Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 14 (6.4.1923)
- Date
- 1923-04-06
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 14_6. April 1923 10. Jahrgang Hochverrat und Hakenkreuz In den letzten Wochen haben sich die Beweise dafür gehäuft, daß das verbrecherische Treiben der rechtsbolschewistischen Hakenkreuzbanden zu offenem Hochverrat und schwerer Gefährdung der Einheit des deutschen Reiches gediehen ist. Die Verhaftung von Machhaus, Genossen, deren Hintermänner im schützenden Dunkel gehalten wird, das Bekanntwerden des Frankfurter Komplotts warf grelle Schlaglichter auf den verbrecherischen Wahnsinn dieser zu jedem Verbrechen fähigen und bereiten Gesellen und deren „Vaterlandsliebe“. Man müßte meinen, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes vor diesem Abgrund, der sich — nur dem Uneingeweihten überraschend — auftut, schaudert, die rechtsbolschewistischen Führer energisch abschüttelt, um sie in das verdiente Nichts ihrer geistigen Bedeutungslosigkeit zurückversinken zu lassen. Bei der bekannten Haltung der Münchener bürgerlichen Tagespresse, auf die unsere Leser als Informationsquelle angewiesen sind, nimmt es nicht Wunder, daß die weitverzweigten Hochverratspläne, deren Fäden immer wieder nach München zeigen, von den Münchener bürgerlichen Tageszeitungen zur Belanglosigkeit herabgedrückt wurden. Wir halten es deshalb für nötig, unseren Lesern, nachdem nunmehr über die ganze Angelegenheit ein Überblick möglich ist, die wesentlichsten Berichte vorzulegen. Wir bringen dieselben absichtlich größtenteils nach der „Wiener Morgenzeitung“, die dem Kampf der deutschen Parteien völlig objektiv gegenübersteht. Das Auftreten des preußischen Innenministers Severing zeigt die bestandenen und bestehenden Gefahren nicht minder scharf wie der Erlaß des Generals von Seeekt, der sich gegen Versuche nationalsozialistischer Zurücksetzung der Reichswehr wendet. (Siehe Seite 164.) Bayern und vor allem München bieten für die rechtsradikalen Organisationen eine ruhige Entwicklungsstätte, wo sie ihre gefährliche Tätigkeit ungestört entfalten können. Hier macht es gar nichts aus, daß der preußische Ministerrat einstimmig — also bis zum Vertreter der Deutschen Volkspartei — die Aktion Severings gebilligt hat. Es ist sehr bemerkenswert, daß die thüringische Regierung sich genötigt sieht, in einer amtlichen Kundgebung darauf hinzuweisen, daß eine Anzahl nationalsozialistischer Führer sich der Verhaftung durch die Flucht nach Bayern entziehen konnten. Nach alledem ließ man es ruhig geschehen, daß in München mehrere tausend Mann nationalsozialistischer Sturmtrtippler eine Felddienstübung hielten. Es ist nicht entscheidend, daß die mehrfach erwarteten und befürchteten rechtsradikalen Gewalttaten nicht zum Ausbruch gekommen sind, sondern daß die Gefahr solcher Gewalttaten im großen Umfang dauernd fortbesteht und daß bewaffnete Verbände, die gar nicht ihre gewalttätige Aufgabe verheimlichen, in aller Ruhe ihr Treiben fortsetzen können, ist die ungeheure Schuld der bayerischen Regierung, sie ist noch mehr die Schuld der bayerischen Volkspartei, die diese Regierung trägt. Es muß mit aller Deutlichkeit immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die im Lande herrschende Partei die Verantwortung für die Leitung des Staates trägt, gleichgültig, ob die Minister aus ihren Reihen entnommen sind oder nicht. Hoffentlich lassen die Vorstöße des Abgeordneten Held mit Recht darauf schließen, daß sich diese Erkenntnis in der bayerischen Volkspartei durchzusetzen beginnt und zu den entsprechenden Konsequenzen führt. Wir Juden stehen dem rechtsbolschewistischen Treiben besorgt und, wie ohne weiteres zugegeben ist, völlig machtlos gegenüber. Wir können nicht hindern, daß die Judenhetzer ein Bild alles erdenklich Bösen schaffen, es den Juden nennen und damit das deutsche Volk gegen uns aufzuhetzen suchen. Wir können nur immer wieder warnend unsere Stimme erheben und die Verantwortlichen im Staate auf die drohenden Folgen ihrer Duldung der Gesetzlosigkeit und der Verhetzung hinweisen. Ist es schon nicht die Sorge um das selbstverständliche Recht aller Bevölkerungsgruppen auf Sicherheit im Staate, so müßte die Sorge um den Staat selbst nach dem Vorgefallenen die Regierungsmänner und die Führer der bayerischen Volkspartei dazu bringen, endlich energisch Ordnung zu schaffen. Mit belanglosen Redewendungen ist es nicht getan; sollen wir nicht immer schneller dem Chaos zusteuern. Gl. Di© Aufdeckung de© Hochverrats Es sind bereits die Beweise dafür vorhanden, daß die mit den Nationalsozialisten verbundenen Deutschvölkischen ein weitverzweigtes hochverräterisches Komplott inszeniert haben, welches durch das vorsichtige Eingreifen des preußischen Innenministeriums aufgedeckt wurde. Außer in Berlin sind auch in anderen größeren Städten Preußens, so in Erfurt, Halberstadt, Hannover, Kassel, Magdeburg, Merseburg, Minden und Stolp, Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Mitgliedern der deutschvölkischen Freiheitspartei vorgenommen worden, bei den Haussuchungen wurde, wie die amtlichen Mitteilungen besagen, erdrückendes Material gefunden. Die im Anschluß an die Festnahme des Leutnants Roßbach erfolgte Untersuchung in der Hauptgeschäftsstelle der Deutschvölkischen ergab vollständige Beweise dafür, daß in kurzer Frist an einem genau bestimmten Tage die gegenwärtige Reichsregierung und die preußische Regierung gestürzt, die sozialistischen Minister, vor allem der Innenminister Severing, Attentaten zum Opfer fallen, der Reichstag und der preußische Landtag auseinandergejagt, die Weimarer Verfassung aufgehoben und eine nationale Diktatur mit deutschvölkischen und nationalsozialistischen Führern an der Spitze errichtet werden sollte. Der Putsehplan Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, hatten die Deutschvölkischen und die National Sozialisten neben ihren offiziellen Führern noch inoffizielle militärische Führer, fast durchwegs ehemalige Offiziere, welche die Sturmtruppen zu-