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Das jüdische Echo · 1923-03-30 · 13 (30.3.1923) · p. Seite 153

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
13 (30.3.1923)
Date
1923-03-30
Page
Seite 153 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 153 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21640 Telephon 21641 ELEGANTE PELZE kriegswütiger war, als die anderen auch. Wenn aber etwas geeignet ist, die an der Ruhr geführte Protestaktion zu diskreditieren, dann ist es die unerhörte Steigerung antisemitischer Wutausbrüche gegenüber Menschen, denen man alles eher als schlechten Willen vorwerfen kann, dann sind es Äußerungen, wie die eines Esser, der sich kein Gewissen daraus macht, mit dem Gedanken kaltblütiger Hinschlachtung von 50 000 Menschen auch nur zu spielen. Was sonst zur Begründung unseres Rechtsschutzverlangens gesagt wurde, ist richtig und wird sicherlich seinen Eindruck nicht verfehlen, wenn wir auch selbstverständlich uns Illusionen irgendwelcher Art nicht hingeben dürfen. Dazu bietet auch die letzte Rede des Herrn Ministers Schweyer schwerlich Anlaß. Das verhängnisvolle Wort von den „Idealbewegungen“, das Reichswehrminister Dr. Geßler geprägt hat und das wir bereits in einem früheren Leitartikel als für die Deutsch-völkische Bewegung in keiner Weise zutreffend charakterisiert haben, hat. wie es auch nicht anders zu erwarten war, in der Landtagsrede des Innenministers seinen Widerhall gefunden. So lange man am Ministertisch Menschen, wie die, die sich die Sprengung der Frankfurter Synagoge als Ziel ihres „Idealismus“ gesetzt haben, nicht rücksichtslos als das bezeichnet, was sie sind, als Mord- und Raubgesindel, solange können wir an eine grundlegende Neuorientierung der Politik der Bayerischen Regierung nicht glauben. Wir aber müssen nach wie vor darauf hinweisen, daß die Protestnote des Gemeindeverbandes zwar ein Anfang einer zielbewußten Abwehrpolitik, aber eben nur ein Anfang ist. Es handelt sich für uns. darum, endgültig Schluß zu machen mit jener Phase der gegenseitigen Desavouierung, mit jener Epoche des. „Abrückens“ und eine Politik zu führen, die von dem Bewußtsein von der jüdischen Solidarität erfüllt ist. Es kann dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, daß ein Kampf, wie wir ihn hier in Bayern führen, mit derselben, ja mit noch gesteigerter Intensität in Österreich und in Rumänien, in Polen und seit neuestem auch in Litauen geführt wird, daß gleichzeitig mit der Protestnote des Bayerischen Gemeinde Verbandes eine Protesterklärung der Wiener Judenschaft an die Wiener Behörden erging, die schärfer formuliert, inhaltlich doch das nämliche besagte. Und auf der anderen Seite steht es doch mit fast absoluter Sicherheit fest, daß zum Beispiel die antisemitischen deutschen Verbände, bei denen ja bekanntlich das Geld keine Rolle spielt, mit ausländischen nur allzureichlich gestützt werden, daß eine internationale Lügenpropaganda die Verbreitung antisemitischer Schmähschriften von der Güte der „Weisen von Zion“ in Hunderttausenden von Exemplaren betreibt. daß die Frage der jüdischen Studierenden von den Antisemiten der ganzen Welt heute aufgerollt wird. Sollten wir demgegenüber nicht das Recht haben, eine geschlossene Abwehrfront zu formieren. sollten wir nicht auch verpflichtet sein, bedrängten Juden in der ganzen Welt beizustehen, wie wir von ihnen Beistand erhoffen wollen? Sollen wir die einzige Waffe, die wir besitzen, das Vertrauen auf unser Recht, von dem wir nicht wollen, daß es ein Vor recht, sondern ein gleiches Recht, wie für alle anderen auch, sein soll, unbenützt lassen? Nur eine Antwort kann es auf diese Fragen geben. Eine Antwort, die Theodor Herzl herrlich formuliert hat und die Theodor Herzl allein so auch formulieren durfte, wenn er schrieb: „Der Antisemitismus ist gewachsen, wächst weiter — und ich auch.“ Li-r. Aus der Jüdischen Welt Palästina Die 140 000 Pfund-Spende für den Keren Hajessod Jerusalem. (J. C. B.) Der Jerusalemer J. C. B.-Korrespondent erhält die folgenden Details über die große Spende des Philanthropen Ezechiel Gurdschi' Schern Tow aus Basra (Mesopotamien) zugunsten des Keren Hajessod: Der Wert des gespendeten Vermögens beläuft sich auf insgesamt 140 000 Pfund. Auf Grund der Schenkungsurkunde darf der Besitz des Spenders (Häuser, Gärten. Güter und Kaufhäuser) ewig nicht verkauft werden. Die Einkünfte aus diesen Objekten sollen zum Bau jüdischer Schulen, Spitäler oder Kolonien in Palästina verwendet werden, die den Namen des Spenders tragen sollen. Auch eine Abteilung der Jerusalemer Universität soll aus diesen Mitteln errichtet werden. Nach dem Tode des Spenders, der das 70. Lebensjahr bereits überschritten hat, übergeht das gesamte Vermögen in die Verwaltung des Keren Hajessod. Der Philanthrop hat aber die Verfügung getroffen, daß nötigenfalls schon jetzt ein Teil des Vermögens angegriffen wird, um Anstalten in Palästina zu gründen. Die gerichtlichen Formalitäten, die acht Monate in Anspruch genommen haben, sind nunmehr erledigt, die Zustimmung des Gerichtes liegt bereits vor. Die diesjährigen Einkünfte aus dem Vermögen betrugen 12 000 Pfund. Dieses Einkommen dürfte sich jedoch vergrößern, da der Spender die Rentabilität seiner Güter stets ausbaut. Als Verwalter des Vermögens wurden Dr. Ch. Weizmann und Dr. AHel Ben-Zion bestimmt. Amerika Die Eröffnung der Keren Hajessod-Kampagne in New York New York. (J.C.B.) Das feierliche Diner, das am 13. März im Hotel Astor stattfand und mit welchem die Keren Hajessod-Kampagne in der Stadt New York eröffnet wurde, nahm einen über alles Erwarten erfolgreichen Verlauf. Es waren etwa 1000 Personen anwesend. Die für New York festgesetzte Summe, die schon in der nächsten Zukunft aufzubringen ist, beträgt 2 Millionen Dollar. Die verantwortlichen Leiter der Keren Hajessod-Kampagne berechnen den bisherigen Eingang mit 25 000 «£, wovon 112 000 Dollar während des Diners gezeichnet wurden. Als Vertreter des englischen Botschafters in Amerika Sir Auckla Goddes hielt Mr. Leslie Craigic eine Begrüßungsansprache, Der bekannte Palästinafreund Senator Spencer vertrat die Regierung der Vereinigten Staaten. Auch seine Ansprache zeugte von warmer Sympathie für die

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