Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 17 (27.4.1923)
- Date
- 1923-04-27
- Page
- Seite 204 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Das Jüdische Echo Nr. 17 j dem Aufruf der Obersten Heeresleitung während der deutschen Okkupation in Polen folgten und die deutschen Militär- und Verwaltungsbehörden mit Rat und Tat unterstützten. Manche der jetzt Angeklagten wurden sogar gegen ihren Willen nach Deutschland transportiert, um in den Fabriken und Bergwerken den „ausgekämmten“ Mannschaftsersatz zu ergänzen und so die deutsche Industrie während des Krieges über Wasser zu halten. Das Ende einer Verleumdung Die Firma Warburg und die Bolschewisten Seit langem wird von deutschvölkischer Seite das Gerücht in Umlauf gesetzt — erst kürzlich verkündete es wieder der Münchener „Völkische Beobachter“ —. das bekannte Hamburger Bankhaus Warburg habe den russischen Bolschewismus finanziert. Zum Beweise wird ein darauf bezüglicher Brief, unterzeichnet „Fürstenberg” und datiert vom 21. September 1917, beigefügt. Als dann später von Theodor Fritsch, dem Herausgeber des „Hammer“, die gleiche Nachricht wieder verbreitet wurde, schritt das Bankhaus Warburg zur Klage. Das Ergebnis dieser muß Fritsch in seinem „Hammer“ vom 1. April also veröffentlichen: „Der Privatgeklagte, der die Kosten des Verfahrens übernimmt, erklärt, daß er den Vorwurf gegen das Haus M. M. Warburg u. Co., es habe die russische Revolution, insbesondere die Expedition Trotzki, unterstützt oder durch Überweisungen irgendwelcher Art begünstigt, nicht länger aufrecht erhalten könne und wolle.“ Eine andere unwahre Behauptung muß Fritsch gleichfalls „mit dem Ausdruck des Bedauerns“ zurücknehmen, wonach Herr Max Warburg bei Gewährung von Zuwendungen an die Akademische Darlehenskasse unterschiedliche Behandlung von Studenten verlangt habe. Es ist erfreulich, daß einer der Führer im völkischen Lager sich der besseren Einsicht freiwillig nicht verschließt und es ist wichtig, daß diese Einsicht gerichtlich festgelegt ist. Österreich Hut ab vor Admiral Popper! Wien. Der Generalingenieur der früheren österreichisch-ungarischen Marine, Admiral Popper, der wegen seiner Leistungen als Baumeister der österreichischen Marine, besonders als Erbauer der ersten österreichischen Dreadnoughts, bekannt ist, hat als Protest gegen die Studienbeschränkungen für die ausländischen Juden an der Wiener Technischen Hochschule auf das ihm von dieser Anstalt vor einigen Jahren verliehene Ehrendoktorat Verzicht geleistet und ihr das Diplom zurückgeschickt. Die antisemitische Presse bezeichnet das Vorgehen Admiral Poppers als „jüdische Frechheit“. Admiral Popper wurde vor vielen Jahren von England und Amerika eingeladen, in den Dienst dieser Staaten zu treten, er lehnte aber diese Werbung unter Berufung auf seinen, dem Kaiser von Österreich geleisteten Eid ab. Popper ist Jude. England Palästina im englischen Budgetvoran schlag für das Jahr 1923 — 2 4. Aus London wird gemeldet: Der dem Unterhaus soeben vorgelegte Budgetvoranschlag für 1923 bis 1924 zu den Posten Auswärtiges und Kolonialamt sieht einen Betrag von 12 751 078 Pfund Sterling vor, was gegenüber dem laufenden Jahr einen Abstrich von 3178 316 Pfund Sterling bedeutet. Diese Reduktion beruht zum größten Teil auf der Einschränkung der Ausgaben für den mittleren Osten, die im Budgetvoranschlag mit 8 668 500 Pfund Sterling vorgesehen sind, also um 2 507 600 Pfund Sterling weniger als im Vorjahre. Für die Verteidigung von Mesopotamien und Palästina sind insgesamt 7 530 000 Pfund] Sterling ausgeworfen — davon entfallen auf Palästina nur 1 150 000 Pfund Sterling — d. h. insgesamt 1 916 000 Pfund Sterling weniger als im Vorjahre. Der Posten der Gendarmerie ih Palästina wurde um 50 000 Pfund Sterling reduziert und beträgt jetzt 250 000 Pfund Sterling. Es ist dies die Folge der Reduzierung der britischen Garnison in Palästina und eine vorläufige Maßnahme in der gegenwärtigen anormalen Situation, bis die Verantwortung für Verteidigung und innere Sicherheit vollständig der palästinensischen Verwaltung überlassen werden kann. Andererseits ist der Beitrag für Verwaltungskosten von Transjordanien um 50 000 Pfund Sterling auf 150 000 Pfund Sterling erhöht worden, da die lokalen Einnahmen für Aufrechterhaltung der Sicherheit usw. noch nicht genügen. Amerika Lord Robert Cecil über das jüdischnationale Heim in Palästina „Niemals wird England sein Wort brechen!“ New York. (JCB.) Der seit einiger Zeit zur Propaganda für den Völkerbund in Amerika weilende Lord Robert Cecil hat die folgende öffentliche Erklärung über die Frage des jüdischen Nationialheims in Palästina abgegeben: „Die englische Regierung sowie alle verantwortlich denkenden Menschen in England sind für die Schaffung eines jüdischen Heims in Palästina. Niemals wird England von seinem gegebenen Versprechen zurücktreten. Meine persönliche Stellung in der jüdischen Frage ist bekannt. Ich halte den Völkerbund und die Gründung des jüdischen Heims in Palästina für die beiden wichtigsten Errungenschaften der Nachkriegszeit. Ich bin für die Balfour-Deklaration und kümmere mich sehr wenig darum, was Feinde des Zionismus und der Juden sagen. Würden die Juden mehr auf die Worte ihrer Freunde hören, sie würden dann die große historische Gelegenheit, die vor ihnen steht, besser begreifen und aufhören, sich Sorgen zu machen. Wichtiger ist es, daß die Juden darauf hören, was Doktor Weizmann, als was Lord Beaverbrook sagt. Die antizionistischen Attacken des Lord Beaverbrook und seiner Gesinnungsgenossen werden auf die englische Regierung keinen Einfluß ausüben. England ist den Juden freundlich gesinnt, einem Freunde aber braucht man keine Erklärungen zu geben und gegenüber einem Feinde helfen Erklärungen nicht. Die Juden müssen lernen, auch Feindschaft und Opposition zu ertragen. Haben denn nicht auch England und Amerika Feinde? Die seit mehr als 2000 Jahren in fremden Ländern lebenden Juden mögen wohl ständig auf feindliche Überfälle gefaßt sein, sie dürfen aber mit Stolz erfahren, daß sie gute Freunde besitzen, die sie vor solchen Überfällen schützen. Ich weiß es, daß England niemals sein Wort brechen wird. Mögen Regierungen kommen und gehen, mögen gewisse Lords diie Juden und den Zionismus angreifen — England wird stets in der Entschlossenheit beharren, die Balfour-Deklaration durchzuführen.“ Die Keren Hajessod- Kampagne in Amerika Die Keren Hajessod-Arbeit wird seit dem Eintreffen Dr. Weizmanns mit aller Energie geführt. Täglich finden zahlreiche Meetings und Besprechungen statt. Weizmann hat in einer Reihe von großen Versammlungen gesprochen und sich dabei insbesondere mit den Angriffen Lord Beaverbroks auf die Palästinapolitik der Regierung beschäftigt.