Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 16 (20.4.1923)
- Date
- 1923-04-20
- Page
- Seite 191 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9103029-9147982--05596-9078265- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 16 Das Jüdische Echo 191 Mussa-Prozession, durch die Straßen Jerusalems. Einzelne Teilnehmer der Prozession stießen Rufe aus, wie „Nieder mit dem Zionismus!“ „Palästina ist unser Land!“ „Es lebe Mustapha Kemal Pascha!“ Zwischenfälle kamen nicht vor. Aus Anlaß der religiösen Prozession wurden die Juden nicht zur Klagemauer zugelassen, wogegen das Rabbinat und der Waad Leumi bei den zuständigen Behörden protestierten. Der Gouverneur von Jerusalem Sir Ronald Storrs erwiderte auf den Protest, der betreffende Erlaß sei nicht von ihm, sondern von einem subalternen Beamten herausgegeben worden. Der neue Zivilsekretär der Palästina-Regierung Der zurückgetretene Zivilsekretär der Palästina- Regierung, Sir Wyndham Deeds, hat bereits das Land verlassen und sich nach England begeben. Sein Nachfolger Sir Gilbert Clayton traf am 6. April in Jerusalem ein. Die Organisation der hebräischen Universität Am 2. April ist der Professor der Universität Halle, F o d o r, in Jerusalem eingetroffen. Das Ziel seines Palästina-Aufenthaltes ist die Abfassung eines Organisationsplanes für die Errichtung des biochemischen Instituts der Jerusalemer Universität. Touristensaison in Palästina Der Touristenzustrom hat jetzt in vollem Umfange eingesetzt. Während im Januar nur ungefähr 100 Touristen Jerusalem besucht haben, waren es im Februar bereits 1400. Die Reisegesellschaften richten es so ein, daß die Palästina besuchenden Touristen vier bis fünf Tage in Jerusalem verweilen. Die Touristensaison macht sich auch im Kleinhandel bemerkbar, jedoch nicht nennenswert. (Ziko.) Der Import von Automobilen nach Palästina Wie das vom Handels- und Industrie-Departement der palästinensischen Regierung herausgegebene Commercial Bulletin vom 21. März berichtet, wurden im Laufe des Jahres 1922 385 Automobile nach Palästina importiert. 95% dieser Autos sind aus Amerika gekommen. (Ziko.) Bevorstehender Besuch Henry Fords in Palästina Jerusalem. (J. C. B.) Nach Mitteilungen der Syrischen Presse soll der bekannte amerikanische Auto-König Henry Fords die Absicht haben, nach Palästina zu kommen. Sein Besuch steht mit Geschäftszielen seiner Firma in Zusammenhang. — Filialen des Ford’schen Automobilunternehmens sind in der letzten Zeit längs der ganzen Mittelmeerküste errichtet worden. Im letzten Jahre wurde eine bedeutende Anzahl Ford’scher Automobile in Palästina angekauft. Ford beabsichtigt, das Land als weiteren Absatzmarkt für seine Automobile zu studieren. Die Einwanderung der Yemen-Juden nach Palästina Jaffa. (J. C. B.) Die in Tel-Awiw stattgefundene Konferenz der yemenitischen Juden beschloß, ein repräsentatives Komitee der Yemer-Juden in Palästina zu schaffen, das sich in der Hauptsache mit der Einwanderung von Juden aus Yemen nach Palästina befassen und für die Aufbringung der Mittel zu dieser Immigration sorgen soll. Das Komitee wird sich ferner mit der Frage der Erziehung beschäftigen. Eine jüdische Synagoge vor der Versteigerung Die im Jahre 1918 erbaute Synagoge der Gemeinde „Adas Jisroel“ in St. Gallen soll demnächst zur Versteigerung gelangen. Infolge der herrschenden Krise sind viele Juden abgewandert und die Übriggebliebenen sind nicht imstande, die fällige Bankschuld von 45 000 Franken zu bezahlen. Die Gemeinde „Adas Jisroel“ erließ einen Aufruf an die Schweizer Judenheit, zur Abtragung der Bankschuld beizusteuern, damit verhindert wird, daß die Synagoge zur öffentlichen Versteigerung gelange. (J. C. B.) England Großes Ke*ren Hajessod-Bankett in London Bemerkenswerte Reden von Sir Robert Waley- Cohen, Sir Alfred Mond, James Rothschild, Chiefrabbi Hertz, Joseph Cowen, Colonel Wedgwood und Philipp Snowden Das Komitee der Stamford-Hill-Synagoge in London veranstaltete ein großes Keren Hajessod- Bankett, das einen gewaltigen Erfolg für den KeTen Hajessod bedeutet. In den Reden wurde besonders lobend hervorgehoben, daß endlich auch die Synagogen — diese entsprechen in England den eigentlichen Gemeinden — sich ihrer Pflicht dem Keren Hajessod gegenüber erinnern. Geradezu ein Ereignis bildete die zahlreiche Teilnahme führender englischer Persönlichkeiten als Redner an diesem Bankett, die alle ihren heißen Glauben an den Wiederaufbau Palästinas und den Keren Hajessod zum Ausdruck brachten. Weizmann und Sokolow hatten telegraphische Begrüßungen gesandt. Auf dem Bankett selbst wurden in bar 1400 Pfund eingenommen. — Der Wortlaut der bemerkenswerten Reden dürfte in einer besonderen Broschüre der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. (Ziko.) Sonderbare Methoden der englischen Judenmission Füreinehebräisc h-c hristlicheKirche Der Bischof von Stepney erließ zu den Osterfeiertagen einen Aufruf, in welchem er die Christen auffordert, zu einem Fonds für die Errichtung einer hebräisch-christlichen Kirche mit einem hebräisch-christlichen Geistlichen an der Spitze in Ostlondon beizusteuern. In der neuen Kirche soll der Gottesdienst in hebräischer Sprache abgehalten werden. (J. C. B.) literarisches Echo Die Druckerei Romen in Wilna erfreut die jüdische Welt durch die Kunde, daß sie einen Neudruck des Jerusalemischen Talmuds fertiggestellt hat. Der Text ist nach der Petrikauer Ausgabe hergestellt, während die Varianten nach der Zusammenstellung von Ratner hinzugefügt wurden. Der Ausgabe sind etwa vierzig,, zumeist noch unbekannte, nach Manuskripten herausgegebene Kommentare beigegeben. Das Werk ist in sechs Halblederbänden gebunden vom Jalkut-Verlag in Berlin zu beziehen. Gemelnden-u.Vereins-Echo Der Jüdische Gesangverein München (Dirigent H. Josef Ziegler), über dessen wohlgelungenes Chanukka-Konzert wir seinerzeit berichten konnten, veranstaltet am 3. Mai er. im Odeon sein diesjähriges Frühjahrskonzert, dessen Programm hautpsächlich synagogale Gesänge Münchener Komponisten umfassen; wird. Es ist ein besonderes Verdienst des genannten Vereins, die Schätze der jüdischen Musik zum ersten Male im Konzertsaal einem größeren Publikum zugänglich zu machen und er erfüllt gleichzeitig eine Ehrenpflicht gegen den dermaligen Kantor der