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Das jüdische Echo · 1923-05-04 · 18 (4.5.1923) · p. Seite 213

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
18 (4.5.1923)
Date
1923-05-04
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 Das Jüdisch« Echo 215 die Ein- und Auswanderung von Ostjuden im Jahre 1922. Danach haben sich bei allen Fürsorgestellen des Arbeiterfürsorgeamtes im ganzen als Neuzugewanderte 2665 Personen gemeldet. Von diesen sind aus dem Osten zügewandert 1839 Personen, aus dem Westen zurückgewandert bezw. abgeschoben worden: 826. Dieser verhältnismäßig geringen Zahl der Einwandernden steht gegenüber, daß allein durch die Fürsorgestellen des Arbeiterfürsorgeamtes im genannten Jahre 11 247 Personen abbefördert wurden. Von diesen gelangten nachi dem Osten 1645 und nach den westlichen Ländern 9602. Die Abwanderung war also erheblich größer als die Zuwanderung. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß von den Neuzugewanderten ein großer Prozentsatz direkt weiter nach dem Westen befördert wurde. Dies war insbesondere dadurch möglich, daß es sich auch bei der Zuwanderung im Jahre 1922 im allgemeinen um eine Arbeiterwanderung handelte. Wie wir erfahren, hat sich die Abwanderung im ersten Vierteljahr des Jahres 1923 noch verstärkt, wenngleich die Ruhrbesetzung durch die Verkehrssperre natürlich hemmend eingewirkt hat. Es kann daher keine Rede davon sein, daß irgend welche objektiven Unterlagen dafür vorhanden sind, die Ostjudenfrage immer wieder zum Mittelpunkte politischer oder gar demagogischer Erörterungen zu machen. (A.J.O.) Feuilleton Die Sabbatieier im Garten Eden*) Es gab einst einen sehr gerechten Mann; den kennt man auch, weil er das Buch „Des Königs Heiligtum“ geschrieben hat. Sein Aussehen glich nicht dem anderer Menschen, und er ähnelte mehr einem Engel Gottes. Man bat um seinen Beistand in jeder Krankheit und jeder Bedrängnis und er betete für alle Bedrückten und für die. die in Kindesnöten lagen. Sein Gebet wurde immer erhört, und den Bedrängten ward Hilfe um seinetwillen. Alle Welt wünschte ihm langes Leben, denn alle lebten nur, weil er da war. Dieser Gerechte befleißigte sich auch des Gebotes, das da befiehlt, am eigenen Leibe das Los Israels zu erfahren, das heißt, unstet und flüchtig zu sein. So wanderte er von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort, und gönnte sich kein Obdach; nur da, wo er am fünften Tage der Woche anlangte, blieb er auch den Sabbattag über, um diesen durch das Wandern nicht zu entweihen. Einmal geriet der Gerechte in eine Gegend, in der der Krieg wütete; die Stadt, in der er den Sabbattag hatte begehen wollen, war von ihren Einwohnern verlassen. Also war auch der Fromme gezwungen zu fliehen. Er wanderte den ganzen Tag herum und kam am Abend des fünften Tages müde und erschöpft in einen Wald. Er hatte nicht Furcht, daß ihm irgend etwas zustoßen könnte, *) Mit dem nun vorliegenden 6. Band vollendet der Insel-Verlag die Sammlung „Der Born Judas“. Der Schlußband schließt sich den vorhergegangenen würdig an und bildet im besten Sinne des Wortes eine Vollendung des Unternehmens. Wir bringen unseren Lesern eine Probe aus diesem Band. Die Sammlung ist in der „Ewer-Buchhandlung“, WagmüllerStraße Nr. 19, vorrätig. und nur darum bangte sein Herz, ob er den heiligen Tag in der Wildnis werde zubringen müssen. Er legte sich nieder, aber der Schlaf floh seine Augen, und er rief immerzu: Sabbat, Sabbat, so muß ich dich empfangen! Als der Tag zu grauen anfing, erhob er sich und sprach die Morgenandacht. Danach machte er sich eilends auf, denn er dachte, vielleicht käme er aus dem Walde heraus und gelangte an einen bewohnten Ort. Der Schweiß rann ihm von der Stirn, wie er so schnell daherging, doch weit und breit war nichts zu sehen, kein Pfad und keine Straße führten ins Helle, und der Wald schien sich unendlich auszudehnen. So ging der Tag zur Neige, und der Fromme verrichtete das Vorabendgebet in Trauer und Betrübnis; sein Herz blutete, wenn er an den heiligen Tag dachte. Selbst ein gemeiner Mann würde sich grämen, wenn er den Sabbat in einer Einöde verbringen müßte, um wieviel mehr schmerzt solches einen Frommen! Es war nur noch eine halbe Stunde bis zuni Abend. Der Fromme weinte und sprach: Gott ist gerecht in allem, was er tut; ich will über seine Taten nicht grübeln. Gewißlich bin ich es nicht wert, daß es mir anders ergehe. Ich werde wohl vom Himmel gestraft; wer weiß, wie groß meine Sünden sind. Danach erhob er seine Hände gen Himmel und rief: Herr der Welt! Du weißt, wie ich von Jugend an den Sabbattag gehalten habe. Du aber bist ein barmherziger und milder Gott; so erbarme dich denn meiner und tu an mir ein Wunder. Und bin ich es nicht wert, daß mir ein Wunder widerfahre, so vollbringe es um deiner heiligen Herde willen, welche das Volk Israel ist. Bete ich doch für sie Tag und Nacht, und auch sie beten für mich. So möge denn ihr Verdienst mir beistehen, daß ich eines Wunders teilhaftig werde!?&en-Jtoden uJ&rzftcJ/affJc/2/2Mfer£^

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