Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 12 (23.3.1923)
- Date
- 1923-03-23
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 143 handeln und ausbeuten. 3. Die trennenden Eigenschaften der sog. „Rassen“ sind im wesentlichen durch klimatische, soziale und andere Faktoren der Umwelt entstanden. 4. Es gibt keine an sich minderwertigen Rassen. 5. Es gibt in jeder Rasse einzelne minderwertige Individuen. 6. Die meisten Rassen sind der Umwelt in vollendeter Weise angepaßt. 7. Eine in ihren körperlichen Eigenschaften einheitliche menschliche Gruppe hatte ursprünglich auch eine einheitliche Sprache. Im Laufe der Zeit ist aber durch Wanderungen, durch Völkerverschiebungen aller Art, durch mehr oder weniger friedliche oder gewaltsame Durchdringung, durch Handel und Verkehr das ursprüngliche Verhältnis fast überall verschwunden, sodaß jetzt eine Deckung von Rasse und Sprache nur in ganz seltenen Ausnahmefällen besteht. 8. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Rassen ist, besonders was die moralischen Eigenschaften und die Intelligenz angeht, nicht entfernt so groß als der zwischen einzelnen Individuen ein und derselben Rasse. 9. Mischlinge sind (genau wie etwa die unehelichen Kinder) niemals a priori minderwertig; sie werden es nur, wenn ihre Eltern individuell minderwertig sind. 10. Die menschliche Gesellschaft hätte es in der .Hand, sich vor minderwertigen, d. h. asozialen oder antisozialen Elementen dauernd zu schützen und zugleich ihre Anzahl wesentlich herabzusetzen. Im ganzen Aufbau des Werkes nimmt naturgemäß die Betrachtung der Juden einen verhältnismäßig kleinen Teil ein. Dennoch ist die anthropologische Einordnung der Juden, die als orientalischer Typus erkannt werden, mit der außerordentlichen Gründlichkeit des Autors vorgenommen worden, die siich auch hier auf eine hohe Beobachtungsziffer (1222 Individuen) stützt. Die ganz besonders große Variationsbreite wird festgestellt und daraus, wie aus der tatsächlichen großen Verschiedenheit des Gesicihtstypus und der sonstigen Körpererscheinung, der Schluß gezogen, daß die Juden eine Mischrasse darstellen. Dabei wird aber wohl zu wenig in Betracht gezogen, daß die Kopfindexziffern immerhin zwei Höhepunkte (auffallend kurze und daneben sehr lange Schädelformen) aufweist und daß die unbestreitbare Spannung zwischen sehr großen und sehr kleinen Juden in verschiedenen Ländern Hand in Hand geht mit den allgemeinen Unterschieden zwischen den Körpergrößen in diesen Ländern und daß dennoch ein gewisser Minderwuchs gegenüber den Höchst- und Durchschnittsmaßen dieser Länder besteht. Auch auf die Frage der sogenannten „Mittelmeer.-Rasse“, der inneren Verwandtschaft und Durchmischung der Völker am Mittelmeer wird nicht eingegangen und der Unterschied der Juden gegenüber den sonstigen vorderasiatischen Völkern zu wenig beachtet. Wenn auch die Tatsache nicht zu leugnen sein wird, daß die Juden keine „reine Rasse“ darstellen (unter den Kulturvölkern gibt es wohl keine solche), so ist doch nicht zu verkennen, daß seit der Konsolidierung der jüdischen Masse — wie sie schon in den alten ägyptischen Darstellungen uns entgegentritt — eine wesentliche Beeinflussung dieses jüdischen oder (nach Luschan) orientalischen Typs von außen nicht nachweisbar ist. Somit erscheint uns der jüdische Rassetyp doch zu bestehen', nicht von Anbeginn, aber durch Rassenmischung und Selektion in geschichtlicher Zeit. Das Buch hat aber jedenfalls in unserer, durch unwissenschaftliche Darstellung seitens Unberufener verwirrten Anschauung zur Klärung beigetragen und kann nur Nutzen stiften durch seine ganz einwandfrei unparteiische Behandlung dieses eminent wichtigen Fragenkomplexes. Durch die in Druck und Ausstattung hervorragende äußere Gestaltung wird das Werk jedem Leser Freude bereiten. Theo Harburger. Personalia Am Montag, den 19. März 1923 morgens 8 Uhr entschlief im 61. Lebensjahre unser treuer Mitarbeiter Herr Tobias Reich. Der Verstorbene war einer der tätigsten Mitglieder der ostjüdischen Gemeinde Münchens. Trotzdem er einem umfangreichen bedeutendem Geschäfte nachzukommen hatte, widmete er sich mit ganzer Kraft seinen Brüdern. Es ist daher nicht verwunderlich, daß er in zahlreichen Vereinen als Ausschuß-Mitglied und vielfach als 1. Vorsitzender gewählt wurde. Unter anderem gehörte er der Finanzkommission des ostjüdischen Vereins an. Ihm ist es vor allem zu verdanken, d'iaß dieser Ausschuß in der Unterstützung notleidender Brüder eine so ersprießliche Tätigkeit entfalten konnte. — Herr Tobias Reich machte sich auch verdient um die Ausgestaltung des Schiedsgerichtsverfahrens beim Gesamt-Ausschuß der Ostjuden. Unermüdlich war er bestrebt, Gegensätze auszugleichen, Schärfen zu vermindern und Streitigkeiten zu schlichten, bevor sie ans ordentliche Gericht gingen. Es ist vor allem hervorzuheben, daß er auch während seiner Krankheit seiner ersprießlichen Tätigkeit, seinen Brüdern zu helfen, nachging. Seit 25 Jahren gehörte er u. a. dem Verein Linath-Hazedek an, und wurde wiederholt zum 1. Vorsitzenden dieses Vereins gewählt. Alle unsere Freunde und Bekannten wissen, wieviel .ihm insbesondere dieser Verein zu danken hat. — Es seTfilir erwähnt, daß .er an hervorragender Stelle mitwirkteT die 'Vereine Linath- Hazedek und Agudas Achim zu vereiniget. — Seinem finanziellen Weitblick, seinem kaufmännischen Verständnis ist es zu danken, daß an die Stelle eines kleinen ungesunden Betlokals ein großer modern eingerichteter Betsaal im eigenen Hause errichtet werden konnte. — Er war auch ein außerordentlich fähiger tüchtiger Kaufmann und hat sich durch seinen lauteren geraden Charakter, sein offenes gewinnendes Benehmen, seine Herzensgüte und durch seine strenge Rechtlichkeit überall Freunde gewonnen. Mit Recht können wir von ihm behaupten, er war ein Mensch, edel, hilfreich und gut. Wir werden ihm immer ein unvergängliches Andenken bewahren. G e s a m t a u s s c h u ß der Ostjuden, Linath Hazedek, Agudas Achim, Bikur Cholim Gemeindenu. Vereins-Echo Das Münchener Palästina-Amt teilt mit, daß Mittwoch, den 14. März eine Gruppe von 55 Palästinafahrern München passierte, darunter befanden sich meistenteils Chaluzim aus Litauen und Deutschland, auch zionistische Persönlichkeiten, u. a. der Schriftsteller Kawnitzki. Sie wurden am Bahnhof in Empfang genommen, erfrischt, einquartiert und verpflegt. Anschließend an das Abendessen in der Restauration Weiß wurde ein Begrüßungsabend veranstaltet, zu welchem viele Freunde und Nichtzionisten sich einfanden. Von seiten der Palästinafahrer wurden nach der Begrüßung warme Dankreden für die freundliche Aufnahme gehalten; besonders stark war dort die jüdische Jugend vertreten und hat zur Verschönerung des Abends durch Singen von hebräischen und sonstigen Liedern beigetragen. Donnerstag früh fand sich am Bahnhof zum Abschied ein großer Freundeskreis ein; die Gruppe fuhr unter