Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 14 (6.4.1923)
- Date
- 1923-04-06
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das jüdische Echo 165 lamentarismus gerichtet. Die Partei habe im geheimen umfangreiche Vorbereitungen zu einem nationalistischen Putsch getroffen. Ein weiterer Erlaß betrifft die Bekämpfung der Selbstschutzorganisation; es heißt darin: Während auf der einen Seite die Anhänger rechtsradikaler Organisationen Stoßtrupps bilden und nach militärischer Ausbildung streben, bilden auf der anderen Seite linksradikale Kreise Arbeiterbataillone und Hundertschaften und lassen diese in manchen Gegenden sogar polizeilichen Straßendienst versehen. Diese Zustände stellen eine schwere Beeinträchtigung der öffentlichen Ruhe. Sicherheit und Ordnung dar. Der preußische Minister des Innern mache es allen beteiligten Dienststellen zur Pflicht, ohne jede Rücksicht auf die politische Richtung ungesäumt und mit aller Entschiedenheit einzuschreiten. Die preußische Regierung veröffentlicht ferner einen Bericht über die zum Schutze der Ordnung und Sicherheit getroffenen Maßnahmen. Das Vermögen der aufgelösten deutschvölkischen Freiheitspartei wurde als dem Reiche verfallen erklärt. In der vom Innenminister Severing beigegebenen Begründung heißt es, in fast allen preußischen Provinzen seien von der deutschvölkischen Freiheitspartei Hundertschaften oder sogenannte Turnerschaften gebildet worden, die. wie nun auch für den Unkundigen bewiesen sei, innerpolitische Kampfziele verfolgten, mit einzelnen Teilen der Reichswehr Fühlung suchten, um diese beim Kampfe, dessen Ausbruch noch für den März erwartet worden sei, zur wohlwollenden Neutralität zu veranlassen. Die deutschvölkische Freiheitspartei wurde von den Abgeordneten Gräfe und Wulle und dem Major Henning begründet. Diese Abgeordneten hatten nach der Ermordung Rathenaus eine wilde Agitation eingeleitet, in der sie besonders die Mörderverbindung „Organisation Consul“. deren Verbindung mit dem Mord erwiesen war, zu decken suchten. Sie wurden deshalb von der Deutschnationalen Partei, die sich nicht kompromittieren wollte, zum Austritt genötigt und schufen sich eine eigene Partei, deren ausschließlicher Zweck der Sturz der Republik und der allgemeine Judenpogrom war. Die Leitung dieser Partei heißt Führerschaft und umfaßt alles Gelichter, das sich in den Kreisen der exzessiven Antisemiten Namen und Ansehen erworben hat. Diesem Klüngel gehören an: der alldeutsche Literaturwotan Adolf Bartels in Halle, der jüngst wegen seiner laxen Ehemoral vielgenannte Autor des antisemitischen Romans „Die Sünde wider das Blut“ Artur Dinter, der Herausgeber des Ritualmordblattes „Der Hammer“ Theodor Fritsch, ferner der als Herausgeber der Zeitschrift „Auf Vorposten“ bekannte Müller v. Hansen, der auch als Herausgeber der deutschen Ausgabe der „Geheimnisse der Weisen von Zion“ fungiert. Aus dieser frechen Fälschung (die wiederholt behandelt worden ist) hat Ludendorff die Behauptung abgeschrieben, daß das Judentum die Niederlage Deutschlands bewußt im Dienste einer geheimen Körperschaft herbeigeführt habe. Dieser Unsinn ist die Unterlage der gesamten Hakenkreuzagitation in Deutschland und in Österreich geworden. Das Programm dieser Verschwörerbande, das in einer Unmasse von Zeitungen und Broschüren mit riesigen Geldsummen verbreitet wird, geht auf die Errichtnug einer unter Ludendorff und Hitler stehenden nationalen Diktatur nach italienischem Muster hinaus. Das Vorbild ist di^ Revolution des Mussolinischen Faszismus und so wie in Italien soll auch in Deutschland und in Österreich der Parlamentarismus herabgedrückt oder, wenn möglich, ganz vernichtet werden. Zur Erreichung dieses Zweckes hatte die Partei sich mit den bayerischen Nationalsozialisten vereinigt. Die Leitung lag in den Händen Ludendorffs, dessen Reisen nach Klagenfurt und Wien einer Inspektion der in Österreich getroffenen Vorbereitungen galten. In Wien hat Ludendorff mit den Nationalsozialisten, mit dem völkisch - antisemitischen Kampfausschuß und — wie es heißt — auch mit den Schwarzgelben Legitimisten sowie mit den ukrainischen Nationalisten verhandelt. Der Oberst Bauer, der sich noch in Österreich befindet, überwacht die militärische Ausbildung der österreichischen Freikorps, die nicht selbständig sind, sondern unter dem Befehl Münchens stehen. Es sind in Deutschland und in Österreich Hundertschaften, Kompagnien und Bataillone aufgestellt, Kaders eingerichtet und sogar Reserveformationen gebildet. Das Geld für diese Arbeit kommt teils von den verschiedenen industriellen Scharfmacherverbänden, teils von der französischen Regierung, aus Ungarn, Italien, aus russischen Kreisen und von deutschböhmischen Fabrikanten aus der Tschecho-Slowakei. Der ganze Plan und die Bildung der Organisation war schon seit geraumer Zeit bekannt. Man erwartete schon bei Gelegenheit des nationalsozialistischen Parteitages in München einen Putschversuch, der durch den Ausnahmezustand verhindert wurde. In der Folge zogen die Ludendorff-Agenten Leute in Franken zusammen, denen man angab, es solle eine Armee gegen Frankreich gebildet werden. Dieser bewaffnete Haufen wurde dann auf Einschreiten der bayerischen Sozialdemokraten in der Gegend von Hannover auseinandergetrieben. Die deutsche Regierung war bei dieser Gelegenheit in den Besitz eines umfangreichen Materials gelangt, das noch durch die bei yreazModea tf./anftejf/cuyJifyiatUxei'. ClfierufXtff'rasxe