche und religiösen Wissens. In der Diskussion betonten Frau Margulies (Berlin) und Frau Birkenhain (Warschau) die Notwendigkeit der nationalen Erziehung, welche heute der einzige Weg für eine Wiedergewinnung der Jugend und für eine Belebung des jüdischen Gefühls und Geistes ist. Frau Sejmabgeordnete Rosa Melzer-Pomeranz (Lemberg) spricht über die Notwendigkeit der jüdischen Schule, die vom Staate erhalten werden muß. Sodann referiert Fräulein Berta Pappenheim (Deutschland) über die Frage des Mädchenhandels. Sie wendet sich dagegen, daß der Mädchenhandel von Antisemiten als „jüdisches Gewerbe“ bezeichnet wird und schildert die Leiden jüdischer Opfer gewissenloser Mädchenhändler. In der Debatte werden Vorschläge zum Schutz der Mädchen, besonders in den Auswanderungshäfen, gemacht. Personalia München. Universitätsprofessor Dr. Hermann Kerschensteiner, Direktor des Krankenhauses München-Schwabing, beging dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Nahezu 25 Jahre wirkt er als Arzt in unserer Stadt; früher als Assistent und Oberarzt am Krankenhause 1. d. I., später als Oberarzt am Krankenhause Schwabing, woselbst er* seit 3 Jahren als Direktor amtiert. Professor Kerschensteiner war seinen Patienten in den vielen Jahren seiner Tätigkeit neben dem ärztlichen Berater in erster Reihe auch der mitfühlende Menschenfreund, welcher Sorge und Leid mit dem seine Pflege suchenden Menschen mitempfand. Mochte der Patient sich allein in seiner Sprechstunde einfinden oder besuchte er als Oberarzt die Masse derselben, in den Krankensälen, er hatte für jeden Worte des Trostes und Zuspruchs; kein Leidender schied von ihm, ohne das Empfinden zu haben, von einem Menschen hier beraten zu sein, welcher auch mit ihm fühlte. Wenn an dieser Stelle heute seiner gedacht wird, so sei besonders darauf hingewiesen,, daß am Krankenhause Schwabing die der israelitischen Kultusgemeinde für Patienten zur Verfügung gestellte jüdische Abteilung besteht, und daß auch hier Professor Kerschensteiner in Sorgfalt und Liebe seines Amtes waltet. Wer weiß, wie gerade Leidende in körperlicher Not mehr denn je am alten Hergebrachten hängen, der kann es würdigen, wenn der Leiter eines Krankenhauses diesen Gefühlen Rechnung trägt und hier hat es Professor Kerschensteiner stets verstanden, den richtigen Ton in Wort und Tat zu treffen. Möchte es dem verehrten, Manne vergönnt sein, noch viele Jahre in segensreicher Weise zum Besten der Menschheit zu wirken. J. F. Sport-Echo Der „Bar Kochb'a“ München. Der Münchener „Bar Kochba“ ist im Jahre 1911 mit der gleichen Tendenz gegründet worden, welcher früher schon und gleichzeitig jüdische Turnvereine in und außerhalb Deutschlands ihre Entstehung zu verdanken hatten. Körperliche Regeneration der jüdischen Großstadtjugend — das; war das Ziel des „Bar Kochba“. Um diese Zeit war das allgemein anerkannte Mittel der körperlichen Ertüchtigung das Turnen und daher wurden auch im „Bar Kochba“ zuerst Herren- und Damenturnabteilungen gebildet. Erst später dachte man an den Sport und vor 1914 bestanden schon Fußball- und Tennisabteidungen. Die Schwierigkeiten, welche schon seit jeher die Entfaltung des Vereines verhinderten, waren in der Platz- und Hallenfrage gegeben. Dann kam der Weltkrieg und forderte auch vom „Bar Kochba“ schwere Menschenopfer. Dreiundzwanzig seiner besten Mitglieder fielen im Kriege. Wie alle anderen* Sportvereine Deutschlands mußte auch der Bar Kochba in den ersten Kriegsjahren seine Tätigkeit einstellen. Im Jahre 1917 entstand wiederum eine Sportabteilung und dieser gelang es gleich vom Anfang an, erfolgreich öffentlich für den jüdischen Sport zu wirken. In der 4mal 100 m-Staffel errangen die* Leichtathleten des „Bar Kochba“ die südbayerische Meisterschaft der Klasse B. Jedoch erst nach dem Kriege war es möglich, die Erfassung der sporttreibenden jüdischen Jugend intensiver zu betreiben. In den Jahren 1920—22 sehen wir die ersten Wirkungen dieser Arbeit und daher auch schöne sportliche Erfolge. Der „Bar Kochba“ wurde in die C-Klasse des südbayerischen Leichtathletik-Verbandes eingeteilt. In dieser Klasse gewann er den großen Stafettenlauf Grünwald-München, sämtliche Stafettenm^isterschaften und wurde als bester Verein der C-Klasse im folgenden Jahre der B-Klasse zugeteilt. Das Jahr 1921 war das bisher erfolgreichste des „Bar Kochba“. Sportlich und propagandistisch. Er gewann die Vereinsmeisterschaft der Klasse B, von 105maligem Starten brachten seine Leichtathleten 84 Preise heim, darunter die südbayerischen Meisterschaften über 800 m und der 3X1000 m-Staffel. POSZELLM-NIKBEBLACIB MÜNCHEN THEA TINE R STR A SSE ») gegenüber <Ur FtldhtrrnhaHs «*®S9TB AUSWAHL IN fit ES BBAITClSFBKZEIiLAV TÄTLICHE LAWEJREBeÄNZUN« ~i—H r --■! I ■■ - - II, _ | IN | ..._IJ|