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Das jüdische Echo · 1923-04-06 · 14 (6.4.1923) · p. Seite 166

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
14 (6.4.1923)
Date
1923-04-06
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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166 Das Jüdische Echo Nr. 14 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3 j$ Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE dem Oberleutnant Roßbach gefundenen Briefe und Akten ergänzt wurde. Danach stand der Ausbruch des Putsches für den 31. März zu erwarten. Das Zukunftsdeutseliland Ludendorffs München. Der Vorsitzende der bayerischen Volkspartei, Abgeordneter Held, hat erklärt, daß er den Angriffen seines Blattes, des „Regensburger Anzeigers“, gegen Ludendorff ferne stehe, es muß aber doch als zumindest auffällig bezeichnet werden, daß trotz dieser Verwahrung ein dritter, außerordentlich scharfer Artikel des Blattes erschienen ist, der sich neuerdings mit der Tätigkeit Ludendorffs beschäftigt, ihm konfessionelle Wühlereien vor wirft und zu dem Schlüsse kommt, das Endziel liege klar zutage: Auf die einfachste Formel gebracht, soll das Schlußdrama im Sinne der Autoren folgenden Verlauf nehmen: Die Bayern ringen Berlin mit seiner verhaßten Regierung, dem Parlament, Zentrum, Sozialisten und Juden nieder nnd werfen Frankreich zu Boden. An der Spitze der siegreichen Truppen zieht der Hohenzoller in Berlin ein, richtet ein absolutes Kaisertum auf preußisch-protestantischer Grundlage auf und vereinigt unter seinem Zepter alle wieder eroberten Länder und Landesteile. Elsaß-Lothringen, Österreich und die Bundesstaaten erhalten preußische Prinzen als Herrscher, Bayern, das zweideutige Händel und Zwietracht in das deutsche Volk getragen hat, erhält nichts. Gegebenenfalls wird es mit Gewalt in die Schranken verwiesen. Die Sturmarmee Die Nationalsozialistische Partei zählt gegenwärtig in Bayern 40 Hundertschaften, die jetzt zu Regimentsverbänden zusammengesetzt werden. Aus diesen soll eine nationale Sturmarmee organisiert werden, deren Zweck Hitler dahin erklärt, daß sie Deutschland von den Parlamenten und von den Novemberverbrechern befreit. Nach einer Äußerung Hitlers stehen seine Abteilungen mit der Reichswehr und der Schutzpolizei in Verbindung. (Siehe Erlaß der Deutschen Heeresleitung.) Vor kurzem hat bekanntlich der Nationalsozialist Esser in einer Versammlung verlangt, Deutschland solle alle Juden in einem Konzentrationslager internieren und dann der Entente mitteilen, für den Fall der weiteren Besetzung des Ruhrgebietes würden 50 000 Juden „einem besseren Jenseits“ zugeführt. Man war zuerst geneigt, diese Äußerung als eine demagogische Redewendung anzusehen. Indessen haben die Nationalsozialisten nach Meldung der „Münchner Post“ tatsächlich ein Geiselkommando aufgestellt, das die Bezeichnung „Treuschaft“ führt und dazu bestimmt ist, im Ernstfälle sozialistische Führer und jüdische Persönlichkeiten als Geiseln festzunehmen. Die Mitglieder dieses Geiselkommandos werden vereidigt und in Meister, Gesellen und Lehrlinge, also logenmäßig eingeteiit. Der erste Vorsitzende der Organisation ist ein Professor, der zweite ein praktischer Arzt, der bisher politisch nicht hervorgetreten ist. Die deutsche Heeresleitung gegen die Nationalsozialisten General v. Seeckt hat am 23. März einen Erlaß an die Reichswehr gerichtet, der sich gegen die Verbindung von Reichswehrangehörigen mit nationalsozialistischen Elementen wendet. Der Erlaß macht darauf aufmerksam,, daß von nationalsozialistischer Seite wie ein Einzelfall zeige, nicht immer vergebliche Versuche gemacht würden, Mitglieder der Reichswehr für die politischen Ziele der Partei zu gewinnen. Diese Bestrebungen gingen auf eine Verleitung der Offiziere und Mannschaften zum Ungehorsam gegen Befehle ihrer Vorgesetzten hinaus und enthielten den verbrecherischen Versuch, die Disziplin unter ihnen zu erschüttern. Sobald derartige Bestrebungen sichtbar würden, sei der Heeresleitung und zwar Genera! v. Seeckt persönlich Meldung hierüber zu erstatten. Dieser Erlaß ist anerkennenswert, indem er sich bemüht, die Reichswehr von einseitig parteipolitischer Beeinflussung freizuhalten, die offen darauf abzielt, die Reichswehrangehörigen zur Eidesverletzung gegen den Staat, dessen Verfassung sie beschworen haben, zu verleiten. Wenn der mit dem Erlaß angestrebte Zweck aber ungeschmälert erreicht werden soll, so ist auch den Versuchen Einhalt zu tun, die eine Verbindung der Reichswehr mit den sogen. Selbstschutzorganisationen anstreben. Es unterliegt heute keinem Zweifel mehr, daß sich die letzteren von ihrem ursprünglichen und heute noch vorgeschützten Zweck der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung längst entfernt haben und nichts anderes geworden sind als organisierte Kampftruppen gegen die demokratische Republik, also des Staates, zu dessen Schutz die Reichswehr berufen ist. Es ist eine der schwerwiegendsten innerpolitischen Fragen, deren Klärung nicht verzögert werden darf, welche Stellung die Staatsgewalt zu diesen illegalen, in keinem gesetzlichen Recht der Staatsbürger begründeten Truppen einnimmt. Und ein Teil dieser Staatsgewalt ist die Reichswehr, woraus sich der selbstverständliche Schluß ergibt, daß die Reichswehr gegen alle Versuche Stellung zu nehmen hat, Rechte, die nur der legalen Staatsgewalt zukommen, für einen privaten Personenkreis in Anspruch zu nehmen, wie es bei den Selbstschufzorganisationen der Fäll ist. Der „Völkisch© Beobachter“ hat uns wieder einmal zitiert, selbstverständlich entstellt und aus dem Zusammenhang gerissen. Wir wundern uns nicht darüber, denn das ist ja sein tägliches journalistisches Brot. Der „Beobachter“ zitiert unter dem Titel „Ganz Israel gemeinsam“ in seiner Nummer 58 aus unserem Aufsatz: „Zur Protestnote des bayerischen Gemeindeverbandes“ vom 30. März: „Der Verband kann, aber muß auch im Namen aller Juden sprechen, gleichgültig ob es sich um West- oder Ostjuden, um Deutsch- oder jüdisch-nationale Juden, gleichgültig selbst ob es sich um anständige oder um schlechte Menschen, um Ehrenmänner oder Verbrecher handelt. Sie alle sind Juden und bedürfen allein aus diesem Grunde des Schutzes der Verfassung und der Gesetze (soweit zitiert der Beobachter), die ihnen gegenüber unoartei- V

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