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Das jüdische Echo · 1923-03-23 · 12 (23.3.1923) · p. Seite 142

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
12 (23.3.1923)
Date
1923-03-23
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
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142 Das Jüdische Echo Nr. 12 fehlen jene jungen Völker, die das Erbe der Antike übernahmen. Warum das Russentum nicht der Erbe sein kann, was Spengler früher angedeutet; hat, kann hier nicht erörtert werden. Die Analogien haben ihre Grenzen, sie setzen gleiche Situationen voraus. Aber tatsächlich ist die politische und kulturelle Situation eine im Grunde andere, als zur Zeit des Ausgangs der Antike, auch wenn die Einschätzung der Entwicklungsstufe der abendländischen Kultur bei Spengler als durchaus richtig erachtet werden muß. Nicht anders liegt es bezüglich des Judentums. Auch hier läßt eben die besondere äußere und innere Situation keine Analogie, so plausibel sie auch erscheinen mag, zu. Es gibt eben nicht nur eine Notwendigkeit des Sterbens (die gibt es), sondern auch eine Notwendigkeit des Lebens und es fragt sich, welche stärker ist. Dies bestimmt aber nicht der Philosoph, sondern das Leben. Auch das Abendland gedenkt nicht unterzugehen und so Lange es Lebenskraft und aus seiner Seele neue Gestaltungen schafft, wird auch der verschiedene Takt der zwei Daseinsströme „Abendland und Judentum“ mit seiner unerträglichen Dissonanz weiterbestehen und wird das Judentum seine metaphysische Verteidigungsstellung gegen das Abendland behalten und in ihr zum eigenen Typus streben müssen. Aber auch wenn das Abendland unterginge, ist nicht die innere Notwendigkeit des Unterganges des Judentums damit gegeben. Eine der Quellen der zionistischen Bewegung ist ja gerade, daß sich der europäische Jude in einem kulturell sinkenden Schiffe fühlt und daß sich das Lebens- und Kulturenkräftige in ihm retten will auf den Boden, der in der Not neu entdeckt wurde, auf den Boden des jüdischen Menschtums. Und dann aller Philosophie zum Trotz, sind wir uns eben tief bewußt, daß wir noch nicht sterben dürfen, auch wenn uns schon viele vor Spengler totgesagt haben, daß unser Schicksal noch nicht erfüllt ist. Das metaphysische Schicksal, von dem Spengler so gerne als der treibenden Kraft in der Entwicklung der verschiedenen Kulturen spricht, treibt uns eben zum Einsatz aller unserer Kräfte für eine Wiedergeburt des Judentums, treibt uns zurück in unsere Urheimat, wo auch nach der Spenglerschen Logik allein eine Rettung vor dem Untergang möglich sein könnte. Lebt das Abendland weiter zu neuer anderer kultureller Entfaltung, so müssen im Sinne Spenglers notwendigerweise auch wir Juden in irgend einer uns spezifischen Lebensform weiterleben. Ihre Gestaltung muß die Sache der jüdischen Menschen sein, daß sie nur als Erneuerung für uns einen Sinn haben kann und nur in Palästina möglich ist. ist für uns Zionisten klar, wenn aber das Abendland untergeht, so haben wir gewiß das Recht und die Pflicht, uns zu retten und den Versuch zu machen, unsere Kulturkräfte noch in Werte für uns und die Menschheit umzusetzen. Im untergehenden Abendlande wäre dies nicht möglich, sondern nur in Erez Israel. Max Buchmann. literarisches Echo Völker, Rassen, Sprachen von Felix von L u - schan. Welt-Verlag, Berlin, 1912. VIII und 192 S. mit 16 Tafeln und zahlreichen Textabbildungen. Gr. 8°. Die heute vorherrschende Form des Antisemitismus sucht ihre Begründung aus der „rassenmäßig“ bedingten angeblichen Minderwertigkeit der Juden herzuleiten. Alle Überheblichkeit, jede darüber hinausgehende Mißachtung und offene Ungerechtigkeit soll durch einen Rassebegriff verständlich gemacht werden, dessen Urheber Dilettanten auf dem Gebiete der Anthropologie und ihrer Hilfswissenschaften waren. Graf Gobineau und H. St. Ghamberlain haben mit ihren scheinwissenschaftlichen Werken — besonders der letztere durch die in riesigen Auflagen verbreiteten „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts“ — die Arroganz auf diesem Gebiete besonders gefördert. Wie schwierig aber gerade hier für den Forscher ein unbeeinflußtes Urteil zu fällen ist, zeigt die soeben erschienene handliche Schrift des jetzt wohl bedeutendsten deutschen Völkerkundigen. Felix von Luschan unterzieht in seinem knappen Abriß den Gesamtkomplex der wissenschaftlichen Frage nach der Herkunft des Menschen einer umfassenden Untersuchung. Nicht nur die Hauptrassen aller Weltteile werden an Hand von instruktiven Abbildungen beschrieben, gerade durch Eingehen auf besonders günstige Einzelfälle wird der Rassebegriff zu erläutern gesucht. Die Frage der Abstammung, der Erhaltungstreue und der Vererbung in Verbindung mit BJutmischung wird überall einer gründlichen Betrachtung unterzogen. Besonders eingehend wird Vorderasien und Europa dargestellt, wodurch dem Verlangen der Gebildeten, über die wichtigsten Zusammenhänge Aufklärung zu gewinnen, in positiver Form entsprochen wird. Die aus langjähriger unvoreingenommener Beobachtung an lebendem wie totem Material gewonnene Erkenntnis bringt Luschan schließlich zu folgenden Sätzen: 1. Die gesamte Menschheit besteht nur aus einer einzigen Spezies: Homo sapiens. 2. Es gibt keine „wilden“ Völker, es gibt nur Völker mit einer anderen Kultur als die unsere; aber es gibt einzelne „weiße Wilde“, rohe, ungebildete und an Tropenkoller leidende Europäer, die sich keine Mühe geben, die Eingeborenen kennen zu lernen, unter ihnen wie Wilde hausen und sie in der denkbar grausamsten Weise miß- 1 > POBZELLM-NEBDEBLifiB MÜNCHEN THEA TI N E R STR A SSE *) ftpenübtr dtr FeldherrnhaHt «BASSTE AUSWAHL 1H «EBRAVCHSrHBZELLAH TÄGLICHE LAHEBEHGÄHZ1J1I «

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