Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 18 (4.5.1923)
- Date
- 1923-05-04
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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212 Das Jüdisch© Echo Nr. 18 beiten außerordentlich wertvoll sein. Gerade die hebräische Sprache bedarf, wenn sie auch heute schon wieder zu neuem Leben erwacht ist in vielen Punkten einer liebevollen und! vor allen Dingen verständnisreichen Förderung. Neue Worte müssen gefunden, alte wieder aufgedeckt werden, um die Reinheit unserer Sprache nicht zu gefährden. Jeder, der die Bedeutung der Akademie Francaise für die französische Sprache schätzt, wird die Notwendigkeit eines Waad ibrith einsehen. Im Vorstehenden haben wir schon kurz auf die zweite wichtige Funktion einer hebräischen Hochschule kurz angedeutet. Ausbreitung bedeutet eben im wesentlichen die Forderung eines lebendigen Konnexes von Forscher und Pionier, verhindert Verknöcherung und Stubengelehrsamkeit, da die Existenzberechtigung der Schule zwangsläufig in ihrer Auswirkung auf das tägliche Leben gefunden werden wird und muß. Daneben wird es sich hier um den Austausch von Erfahrungen von Hochschule zu Hochschule handeln. Der Name „Universität“, „Gesamtheit“ erhält ja gerade daraus seine Berechtigung, daß es eine Internationale der Wissenschaft gibt, daß die Ergebnisse des französischen Arztes Pasteur, die Untersuchungen des englischen Volkswirtschaftlers Smith, die Lehren des jüdischen Physikers Einstein, des deutschen Philosophen Kant zum Gemeingut der gesamten gebildeten Welt geworden sind, durch die Vermittlung solcher Institute, wie sie auf dem Skopusberg in Jerusalem geschaffen werden sollen. Daneben werden natürlich auch Abhaltungen von regelmäßigen populären Kursen und Vorträgen aller Art ein wirkliches Eindringen der so gewonnenen Geistesschätze in das Volksbewußtsein vermitteln müssen. Es darf 'nicht so weit kommen, daß Akademikertum im Gegensätze zum übrigen Volke steht, das jüdische Volk muß seine Universität als notwendiges Glied des einheitlichen Volkskörpers empfinden. Aber auch die dritte Aufgabe, der Unterricht, wird richtig verstanden von eminenter Wirksamkeit für einen wahren Aufbau sein. Nicht mit der Volksschule darf begonnen werden, so einleuchtend dies auf den ersten Blick auch erscheinen mag. Die Volksschule steht und fällt mit dem ihr zur Verfügung stehenden Lehrermaterial. Die Heranbildung j irdisch er Lehrer aber kann zweckmäßigerweise nirgends anders geschehen als an einer jüdischen Hochschule, denn wenn auch ein gewisses Maß allgemein kultureller Vorbildung im Auslande erworben werden kann, so fehlt doch dort gerade jenes spezifische Eingehen auf jüdische Verhältnisse und Bedürfnisse, das erst den wirklichen Typ des jüdischen Lehrers, wie er wohl /Ve uhaus ers/r. 15, gegenüber der alten Jkadem’ie jedem Juden vor Augen schwebt, zu schaffen im« stände sein könnte. Aus dem hier Ausgeführten ergibt sich von selbst, daß die zu schaffende hebräische Universität ganz anders aussehen wird, als ihre Schwesterinstitute im Auslande. Große Kollegiensäle, reichhaltige Vorlesungsverzeichnisse wird sie nicht besitzen, Massen von „Musensöhnen“ werden bei dieser „Alma mater“ nicht inskribieren und das wird kein Nachteil sein. Nur auf diese Weise wird man es ja vermeiden können, daß die hebräische Universität zui einem unnatürlich schweren, aufgetriebenen Gebilde wird, das anstatt frische Kräfte dem Volkskörper zuzufühiren, diese in schädlichster Form wegsaugt. Kleine Forschungsinstitute und große Forscher, wenig Lärm und viel Arbeit, das wird die Devise dieser Universität werden müssen. Den unermüdlichen Bemühungen führender jüdischer Wissenschaftler ist es gelungen, in Berlin ein Hochschulkomitee zu gründen, dem unter dem Vorsitze Professor Einsteins eine ansehnliche Zahl der hervorragendsten jüdischen Wissenschaftler angeschlossen ist. Eifrige Werbetätigkeit, vor allen Dingen in Amerika, hat das Interesse vieler Juden für diiese große Sache in tätige Anteilnahme an der Finanzierung der verschiedenen Institute zu verwandeln vermocht; der Jüdische National- Fonds hat bereits ein hervorragend geeignetes Gelände auf dem Sk opusberge in Jerusalem erworben; die Baupläne, die auch künstlerisch einwandfrei erscheinen, sind bereits geschaffen. Aber bei der Größe der anzustrebenden Leistung steht und fällt auch die Frage der jüdischen Universität, ebenso wie die des gesamten Aufbaus des Landes mit der Interessierung der jüdischen Gesamtheit an dem uns alle angehenden Werke. Wer an eine jüdische Kultur in Palästina glaubt, wem hebräische Sprache wirklich etwas bedeutet, wer endlich den Aufbau des Landes will, dem muß unsere Universität eine Aufgabe bedeuten. Auch hier gilt das Motto, das H e r z 1 seinem „Alt-Neuland“ voraussetzte: „W enn ihr wollt, ist es kein Märchen!“ Li-r. Die Wahrheit über die Ostjudengefahr Gegenüber den andauernden Versuchen der antisemitischen Bewegung, weiten Kreisen des deutschen Volkes die Einwanderung von Ostjuden nach Deutschland als eine fürchterliche, den Lebensnerv des deutschen Volkes treffende Gefahr hinzustellen, verlohnt es sich darauf hinzuweisen, daß die Antisemiten bisher wenigstens eine Tatsache aufgegriffen hatten, die nur als Folgeerscheinung des Krieges und der Nachkriegsverhältnisse zu verstehen ist, wenn sie sie auch unter völlig falschen Gesichtspunkten dargestellt: und beurteilt haben, daß sie nunmehr aber ihren Hetzfeldzug zu einer Zeit fortsetzen, wo der Gegenstand ihrer Entrüstung längst nicht mehr in einem erheblichen Umfange vorhanden ist. Die Antisemiten sind so froh darüber, einen Sündenbock gefunden zu haben, auf den sie die Aufmerksamkeit von ihrem staatsgefährlichen und volksverderberischen Treiben: abwenden können, daß sie sich nicht die Mühe geben, davon Kenntnis zu nehmen, daß aus der von ihnen mit so ungeheurem Geschrei befeindeten Einwanderung der Ostjuden inzwischen in überwiegendem Maße eine Auswanderung geworden ist. Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands, das als Hauptträger, der zur Regelung der Ostjudenfragen notwendigen Arbeit den besten Überblick über die genannten Verhältnisse besitzt, veröffentlicht seinen Bericht über