Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 19 (11.5.1923)
- Date
- 1923-05-11
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 227 erhalten kann. Er übernimmt die Kosten des Rechtsstreites.“ Graf Reventlow hat die Verpflichtung: übernommen, seine Erklärung in dem vom Deutschvölkischen Wulle herausgegebenen „Deutschen Tageblatt“ zu publizieren. Durch diese Rücknahme des Grafen Reventlow und seine Erklärung, daß er seinen Irrtum bedauere, ist für die deutschen Gerichte die Angelegenheit Aohad Haam gegen Reventlow erledigt. England Sir Alfred Mond gegen Lord Beaverbrook, London Mit Bezug auf die geheimnisvollen Andeutungen Lord Beaverbrooks, der u. a. behauptete, die Namen der englischen Juden, die Beaverbrook ersucht haben, gegen den Zionismus Stellung zu nehmen, seien vielleicht Sir Alfred Mond bekannt, veröffentlicht der letztere einen Brief in „Jewish World“, in welchem er den Behauptungen des Lord Beaverbrook auf das entschiedenste entgegentritt. „Mir ist nichts von einem englischen Komitee bekannt, von welchem Lord Beaverbrook spricht“, erklärt Sir Alfred Mond in seinem Brief. „Ich kenne auch nicht die Namen irgend welcher englischer oder nichtenglischer Juden, die sich an Lord Beaverbrook im Zusammenhang mit der Balfour-Deklaration gewandt haben sollen.“ Sir Alfred Mond widerlegt auch Lord Beaverbrooks Behauptung, er wäre vorher Antizionist gewesen und. hätte sich erst später zum Zionismus bekehrt. „Ich vertrat nur die Ansicht“, erklärt Sir Alfred Mond, „daß die Errichtung eines jüdischen nationalen Heimes in Palästina solange einer realen Politik nicht entspricht, als Palästina unter türkischer Herrschaft steht. Seitdem aber die Balfour- Deklaration erlassen worden ist, halte ich es für meine Pflicht, als Jude und englischer Untertan, die in dieser Deklaration festgelegte Politik loyal zu unterstützen und sie weiterzubringen.“ Polen Der Pogromm in Warschau Nach den jüngsten Berichten aus Warschau sind bei den judenfeindlichen Unruhen vom vorigen Donnerstag mehr als 50 Juden, und Jüdinnen schwer und etwa 30 Juden leicht verletzt worden. Der durch Zerstörungen und Raub angerichtete Schaden wird auf mehr als eine halbe Milliarde Mark beziffert. Die Stimmung unter der jüdischen Bevölkerung ist sehr gedrückt. S o k o 1 o w beim Ministerpräsidenten Warschau. Der Präsident der zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, hatte nach seiner Rückkehr aus Wilna und Bialystok, wo ihm die jüdische Bevölkerung einen, enthusiastischen Empfang bereitet hatte, in Warschau eine mehr als einstündige Unterredung mit dem polnischen Ministerpräsidenten Sikorski. Griechenland Jüngst ist in Saloniki als Sonderdelegierter der zionistischen Exekutive und des Keren Hajessod-Direktoriums Herr Jacques Calmy eingetroffen, um an der Konferenz der Zionisten Griechenlands teilzunehmen. Er sprach auf einer Versammlung der B’ne BrithrLoge und im Nouveau Cercle Sioniste und sodann auf der Konferenz. Die Konferenz behandelte in drei Tagen die verflossene und zukünftige zionistische Arbeit in Griechenland. Am 6. März wurde Herr Calmy in Begleitung des Großrabbiners Benzion Uziel, des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde und des Vertreters der Zionistischen Organisation, vom griechischen Generalissimus Pangales und dem Gouverneur von Saloniki Lambros empfangen. Während seines kurzen Aufenthaltes in Saloniki gelang es Herrn Calmy, für das neue Keren Hajessod-Komitee Herrn Morpurgo als Präsident zu gewinnen, der der angesehenste Jude in Griechenland ist und sich hier zum erstenmal zionistisch betätigt. Herr Calmy hat nunmehr, nachdem er die Sammlungskampagne in die Wege geleitet hat, seine Keren Hajessod-Tournee über das Land angetreten. (Ziko.) Sport-Echo Mit nachfolgendem Artikel wollen wir unsere Sportrubrik wieder regelmäßig in jeder Nummer des „Jüdischen Echo“ erscheinen lassen. Sie soll unserer Jugend die Möglichkeit geben, sich über die Fragen der körperlichen Ertüchtigung auseinanderzusetzen und außerdem wird sie alle interessierten Kreise über den Stand der jüdischen Sportbewegung in allen Teilen der Welt unterrichten. Die nationaljüdisehe Sportbewegung Warum treiben wir Leibesübungen? Diese Frage soll nicht in dem Sinne beantwortet werden, daß der Wert von Leibesübungen für den Menschen überhaupt betrachtet wird. Für uns liegt der Wert der Beantwortung in dem Worte „wir“ versteckt. Unsere Interessen an der körperlichen Ertüchtigung der jüdischen Jugend dekken sich wohl in Vielem mit denjenigen Motiven, welche die anderen Völker veranlassen, Leibesübungen zu betreiben, in wesentlichen Tendenzen aber gibt es Fragen, welche allein für das jüdische Volk gelten. Die dumpfe Luft des Ghettos, das Fehlen manueller Arbeit und hauptsächlich die Unmöglichkeit der Arbeit auf dem flachen Lande haben das jüdische Volk der Gefahr körperlicher Dekadenz nahe gebracht. Die Erkenntnis dieser Gefahr war es, die vor einigen Jahrzehnten die Juden Deutschlands zuerst veranlaßte, Vereine zu gründen, welchen die Aufgabe zufiel, für die körperliche Regeneration der Juden zu wirken. Diese Maßnahme war eine rein präventive und entsprang der Überzeugung, daß nur in jüdischen Turnvereinen die Möglichkeit gegeben war, auf die speziellen Anforderungen, welche die Aufgabe der körperlichen Regeneration der Juden stellt, einzugehen. Die Gründung dieser ersten jüdischen Turnvereine entsprang also keineswegs einer bewußt-nationalen Absicht. In der Zwischenzeit vollzog sich der Übergang zum Nationalen. Nach der Unterbrechung der Tätigkeit dieser allweltlichen Bewegung durch den Krieg trat zum ersten Male anläßlich der Tagung des Makkabi-Weltverbandes in Karlsbad 1921 das nationale Moment entscheidend hervor. Durch die Beschlüsse von Karlsbad, die ich späterhin noch genauer .ausführen will, ist die jüdische Turn- und Sportbewegung in ihrer heutigen Form geschaffen worden, ln der gebotenen Kürze wollen wir die Hauptprinzipien dieser Bewegung betrachten. Alles ist uns die Erziehung zum positiven, bewußten Judentum. Wir haben die Leibesübungen als Hilfsmittel zur Erreichung dieses Endzieles ergriffen. Wohl achten wir die gute, sportliche Leistung, sie soll uns aber nur dienen und nicht Selbstzweck werden. Die gute Leistung im Sport kann nur durch intensives Training des Körpers erreicht werden und dieses Training ist es, das unsere Jugend wieder körperlich leistungsfähig machen soll. Die Disziplin des Turnbodens, wie auch jene des Sportplatzes fordern die selbstgeübte Unterordnung von Geist und