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Das jüdische Echo · 1923-05-04 · 18 (4.5.1923) · p. Seite 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
18 (4.5.1923)
Date
1923-05-04
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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214 Daf Jüdische Eche Nr. 18 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE Nach dieser flehentlichen Bitte ging der Fromme noch ein wenig weiter. Inzwischen wurde es in dem dichten Walde dunkel; in der Welt da draußen mochte es aber noch Tag sein. Die wenigen Sachen, die er bei sich hatte, ließ er unter einem Baume liegen, denn es ist ja verboten, am Sabbat eine Last mit sich zu führen. Also ging er noch hundert Schritt weit, und auf einmal gewahrte er in der Ferne ein licht. Da erstaunte er sehr. Im Anfang wähnte er, das Licht komme von einer Räuberhütte, bald aber sagte er sich, daß die Bewohner auch ehrsame Menschen sein könnten, die ihm vielleicht ein Nachtlager gewähren würden. Und das Licht wurde immer größer, und bald blinkten ihm viele erleuchtete Fenster entgegen. Er näherte sich der Stelle, und siehe da, ein herrlicher Palast lag vor ihm, wie ihn ein König nicht prächtiger hat. Die Türen blitzten wie edles Gestein, und alles war von einem Licht übergossen, wie es die Sonne am Mittag spendet. Der Fromme öffnete eine Tür und betrat die Vorhalle; er ward voll Staunen über die Pracht des Raumes. Die Wände schillerten in allerlei Farben, und zu beiden Seiten der Halle befanden sich Hunderte von Türen, jede anders als die andere, jede herrlicher als die andere; vor jeder Tür standen feurige Tiere, und über den Eingängen hingen köstliche Leuchter. Mit Zittern und Zagen öffnete der Mann eine von den Türen und sah sich in einem großen Saale, der von einem milden Sternenlicht erfüllt war, in dem gedeckte Tische standen und längs den Wänden Schränke voll Bücher waren. Es war aber kein Mensch in dem Saale zu sehen. Von diesem Gemach kam der Mann in ein zweites, das siebenmal so groß und siebenmal so schön war wie das erste. Auch hier begegnete er keinem menschlichen Wesen. So durchmaß er sechs Säle, in denen der folgende immer schöner war als der vorherige, bis er in den siebenten Saal kam. Wie er da eintrat, blieb er wie erstarrt stehen. Die Größe des Raumes, seine Pracht und sein Glanz waren nicht zu beschreiben. Ein herrlicher Tisch stand in der Mitte, darauf lag eine Decke, die von Gold gewirkt und mit Edelsteinen bestickt war; auf dem Tische aber brannten güldene Leuchter. Vor ihm standen zwei goldene Stühle, und auf dem einen saß ein greiser, hochbetagter Mann, der Sabbatkleider trug. Sein Antlitz leuchtete wie die Sonne, und sein Haar war überaus schön. Der Stuhl ihm gegenüber war leer. An der einen Tür stand ein zweiter Greis, auch mit schönen Kleidern angetan, aber nicht so ehrwürdig wie der erste. Dieser näherte sich dem Frommen, faßte ihn bei der Hand und führte ihn aus dem Gemach. Er sprach zu ihm; Fürchte dich nicht, folge mir. Und er brachte ihn zu einer Wasser quell und sagte: Wasche deinen Leib zu Ehren des Sabbat. Also tauchte der Fromme in der Quelle unter und reinigte seinen Körper; das Bad hatte ihm eine große Wonne bereitet. Als er aus dem Wasser stieg, gab ihm sein Begleiter frische Kleider und sagte zu ihm: Hülle dich in das Sabbatgewand. Danach führte er ihn zurück in den Saal, den sie vorhin verlassen hatten, brachte ihn zu dem Stuhl, der unbesetzt war, und sprach: Setz dich nieder; dieser Platz ist dein. Und nun sprich den Abschnitt des Gesetzes, der für den Vorabend bestimmt ist, aber eile dich, denn bald wird der Sabbat empfangen. Und der Fromme tat also. Darauf reichte ihm der Greis, der ihm gegenübersaß. die Hand zum Friedensgruß, und auch der Greis, der ihn begleitet hatte, sagte: Friede mit dir. Nun tat sich eine Tür auf, und die drei erhoben sich und verließen den Raum. Sie kamen in einen herrlichen Garten, in dessen Mitte ein lieblicher Tempel stand. Die Wände waren aus Edelsteinen und' funkelten in allerlei Farben wie die Sterne des Himmels. Zu beiden Seiten des Tempels standen goldene Bäume, behängen mit Früchten aus edlen Steinen. Auf den Zweigen saßen goldene Vögel, und unter den Bäumen kauerten Tiere gleichfalls aus purem Gold. Inmitten des Tempels aber erhob sich eine Bühne für den Priester, und alles war von einer solchen Schönheit, wie es kein Auge je geschaut hat. Als die drei den Tempel betraten, kam durch eine andre Tür eine Schar von Greisen herein, alle feierlich angetan. Einigen von ihnen folgte nur ein Diener, andre hatten; deren zwei, und es gab sogar welche, die von noch mehr Dienern geleitet waren. Jeder von den Greisen ließ sich auf dem für ihn bestimmten Platze nieder, und auch die Diener setzten sich auf ihre Stühle. Unserm Manne wurde ein Sitz in der Ostseite des Tempels zugewiesen. Sodann bestiegen die zwei Greise, die ihn hingeführt hatten, die Bühne und verrichteten das Abendgebet. Nach ihnen stilegen der Vorbeter und ein Chor von Männern hinauf und stimmten den Sabbatgesang an. Die Töne waren von solcher Süße, daß kein Lebender die Lust hätte ertragien können. Die Bäume im Walde, die Tiere und Vögel sangen mit, und selbst die Wände des Heiligtums und die Leuchter hörte man singen. Ein Irdischer wäre vor Wonne vergangen, wenn er nur einen Ton des Gesanges vernommen hätte, und nur unser Frommer, der wie ein Engel war, ertrug ihn; aber auch: ihn verwirrten die Töne so, daß er nicht wußte, wo er sich befand. Nach dem Gebet näherten sich alle, die da waren, den zwei Greisen und wünschten ihnen einen frohen Sabbat. Diese verließen nun mit unserm Frommen den Tempel und begaben sich zurück in das Gemach, aus dem sie gekommen waren. Dieses war aber inzwischen noch viel größer geworden, und wer an der einen Wand stand, konnte die andre nicht sehen. Siebenhundertzwei Tische waren gedeckt, auf jedem Tisch standen siebenhundertzwei Leuchter, um jeden Tisch standen siebenhundertzwei Stühle, Die Zahl siebenhundertzwei entspricht den Schriftzeichen des Wortes Sabbat! Das Wort prangte an den Tischen, und über dem Eingang der Halle stand mit großen Zeichen geschrieben: Dieses ist der Palast des Sabbats. Hierauf sangen die drei das Sabbatlied: Friede mit euch, ihr himmlischen Heerscharen, mit euch sei Friede. Und die ganze Halle ertönte von dem Klang des Gesanges; die Tische und die Leuchter, die Stühle und die Wände sangen das Friedenslied mit. Als dies zu Ende war, brachte der alte Mann, der an der Tür Wache hielt, einen goldenen Krug voll Wein und zwei Kelche aus Edelstein. Er stellte sie vor den Greis, der am Tische saß, und vor unsem Frommen. Auf dem Krug aber und auf den Kelchen stand ebenfalls das Wort Sabbat geschrieben. Mit lauter Stimme begann der greise Mann den Segen zu sprechen, und die Wände des

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