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Das jüdische Echo · 1923-04-27 · 17 (27.4.1923) · p. Seite 203

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
17 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
Seite 203 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 203 lernte Arbeiter nach Palästina kommen, zu leisten vermögen. Ich habe mit großer Freude sehen können, daß die Baumaterialien — außer Holz — bereits im Lande hergestellt werden. Das einzige, was mir die Freude an dieser Bautätigkeit einigermaßen beeinträchtigte, war die Mitteilung, daß für die. Gelder, die von amerikanischen Juden leihweise zu Bauzwecken zur Verfügung gestellt werden, zu hohe Zinsen genommen werden. Die entsagungsvolle Arbeit unserer Landarbeiter habe ich sehr bewundert. Wer den Kampf dieser Leute gesehen hat. muß Respekt vor ihnen haben und vor ihren Kämpfen gegen Schulden und Malaria. Gegen diese beiden Übel verschwindet praktisch beinahe das arabische Problem. Was dieses betrifft, so habe ich vielfach freundschaftliche Beziehungen zwischen jüdischen Arbeitern und Arabern angetroffen. Ich glaube geradezu, daß alle Schwierigkeiten nur von den Intellektuellen kommen, und zwar nicht nur von den arabischen. Die größte Sorgfalt muß dem Studium und der Bekämpfung der Malaria gewidmet werden, die insbesondere für die Dorfbewohner, aber auch für die Stadtbewohner, eine große Plage bedeutet. In Spanien ist mir kürzlich von spanisch-jüdischer Seite in Aussicht gestellt worden, daß die spanischen Juden in Verbindung mit der spanischen Regierung einen tüchtigen Fachmann auf dem Gebiete der Malariaforschung nach Palästina schicken werden, der dort, von Spanien bezahlt, in Verbindung mit der Jerusalemer Universität arbeiten soll. Die Malaria herrscht gegenwärtig noch so stark, daß man schätzen kann, daß ein Drittel der ländlichen Arbeitskraft durch sie paralysiert wird. Und nun die Schulden: In Dagania zum Beispiel leiden jene famosen Leute schrecklich unter ihren Schulden. Sie müssen sich schlecht ernähren, um nicht weiter in Schulden zu geraten. Ein Mann mit einem großen Herzen und einem mittelgroßen Portemonnaie könnte diese Leute glücklich machen. Der Geist unter den ländlichen Arbeitern und unter den Bauarbeitern ist ausgezeichnet. Sie sind stolz auf ihr Werk und lieben das Land und die Scholle. Geschmacklich wurde beim Bau in Stadt und Land ziemlich gesündigt, aber der Architekt Kaufmann kämpft mit Eifer und Erfolg für Geschmack und Vernunft. Die Regierung, die vieles getan hat zur Verbesserung der Straßen und zur Bekämpfung der Malaria überhaupt der sanitären Verhältnisse, hat es nicht leicht. Es dürfte sich kaum ein zweites Ländchen finden lassen mit so heterogener Bevölkerung und mit so viel Interessen solcher, die nicht im Lande wohnen. Was mm aber am meisten nottut, sind gelernte Arbeiter. Und es ist zu hoffen, daß das jetzt ins Leben zu rufende Technikum sehr wirksam beitragen wird zur Heranbildung solcher. Ich bin überzeugt, daß unser Kolonisationswerk gelingen wird in dein Sinne, daß wir in Palästina eine vollkommen kohärente* Gesellschaft bilden werden, die wohl geeignet sein wird, ein moralisches und geistiges Zentrum für das jüdische Volk abzugeben. Darin und nicht im Wirtschaftlichen sehe ich die hohe Bedeutung des Aufbauwerkes für uns alle. Es scheint mir weniger wichtig, daß das jüdische Palästina möglichst bald wirtschaftlich selbständig wird, viel wichtiger scheint mir zu seini, daß Palästina von hoher geistiger und moralischer Bedeutung für das ganze jüdische Volk wird. Großes wurde schon in diesem Sinne geleistet durch die Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Anstalten für die Pflege der Wissenschaften und Künste müssen folgen. Unter diesem Gesichtspunkte erscheint die Gründung der Universität von höchster Wichtigkeit, die dank dem Enthusiasmus, Insbesondere der amerikanischen Ärzte, gegenwärtig ihre Arbeit in Jerusalem beginnt. Sie hat auch bereits ein Publikationsorgan, an dem jüdische Gelehrte aller Länder und aller Wissenschaften schon eifrig arbeiten. Palästina wird nicht die jüdische Frage lösen, aber seine Entwicklung bedeutet eine Neubelebung der Seele des jüdischen Volkes, und ich bin glücklich, in dieser Zeit neuerwachenden Lebens, dort gewesen zu sein. Vorarbeiten für die Jerusalemer Universität Professor Einstein Vorsitzender des Berliner Hochschulkomitees Aus Berlin wird uns geschrieben: Nach der Rückkehr Professor Einsteins aus Palästina fand in dessen Wohnung eine Besprechung bekannter jüdischer Gelehrter in der Frage der Jerusalemer Universität statt, an der auch Geheimrat Wassermann, der Vorsitzende des deutschen Keren Hajessod, teilnahm. Professor Einstein schilderte seine Eindrücke bezüglich der Lage der künftigen Universität, worauf Professor Warburg einen ausführlichen Bericht über die gesamte Universitätsaktion erstattete. Professor Warburg wird sich in den nächsten Tagen in Sachen der Universitätsaktion nach Amerika begeben und hierauf nach Palästina übersiedeln. Was den gegenwärtigen Stand der Universitätsaktion anlangt, so sind bereits mehrere Lehrstühle und einige Institute gesichert, so daß man für das nächste Jahr mit der Eröffnung eines Teiles der Universität rechnen kann. Es ist noch fraglich, ob gleich zu Beginn ein regelrechter Studienbetrieb eröffnet werden könne oder ob sich die Universität für den Anfang lediglich auf Forschungsarbeiten beschränken wird. Jedenfalls werden periodische Hochschulkurse bald nach der Eröffnung eingerichtet werden können. — Zum Vorsitzenden des Berliner Hochschulkomitees wurde Prof. Einstein gewählt, da Prof. Warburg wegen seiner bevorstehenden Übersiedlung nach Palästina auf die Wiederwahl verzichtet hatte, zum stellvertretenden Vorsitzenden der Direktor des orientalischen Seminars der Berliner Universität Professor Eugen Mittwoch. Deutsc h 1 a n d Eine jüdische Rache München. Der durch den antisemitischen Klüngel aus München fortgeekelte Generalmusikdirektor Walter (alias Schlesinger) hat aus dem Erträgnis seiner Amerikatournee für die Münchener Kranken und Kinder 11 Millionen Mark überwiesen. Opfer Ludendorffs Dem Hamburger „Israelit. Familienblatt“ wird aus Breslau gemeldet: In der letzten Zeit häufen sich die Fälle, in. denen Ostjuden gelegentlich der Erneuerung ihrer Personalausweise bei der Polizei liebem'er gefragt werden, wie sie über die Grenze gekommen sind. Auf die wahrheitsgemäße Auskunft ergeht dann eine Strafanzeige wegen unerlaubter Grenzüberschreitung, worauf meistens ein Strafbefehl über fünf bis sechs Wochen Gefängnis ergeht. Außerdem werden den Betroffenen die hinterzogenen Viisumgebiihren von 20 000 oder sogar 40 000 Mark in einer anscheinend etwas willkürlichen Weise unter allen möglichen Drohungen abverlangt. Dieses wohl in seinen Grundzügen, aber kaum in seinen Formen offenbar von oben inspirierte Verfall,ren bedeutet eine ungerechtfertigte Härte und wird von den Betroffenen mit Recht als Schikane empfunden. Sie sind seit mehreren Jahren im Lande und haben sich fast immer tadellos aufgeführt. (Von Leuten, die sich sonst irgendwie erheblich gegen Strafgesetze vergingen,. soll hier überhaupt nicht die Rede sein.) Es handelt sich um junge Leute, deren Familien

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