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Das jüdische Echo · 1923-04-06 · 14 (6.4.1923) · p. Seite 164

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
14 (6.4.1923)
Date
1923-04-06
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 Das Jüdische Echo Nr. 14 sammensetzten, aus denen beim Ausbruch des Putsches sich die Avantgarde der Deutschvölkischen hätte bilden sollen. Diesem Heerbann sollte in ganz Preußen und Bayern aufgeboten werden. Durehmarschpläne für die einzelnen Hundertschaften der deutschvölkischen Garden waren genau festgesetzt und ein konzentrischer Angriff gegen Berlin in allen Einzelheiten aufgezeichnet. Der verhaftete Leutnant Roßbach hat in seinen. Aussagen die deutschvölkische Freiheitspartei belastet. um sich zu entlasten. Es steht jedoch fest, daß zwischen Roßbach und den in Oberschlesien verhafteten Personen eine Verbindung bestanden hat. Roßbach bleibt entgegen anders lautenden Meldungen weiter in Haft. Von den sechsundzwanzig Verhafteten in Berlin ist eine Anzahl nach eingehendem Verhör freigelassen worden. Erklärung des preußischen Innenministers Auf der Tagesordnung der Sitzung vom 23. März des preußischen Landtages stand die Interpellation der Sozialdemokraten über die Selbstschutzorganisationen. Man erwartete allgemein ausführliche Darlegungen des Innenministers Severing über den Putschplan der deutschvölkischen Freiheitspartei. Der Minister erklärte zunächst, daß die preußische Regierung die Selbstschutzorganisationen jeder Art verbiete. Sie würden aufgelöst und die einzelnen Schuldtragenden strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Die Arbeiterorganisationen seien bei weitem nicht so gefährlich wie jene von rechts. Es sei festgestellt worden, daß zahlreiche der nach dem Mord an Rathenau aufgelösten Organisationen und Verbände, die sich militärische und polizeiliche Befugnisse anmaßen, tatsächlich weiter bestünden. Ihr Zweck sei wirtschaftlicher und politischer Terror. Über den Putschplan äußerte sich Severing nur dahin, es gehe aus den Briefen Roßbachs deutlich hervor, daß es sich um die Beseitigung der sozialistischen Minister handelte. Die Organisation Roßbachs habe versucht, alle sogenannten nationalen Verbände in örtliche Kartelle zusammenzuschließen. Bei den Soldaten der Reichswehr sei Roßbach eine Verbindung nicht gelungen, aber mehrere Offiziere hätten sich ihm angeschlossen. Am letzten Samstag seien in Potsdam Offiziere aus dem ganzen Reich bei einer Besprechung gewesen, der Roßbach präsidierte. Es wurde ferner, wie Severing darlegte, festgestellt, daß seit einigen Wochen die innigste organisatorische Gemeinschaft zwischen Henning, Wulle, Gräfe und Roßbach einerseits und Hitler sowie Ludendorff andererseits bestehe. Ludendorff habe auch mit der Organisation Ehrhardt verhandelt, die Verhandlungen seien jedoch gegenüber der alten Jlkademie gescheitert. Weitere Mitteilungen sowie Einzelheiten über den beabsichtigten Rechtsputsch gab Severing nicht, wie amtlich erklärt wird, deshalb, weil noch, Exekutivmaßnahmen im Gange seien und die vom Oberrechtsanwalt Dr. Ebenmeier geführte Untersuchung nicht beeinträchtigt werden dürfe. Das Frankfurter Komplott In Frankfurt befinden sich seit einer Woche fünf Mitglieder des bekannten, angeblich vaterländischen Blücher-Bundes in München in Untersuchungshaft. Es sind dies der Leiter der Frankfurter Kreisstelle des Bundes Alphons Bau, der stellvertretende Leiter Student Eberhardt, der Sekretär des Bundes Hielle. der Kaufmann Metzger und der Kaufmann Rullmann. Hielle und Metzger wandten sich Ende Februar an den französischen Verbindungsoffizier in Frankfurt Kapitän de Pomarede mit dem Vorschlag, sie würden eine Synagoge in die Luft sprengen, um dadurch Unruhen hervorzurufen. Die Franzosen sollten ihnen dafür Kraftwagen, Handgranaten und Geldmittel zur Verfügung stellen. Der Kapitän interessierte sich für den Plan und verwies die Verschwörer nach Höchst am Main, wo sie sich an einen Spezialkommissär namens Robert werden sollten. Sie wurden dort von einem Vertreter Roberts empfangen und später von einem Kapitän Artmann. Mit beiden Franzosen wurde der Plan eingehend besprochen. Als sie jedoch am nächsten Tage nach Mainz kamen, wohin sie bestellt worden waren, fanden sie eine wesentlich kühlere Aufnahme. In der Zwischenzeit dürften die französischen Offiziere von der Festnahme der Münchener Mitglieder und Genossen des Blücher-Bundes Berger, Fuchs und Machhaus Kenntnis erhalten haben und so wurden die Frankfurter Blücher-Leute mit dem Bescheid, ihr Plan sei nur eine Kinderei, wieder nach Hause geschickt. Bau wurde dann in Frankfurt auf Ersuchen der Münchener Polizei unter dem Verdachte, in die Münchener Hochverratsaffäre des Blücher-Bundes verwickelt zu sein, festgenommen und nach München eingeliefert. Der stellvertretende Frankfurter Kreisleiter Eberhardt mußte nun damit rechnen, daß auch der Frankfurter Attentatsplan und die Verhandlungen mit den Franzosen ans Licht kommen würden. Auf den Rat des ihm befreundeten Generalleutnants Heinz erstatteten er und Hielle die Anzeige bei der Polizei, worauf dann die fünf Mitglieder des Bundes in Haft genommen wurden, darunter auch Bau, der in München, weil man ihm nichts nachweisen konnte, wieder freigelassen und nach Frankfurt zurückgesandt worden war. Rullmann behauptet, er habe nur die Franzosen hineinlegen wollen, um ihnen Autos und Handgranaten für den Blücher-Bund abzunehmen. Die anderen Verhafteten verfolgten angeblich den Zweck, ihren Freund Rullmann zu überwachen und ihn an der Ausführung seines Unternehmens rechtzeitig zu hindern. Di© Pläne der Hochverräter Minister Severing hat die jüngst in der Landtagssizung abgegebene Erklärung ausgeführt und die Auflösung der deutschvölkischen Freiheitspartei angeordnet. Der nun veröffentlichte Erlaß begründet die Maßregel damit, daß diese Partei nur als eine verbotene Fortsetzung der wegen der Versammlung am 15. November 1922 verbotenen nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei angesehen werden könne. Das Ziel der Freiheitspartei sei nach den Erklärungen des Parteivorsitzenden von Gräfe auf die Beseitigung des Par-

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