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Das jüdische Echo · 1923-05-18 · 20 (18.5.1923) · p. Seite 237

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
20 (18.5.1923)
Date
1923-05-18
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 237 Teil der Bevölkerung durch dieses „Gedicht“ schwer erschüttert worden sei. Er beantragte, den Angeklagten zur Geldstrafe von 100 000 Mk. zu verurteilen, da mildernd in Betracht gezogen werden müsse, daß er aus .Idealismus“ handle und noch nicht vorbestraft sei. Der Verteidiger konnte den Ausführungen seines wortreichen Klienten nicht viel hinzufügen. Nach längerer Beratung, während der in den Gängen die „Hundertschaften“ ihren Führer umstanden, wurde vom Vorsitzenden des Gerichtes verkündet, daß weder zu einer Verurteilung noch zu einem Freispruch sich die erforderliche Majorität gefunden habe, so daß die Strafkammer für die endliche Aburteilung der Sache zuständig sei. Es wird sehr wichtig sein, zu erfahren, wie der endliche Ausgang dieses Strafprozesses sein wird, denn ein Freispruch des Angeklagten würde tatsächlich die Bedeutung haben, daß ein Jude den unverhülltesten Angriffen auf die Rechtsgüter, die das Gesetz ihm zu sichern bestimmt ist, schutzlos ausgesetzt zu sein zum mindesten glauben könnte. Wir werden an dieser Stelle das endgültige Urteil veröffentlichen. Li-r. Aus der jüdischen Welt Der XIII. Zionistenkongreß in Karlsbad Die Exekutive der Zionistischen Organisation teilt mit: Auf Grund der vom Aktions-Komitee in der Sitzung vom 14. Januar 1923 erteilten Ermächtigung wurde vom Präsidium des A.-K. im Einvernehmen mit der Exekutive der Beschluß gefaßt, den XIII. Zionistenkongreß für den 6. August nach Karlsbad (Tschechoslowakei) einzuberufen. Ort und Zeit des Kongresses wurden nach sorgfältiger Erwägung aller Umstände und; nach Prüfung der vorhandenen Vorschläge und Untersuchung der lokalen Verhältnisse festgesetzt. Der Kongreß wird im Karlsbader Schützenhaus tagen. Das mit den Vorbereitungsarbeiten betraute Kongreßbüro wird (unter Leitung des Herrn Dr. Bruno Kirschner) seine Tätigkeit am 10. Mai aufnehmen. Die Adresse des Kongreßbüros lautet: Büro des XJII. Zionjistenkongresses, Schützenhaus, Karlovy Vary (Karlsbad), Tschechoslowakei. Telegr.-Adresse: „Congrezion Karlsbad“. Zuschriften, die sich auf Unterbringung und Verpflegung von Delegierten und Gästen, auf Reservierung von Plätzen beim Kongreß und dergl. beziehen, sind an das genannte Kongreßbüro zu richten. Dagegen sind sämtliche Mitteilungen betreffend die Abrechnung von Schekolim und che Wahlen zum Kongreß nach wie vor an. die Exekutive nach London (77, Great Russell Street, W. C. 1) zu richten. Weitere Einzelheiten betreffend den Kongreß werden fortlaufend veröffentlicht werden. Die Sitzung des Aktions-Komitees findet, wie bereits bekanntgegeben, Montag, den 4. Juni, statt. XIX. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Dresden Termin imd Tagesordnung werden noch bekanntgegeben. Voraussichtlicher Beginn: Sonntag, den 24. Juni 1923 Vorläufige Tagesor dnun g: 1. Bericht über die politische Lage. Referent wird noch bekanntgegeben. 2. Jewish Agency, Zionistische Organisation und Weltkongreß. Referent: Dr. Kaznelson. Berlin; Korreferent: Isaac Feuerring, Berlin. 3. Finanzierungsprobleme. Referent wird noch bekanntgegeben. 4. Probleme der Palästinaarbeit. Referent: Dr. Arlosoroff. Die Zionistischen Ortsgruppen werden hierdurch nochmals dringend aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen, ob der Delegiertentag sich lediglich mit Kongreßfragen oder auch mit innerdeutschen Angelegenheiten beschäftigen soll. Der Weltkongreß jüdischer Frauen Der von dem amerikanischen Council of Jewish Women einberuf ene Weltkongreß der jüdischen Frauen wurde am 6. Mai in Wien eröffnet. 75 Delegierte aus 18 Ländern sind in Wien eingetroffen. Anläßlich des Kongresses haben die Wiener Hakenkreuzler die besonders ehrenvolle Heldentat vollbracht, an allen Straßenecken Wiens blutrünstige Pogromplakate zu affichieren. Der Kongreß wird in Wien von der jüdischen und nichtjüdischen Öffentlichkeit als ein Ereignis von großer sozialer Bedeutung empfunden. Zur Eröffnung fand ein feierlicher Empfang im Rittersaale der Hofburg statt, der jedoch die große Zahl der Erschienenen nicht fassen konnte. Unter den Gästen befand sich der Präsident der österreichischen Republik Dr. Hainisch und seine Mutter, die bekannte Frauenrechtlerin Frau Marianne Hainisch. Nach der Eröffnung durch die Alterspräsidentin Frau Direktor Ullmann begrüßt Frau Anita Müller- Cohen den Kongreß mit einer herzlichen Ansprache, in der sie als die wichtigste Aufgabe der jüdischen Frauen den Zusammenschluß zum Kampf gegen den Judenhaß, zur Erziehung eines neuen Geschlechtes starker und bewußter Juden bezeichnete. Die Rednerin begrüßte insbesondere die Delegierte Palästinas, des Landes der jüdischen Zukunft. Sodann sprach Frau Marianne Hainisch, die darauf anspielte, daß sie den ausländischen Frauen, darunter den amerikanischen Jüdinnen, für ihre Mitwirkung beim sozialen Werk der Linderung der österreichischen Not zu Dank verpflichtet Ist. Nach Begrüßungsworten des Präsidenten der Kultusgemeinde, Dr. Pick, sprachen die Vertreterinnen des Council of Jewish Women, Mrss. Harris und Kohut, die ihre Freude über das Zustandekommen des Kongresses aussprachen und der österreichischen Republik sowie dem österreichischen Judentum für den herzlichen Empfang dankten. Sodann hielt Oberrabbiner Dr. Chajes eine Ansprache. Er hoffe, sagte er, daß es bald nicht mehr nötig sei, eigene Frauenkongresse zu veranstalten, sondern daß ein allgemeiner jüdischer Kongreß alle vereinigen würde. Das jüdische Volk steht vor der Aufgabe, das alte Land wiederzugewinnen, es steht heute einer organisierten Feindschaft gegenüber, die vor allem von jenen Kräften herrührt, die schon durch die Entfesselung des Krieges namenloses Elend in die Welt gebracht haben. Dr. Chajes bezeichnet die antisemitischen Plakate als unerhörte Schande, die den Namen der österreichischen Republik verunglimpft, und fordert, daß die leitenden Männer des Landes endlich energische Schritte gegen diesen Unfug ergreifen. Nach dem Vortrag Dr. Chajes’ hielt der Bundespräsident Dr. Hainisch Cercle und sprach mit den einzelnen Delegierten. _ Am nächsten Tag wurden im überfüllten Saal des Kaufmännischen Gremiums die Arbeitssitzungen begonnen. Den Vorsitz führte Frau Kohut (Amerika), die betonte, daß der Kongreß über alle Parteiunterschiede die Frauen aller Welt zusammenfaßt und nur der gemeinsamen sozialen Aufgabe dienen soll. Als erster Punkt der Tagesordnung gelangt zur Verhandlung die religiöse

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