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Das jüdische Echo · 1923-04-27 · 17 (27.4.1923) · p. Seite 200

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
17 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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200 Das Jüdische Echo Nr. 17 der Balfour-Deklaration, und die Regierung bemühte sich, die jüdische Meinung festzustellen, und legte deshalb den Entwurf einem halben Dutzend Juden in England, darunter auch mir, vor. Ich möchte aus meiner an das Kriegskabinett gerichteten Antwort einen Satz zitieren: „Ich begrüße den Hinweis auf die bürgerlichen und gesetzlichen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina. Er ist nur eine Übersetzung des Fundamentalsatzesder mosaischen Gesetzgebung : „Und wenn, ein Fremdling bei dir in deinem Lande lebt, sollst du ihn nicht bedrängen. Sondern der Fremdling, der bei dir wohnt, soll unter euch sein wie einer, der unter euch geboren ist. Und du sollst ihn lieben wie dich selbst (Lev. 19, 33, 34).“ Das war, bevor noch die Balfour- Deklaration erlassen war, bevor die künstliche Agitation gegen sie von ein paar kopflosen Reaktionären gezüchtet wurde. Das jüdische nationale Heim wird auf Gerechtigkeit gegründet sein. (Beifall.) Die Juden werden in Palästina das geben, was sie selbst in einer zweitausendjährigen Geschichte so sehr, sehr selten von anderen erhielten — Gerechtigkeit! Und wie unsere Lehrer sagten: „Gerechtigkeit allein führt zu dauerndem Frieden.“ Da das jüdische nationale Heim auf Gerechtigkeit gegründet sein wird, werden wir zu dauerndem Frieden gelangen. M r. James de Rothschild erklärt unter anderem: Ich möchte den ungeduldigen Zionisten von heute sagen, daß auch wir durch die Wüste wandern müssen. Die Hälfte der Judenheit ist infolge des Krieges dezimiert, hungert und liegt in Asche. Die andere Hälfte ist durch die wirtschaftliche Krise gefesselt, die die ganze Welt bedroht. In dieser Zeit ergeht der Ruf an uns, das jüdische nationale Heim in Palästina zu gründen und aufzubauen. Und wir tun es trotz allem! (Beifall.) Statt die Anstrengungen, die gemacht wurden, gering zu schätzen, statt zu verkleinern und Bankrott zu rufen, sollten wir ein Wunder bestaunen. Heute leben mehr als 80 000 Juden in Palästina. Sie sind unsere Kalebs und Jos-uas, und ein Teil der Früchte, die sie ernten, kommt auf die Märkte von Liverpool, London und Hüll. Es gibt 55 Kolonien in Palästina, 70 000 Ansiedler, deren Wurzeln fest in gutem palästinensischem Boden versenkt sind. Mehr als 50 neue Industrien sind kürzlich errichtet —■ Ziegel- und Zementfabriken, Möbelerzeugungen und andere —, alle im kurzen Zeitraum von zwei Jahren geschaffen. Diese Industrien setzten sich durch ihre eigene Initiative durch. Sie erhärten eine Theorie wirtschaftlicher Entwicklung, die wir erst vor wenigen Tagen diskutieren hörten. Seite an Seite mit ihnen leben große Genossenschaften, munm Me uh Cf US e rs/r. 15, gegenüber der alten Jtkcdemie ~7iferren/cf)ne/(krei ■ Srst/d Stoffe.' die umfangreiche Landwirtschaften bearbeiten. 3000 Arbeiter haben Kontrakte abgeschlossen, die die gewaltige Summe von 500 000 Pfund Sterling umfassen. Diese Genossenschaften erhalten eine Wanderbibliothek von 17 000 Bänden und sechs Lesehallen; sie besitzen eine Arbeiterbank. Diese Leute führen einen anderen Plan wirtschaftlicher Entwicklung durch, den wir gleichfalls neulich darlegen hörten, und so sehen wir, wie das Lamm neben dem Wolfe weidet. Es ist nicht meine Absicht, zu sagen, welches der Wolf und welches das Lamm ist. (Heiterkeit.) Dies ist wirklich ein stolzes Ergebnis, es ist aber nicht ohne Schwierigkeiten erreicht werden. Viele Tage lang mühten sich diese Männer, Frauen und Kinder, hungrig und ohne ein Dach über ihren Häuptern, nur aufrecht erhalten durch die nationale Idee, den reinsten und erhabensten Idealismus. Es gibt keine Goldminen in Tel-Awiw, und die heiligen Sümpfe sind nicht Kalifornien und der südafrikanische Rand. Diese Leute, die so viel für ihr Ideal geopfert haben, lassen sich nicht durch, politische Agitatoren verhetzen. Sie wußten, was es heißt, eine Minorität im fremden Lande zu sein. Auch heute noch wissen sie, was es heißt, eine Minorität zu sein. Ihre Arbeit, ihre Mühen haben die Lebenshaltung der Araber erhöht. Sie werden nur durch jene Agitatoren von den Arabern geschieden, die Feindschaft zwischen Völkern säen, die sonst Freundschaft zusammenführen würde. Sir Alfred Mond als Vorsitzender gedachte des infolge Unpäßlichkeit abwesenden Lord Roth^ schild und fuhr nach Dankes Worten an die Vorredner fort: Wir haben in der Presse viel über die „große Täuschung“ von Palästina gelesen. Ich fand dort eine Verwirklichung, die über meine größten Hoffnungen hinausgeht. Ich fand dort ein Land, das für die Zukunft eine Entwicklung verspricht, die alle meine Erwartungen hinter sich läßt, eine große Arbeit, geleistet von einer kleinen Zahl von Menschen unter den schwierigsten und entmutigendsten Verhältnissen. Wenn wir die jüdische Arbeit von Palästina ausschalten , wasblefbtdann überhaupt übrig? Erziehungswesen — gehen wir zu der großen technischen Hochschule in Haifa, dem, Gymnasium in Jaffa, der Mittelschule und Kunstgewerbeschule in Jerusalem: Was sind diese anderes als jüdische Institutionen? Welche sonstigen Anstalten dieser Art bestehen heute in Palästina? Gehen wir nach Mikweh, der großen landwirtschaftlichen Schule, die von der Alliance Israelite gegründet ist, und Gewaltiges für die Entwicklung der Landwirtschaft leistet. Gehen wir nach Tel-Awiw7 und schauen wir diese schöne Gartenstadt an, die nicht durch die Zionistische Organisation geschaffen ist, sondern von den Juden selbst, durch ihre eigene Energie und Initiative, und die mit der Rapidität einer westamerikanischen Stadt wächst. Besuchen wir die Kolonien; wer hat die großen Orangenkulturen geschaffen? Wer hat; die Milchwirtschaft nach Palästina gebracht und entwickelt sie? Wem dankt man all das? Der kleinen Zahl jüdischer Enthusiasten, für die Palästina das glückliche Land ihres Ursprungs ist und sein muß, das ihnen niemand nehmen kann. Wenn wir keinen Anspruch auf dieses Land haben, wer hat ihn? (Beifall.) Wenn wir das Recht fordern — und es ist wenig genug, was wir verlangen — das Recht, unsere Zeit, unsere 'Energie, unser Geld und unsere Arbeit herzugeben, um den Versuch zu machen, ein Land wieder aufzubauen, das durch Jahrhunderte der Mißregierung verwüstet ist, den Berg Karmel aus einer Wüste in einen Weinberg zu verwandeln, die Sümpfe auszutrocknen, die die Malaria verbreiten. und zu fruchtbaren Getreidefeldern zu ma-

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