Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 16 (20.4.1923)
- Date
- 1923-04-20
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 189 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE Gefühl der schweren Verantwortung an dem Gelingen des Aufbaus von Erez Israel ist wach in den Herzen von vielen Tausenden unserer Brüder. Der Keren Hajessod hat seine Existenzfähigkeit bewiesen. Die jüdische Steuer auf der Basis freiwilliger Selbstverpflichtung ist möglich, wenn auch noch lange nicht durchgeführt. An diesem Punkte gilt e§ nun mit frischer Kraft einzusetzen! Nicht vergessen wollen wir das Wort eines unserer Führer, daß jede in Deutschland aufgebrachte Mark den Bruchteil eines Dollars in Amerika, eines Pfundes in England usw. bedeute und daraus die einzige für uns mögliche Folgerung ziehen, die sich) nicht knapper zusammenfassen läßt, als Nordau es in einem Aufrufe anläßlich der Balfourdeklaration im Jahre 1917 getan hat: „Auf, an die Arbeit!“ Vorstandstagung des Zionistischen Gruppenverbandes für Bayern und Württemberg in Stuttgart Stuttgart, Anläßlich der Tagung des Gruppenverbandsvorstandes in unserer Stadt war für Samstag, den 14. April, eine öffentliche Versammlung über das Thema: „Die Zukunft der Juden“ anberaumt worden. Herr Dr. Robert Nußbaum-Hanau, der sich in dankenswerter Weise für diesen Vortrag zur Verfügung gestellt hatte, legte in rednerisch, wie inhaltlich vollendeten Ausführungen die ideellen und tatsächlichen Grundlagen dar, auf denen der Zionismus beruht. Vor allen Dingen verstand er es, den leider infolge des stürmischen Wetters nicht allzu zahlreich erschienenen Zuhörern klar zu machen, daß nicht die augenblickliche, antisemitische Welle, unter der wir alle zu leiden haben, das Tragische in unserer Situation bedeute. Solche Dinge, wie sie heute von den Nationalsozialisten und ihren Freunden betrieben würden, kämen, so führte er aus, nicht an das Tiefste in uns heran. Nicht diese äußere Bedrängnis sei das wahrhaft Schmerzliche für uns, sondern das Gefühl, aus dem heraus ein Max Weber die Juden ein Pariavolk nennen konnte, das selbst einen Denker wie Kant gelegentlich dazu verleitete, in den Juden etwas Inferiores zu sehen; ein Gefühl, das es auch heute noch überall, in jedem Lande gebe und das bei edlen, denkenden Juden am allerschwersten zu ertragen sei und das die eigentliche, die innere Judennot . mit sich bringe. Keine andere Möglichkeit gebe es für uns Juden, als die Wiedereingliederung in unsere die Jahrtausende überdauernde Gemeinschaft, als das Bekenntnis zum jüdischen Volke. Aus diesem Bekenntnisse heraus erwachse dann mit Naturnotwendigkeit die Verpflichtung, sich an dem Aufbau Palästinas aktiv zu beteiligen, das zionistische Programm zur Verwirklichung bringen zu helfen. Der Redner, dessen Gedankengänge wir hier auch nicht annähernd in ihrer Schlüssigkeit und Tiefe wiederzugeben in der Lage sind, fand den reichen Beifall der Erschienenen, von denen auch eine relativ beträchtliche Anzahl sich der Zionistischen Ortsgruppe Stuttgart anschlossen. In der Diskussion, in der Hr. Landgerichtsdirektor Stern einen antizionistischen Standpunkt vertrat, wurde von allen Seiten unser Glaube an die Möglichkeiten des Aufbaus und an unsere Verpflichtung zur Mithilfe hiezu nach unseren besten Kräften betont und festgestellt, daß allein die Gewalt einer großen Idee, wie es der Zionismus sei, die Menschen so von Grund auf umstellen könnte, wie auch Herr Direktor Stern es als wünschenswert bezeichnet hatte. In seinem Schlußworte wies Herr Dr. Nußbaum- Hanau in Worten, die wohl auf keinen der Anwesenden ihren tiefen Eindruck verfehlten, darauf hin, daß die unsägliche Not, wie sie heute in all den von zahlreichen und schweren Pogromen heimgesuchten Ländern bestehe, nicht durch Palliativmittel, nicht durch eine Politik auf kurze Sicht beseitigt werden könne und daß Palästina allein eine relativ endgültige Lösung dieser Fragen zu bringen im Stande sei. An den Vortrag schloß sich eine Konferenz derjenigen an, die tätige Mitarbeit am Aufbau des Landes zu leisten eingeladen waren. Herr Dr. Meinhold Nußbaum-Nürnberg, der die Leitung dieser Konferenz übernommen hatte, legte in klaren Ausführungen die jetzige Lage in Palästina dar und betonte, daß alle diejenigen, die selbst nicht nach Palästina gehen könnten oder wollten, zum Mindesten verpflichtet seien, materiell dj£ Arbeit zu unterstützen, und kam im Zusammenhang damit auf den Keren Hajessod zu sprechen, der die Aufgabe der Aufbringung der erforderlichen Gelder übernommen habe. Nachdem Herr Dr. Liebstädter-Nürnberg betont hatte, daß man von jedem Juden nicht Almosen, sondern Opfer verlangen werde und müsse, daß nu,r dann der Aufbau ermöglicht werden könne und auch nur dann die erzieherische Wirkung des Keren Hajessod eintreten könne, erklärten sämtliche Anwesenden ihren Willen zum Keren Hajessod beizutragen und eine Reihe von Helfern meldeten sich zur Durchführung der Aktion in Stuttgart. Am Sonntag, den 15., begann die eigentliche Tagung, zu der Vertreter der größeren Ortsgruppen aus dem Gebiete des Gruppenverbandes erschienen waren. Eine Reihe von für die Fortführung unserer Arbeit wichtigen Beschlüssen gelangten zur Annahme, über die im einzelnen zu berichten hier nicht der Platz ist. Mit besonderer Befriedigung konnte festgestellt werden, daß im Laufe des letzten Jahres zwei neue Ortsgruppen, Bamberg und Augsburg, sich konstituiert haben, die zweifellos zur Belebung unserer Arbeit erheblich beitragen werden. Von großem Interesse für die Anwesenden war der Bericht des Herrn Paul Grünbaum-München über die vorbildlichen Leistungen des Palästina-Amtes in München, das ohne jede finanzielle Beihilfe der Zionistischen Organisation entstanden ist und das heute in hohem Maße mit dazu beigetragen hat, die Palästinawanderung zu verbilligen und für die durchreisenden Chaluzim annehmlicher zu gestalten. Es ist zweifellos, daß das starke Interesse, das heute bei einem erheblichen Teil der Münchener Juden für die Aufbauarbeit besteht, mit auf die Tätigkeit des Palästina-Amtes zurückzuführen ist. Die provisorischen Neuwahlen bestätigten die bisherigen Mitglieder des Gruppenverbandsvorstandes auch für das kommende Jahr. Anstelle