Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 13 (30.3.1923)
- Date
- 1923-03-30
- Page
- Seite 155 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 155 Logen, die Union österreichischer Juden, die Allianz Israelite und die jüdischnationalen städtischen Mandatare. Am 14. März hielt der Ausschuß unter dem Vorsitz des Präsidiums der israelischen Kultusgemeinde eine Vollversammlung ab, in der einstimmig die folgende Kundmachung beschlossen wurde: . »Die judenfeindliche Bewegung in Wien und in Österreich hat in der letzten Zeit derartige exzessive Formen angenommen, daß die jüdische Bürgerschaft, die sich in ihrer staatsgrundsetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung gefährdet sieht, zu diesen Vorgängen nicht länger schweigen kann. In aufreizenden Plakaten, Druckschriften und Versammlungen wird die Ehre der jüdischen Bevölkerung herabgesetzt, zu Haß und Gewalttätigkeiten gegen die jüdischen Bürger aufgefordert und die Lehre ihrer Religion durch Erdichtung und Entstellungen schwer verunglimpft. Die Bestrebungen nach Einschränkung der Lehr- und Lernfieiheit zum Schaden de jüdischen Lehrer und Studierenden begegneten an zuständiger Stelle bisher keinem Widerstand. Als Bürger dieses Staates, welche sich treu zu unserer Republik bekennen, Leid und Freud dieser Staatsgemeinschaft teilen und ihre Pflichten gegen die Gesamtheit stets erfüllt haben, verlangen wir. daß die Regierung der zu Feindseligkeiten gegen die jüdische Bevölkerung aufreizenden, die Staatsautorität im Innern und das Ansehen der Republik nach Außen schädigenden Bewegung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln entgegentrete. Die Judenschaft Wiens und Österreichs ist fest entschlossen, jeder Beeinträchtigung ihrer staatsbürgerlichen Gleichberechtigung und der Schmälerung ihrer bürgerlichen und politischen Rechte entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen. In diesem Bestreben fühlt sich die gesamte Judenschaft Wiens und Österreichs, ohne Unterschied ihrer Gesinnung und Parteirichtung, einig. Polen Die Krakauer Universität und der numerus clausus Lemberg. (J.C.B.) Entgegen dem Beschluß . F. medizinischen Fakultät der Krakauer Universität für die Einführung der Prozentnorm für jüdische Studierende haben sich di© Professorenkollegien der juristischen und der philosophischen Fakultät gegen die Prozentnorm ausgesprochen. Die Lemberger Universität und der numerus clausus Lemberg. (J.C.B.) Das Professorenkollegium der juridischen Fakultät der Lemberger Universität hat sich in seiner letzten Sitzung einstimmig für die Einführung der Prozentnorm für jüdische Studierende ausgesprochen. Es wurde beschlossen. das Ergebnis der Sitzung geheim zu halten und den Beschluß, sowie dessen Begründung in einem vertraulichen Schreiben dem Unterrichtsministerium mitzuteilen. Spanien Einstein in Spanien Ehrendoktor der Universität Madrid Wie aus Madrid telegraphiert wird, wurde Professor Albert Einstein am 7. März vom König von Spanien empfangen. Am 8. März erfolgte die feierliche Einkleidung Einsteins zum Ehrendoktor der Universität Madrid. Bei der Zeremonie wurden nach altem Brauch verschiedene Reden gehalten. Auch die deutsche Botschaft gab zu Ehren Einsteins einen Empfangsabend. Rumänien Antisemitische Studentenfront in der Bukowina Czernowitz. (J.C.B.) Hier wurde eine Versammlung der christlichen Studenten aller Nationalitäten abgehalten und die Bildung eines Verbandes aller christlichen Studenten gegen die Juden beschlossen. An den Beratungen nahm auch der Direktor der Czernowitzer Universität, Prof. Betezat, teil. Die Erklärung der nichtrumänischen christlichen Studenten über den Beitritt zu diesem Verbände steht noch aus. Die Deutschen sollen bereits eine Absage geschickt haben. Ungarn Das Martyrium der jüdischen Studentenschaft an der Budapester Preßburg-Universität Unter allen ungarischen Hochschulen haben die jüdischen Hörer der im Gebäude der tierärztlichen Hochschule untergebrachten ehemaligen Preßburger Universität das größte Martyrium auszustehen. Am vergangenen Montag kam es an dieser Hochschule wieder zu Prügeleien. Mehrere jüdische Hörer wurden mit Knütteln und Totschlägern grausam bearbeitet. Zehn jüdische Hochschüler blieben mit schweren Verwundungen auf dem Platze liegen. Die Spezialität der ungarischen Studentenhuligans ist es, ihre jüdischen Kollegen im unbeleuchteten Garten der Schule zu überfallen. Das geschah auch am Montag. Den jüdischen Studenten wurden ihre Bücher und Instrumente geraubt. Trotz der vielfachen Beschwerden der jüdischen Hochschüler hat das Rektorat bis jetzt keine entsprechenden Maßnahmen unternommen. literarisches Echo Der letzte! Bandi der Tagebücher Theodor Herzls erscheint, wie uns der Jüdische Verlag, Berlin NW. 7, mitteilt, Anfang April. Damit liegt das Gesamtwerk abgeschlossen vor. Herzl schildert in diesem Bande insbesondere seine Verhandlungen mit der türkischen Regierung, seinen Empfang durch den Sultan Abdul Hamid und den Großvezir, Verhandlungen mit dem englischen Kolonialminister J os e p h Ch a m b er 1 a i n, dem Staatssekretär des Äußern Lord Landsdowne und dem Vize-König von Ägypten, Lord Crom e r über das englische Angebot der Kolonisation von El Arisch und von Uganda, Unterredungen mit dem russischen Minister des Innern, von P 1 e h w o, dem Finanzminister Grafen Witte und schließlich den Empfang durch König Viktor Emanuel II. von Italien und den Papst in Rom. Der Band bringt vielfach noch unbekannt gebliebene Tatsachen aus der Geschichte der zionistischen Bewegung. Personalia Am 28. März feierte die hochverdiente Oberin des Isr. Schwesternheims und Leiterin der Privatklinik „Isr. Krankenheim“, Melitta Feuchtwan g, den 60. Geburtstag. Weit über den Kreis der jüdischen Gemeinde hinaus wurden der Jubilarin aus diesem Anlaß herzlichste Glückwünsche dargebracht. —