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Das jüdische Echo · 1923-03-16 · 11 (16.3.1923) · p. Seite 131

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
11 (16.3.1923)
Date
1923-03-16
Page
Seite 131 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 131 Eine Abfuhr durch Sir Herbert Samuel Jerusalem. (J.P.Z.) Der „Schomer Schabbos“-Verein hat sich au Sir Herbert Samuel mit der Bitte gewandt, gegen die öffentliche Entweihung des Sabbaths (wie Fahren, Rauchen, Kochen in Arbeiterinstitutionen usw.) einzuschreiten. Die Eingabe stützt sich auf das frühere türkische Gesetz (!), welches den Muslimen den öffentlichen Genuß von Speisen und Getränken im Fastmonat Ramadan unter Strafe verbietet. Die Eingabe ist von 4000 Familienhäuptern unterzeichnet. Der Oberkommissar hat auf die Eingabe erwidert, daß die Forderung nach strenger Einhaltung der Sabbathruhe in einer Stadt wie Jerusalem moralisch berechtigt sei. Er selbst halte mit seiner Familie und seinen jüdischen Beamten die Sabbathruhe ein, sehe aber für die Erlassung einer Strafbestimmung keinen Grund. Es empfehle sich, in religiösen Dingen durch moralische, nicht aber durch gesetzliche Mittel zu wirken. Die orthodox-jüdische Presse ist von der Antwort des Oberkommissars nicht befriedigt. — Wenn die orthodoxe Presse in Jerusalem auch nicht bekehrt ist, die Abfuhr war jedenfalls verdient. Das frühere türkische Gesetz, auf das sich diese Herren berufen, kann höchstens eine Sabbathruhe ä la Bußtag erzwingen, an welchem Tage bekanntlich! unter dem alten Regime in Deutschland der Alkoholkonsum bedeutend stieg, weil Theatervorstellungen, nicht nur Lustbarkeiten, verboten waren. Polen Die1 Flüchtlingshölle Lemberg. Von der Grenze bei Husiatyn sind Nachrichten angelangt, die das Elend der ausgewiesenen russischen Flüchtlinge in den krassesten Farben schildern. Die Ausgewiesenen werden von polnischen Patrouillen an die Grenze gebracht, wo ihnen bedeutet wird, daß sie nur gegen die russische Grenze marschieren müssen. Die russischen Grenzwachen jedoch weigern sich, die Heimkehrer nach Rußland zu lassen und berufen sich auf ihre Befehle. In mehreren Fällen wurden die Flüchtlinge von den russischen Grenzwachen mit Maschinengewehrfeuer empfangen. Die Flüchtlinge, die unter solchen1 Umständen weder nach vorn noch rückwärts können, befinden sich in einer ' geradezu katastrophalen Situation und sind gezwungen, im größten Frost tagelang auf offenem Felde zu bleiben. Nur in Ausnahmefällen gelingt es Einzelnen, schwächer bewachte Grenzpunkte zu überschreiten. So sind Tausende jüdischer Flüchtlinge, darunter Greise, Kinder und Kranke, der nackten Todesgefahr aufgesetzt. Judenausweisungen Warschau. Wie die Blätter melden, hat Innenminister Kamienski unlängst angeordnet, daß alle seit dem 12. Oktober 1920 aus Sowjetrußland nach Polen eingewanderten Juden, die keine polnische Heimatberechtigung genießen, mit dem 1. März d. J. aus Polen auszuweisen seien. Die jüdischen Volksvertreter in Polen haben gegen diese Anordnung entschiedenen Einspruch erhoben und es ist ihnen gelungen, vom Ministerpräsidenten Sikorski das Zugeständnis zu erhalten, daß die Ausweisungsfrist bis zum 1. Iuli d. J. verlängert wird und daß die Ausweisung nur noch die jüdische Zuwanderung seit dem 1. Mai betrifft. — Es zeigt sich eben immer mehr, daß das Ostjudenproblem nur international geregelt werden kann, nicht durch Polizeimaßnahmen einzelner Länder. 100 000 Dollar für Häu^erbau in Polen Wie J.C.B. meldet, hat die europäische Joint- Zentrale aus New York 100 000 Dollar zum Wiederaufbau zerstörter jüdischer Häuser in Polen erhalten. Auch de Ica hat eine Million Franken für diese Zwecke beigetragen. Im Monat April wird man an den Wiederaufbau von 5000 jüdischen Häusern in Polen schreiten können. Litauen Der neue jüdische Minister für Litauen Kowno. (J.C.B.- Das neue litauische Kabinett hat sich bereits konstituiert. Premierminister ist Galwanowski. Zum Minister für jüdische Angelegenheiten ist. trotz aller Proteste der jüdischen Körperschaften und aller Kreise der Bevölkerung, das Mitglied des Kreisgerichts Bernhard Friedmann ernannt worden. Wie dem Kownoer J.C.B.- Vertreter soeben mitgeteilt wird, haben aus Anlaß der Ernennung Friedmanns zum Minister sämtliche Angestellte des jüdischen Ministeriums, auch diejenigen, die keine verantwortlichen Stellen innehaben. ihre Posten niedergelegt. Die jüdischen Gemeinden in Kowno, Mariampol und Schaulen haben scharfe Proteste gegen die Ernennung Friedmanns zum jüdischen Minister erhoben und diese Maßnahme als einen Schlag ins Gesicht der jüdischen Gesellschaft in Litauen bezeichnet. Über die Persönlichkeit Friedmanns ist bekannt, daß er nie Beziehungen zur jüdischen Gesellschaft gesucht hat. In jüdischen Kreisen erinnert man sich, daß Friedmann in der Zarenzeit sich guter Beziehungen zu mehreren Gouverneuren und sogar zum gewesenen Innenminister Plehwe und zur Zarinwitwe Maria Feodorowna zu rühmen pflegte. Amerika Der Gouverneur von Jerusalem beim Präsidenten Harding Washington. (J.C.B.) Der jetzt in Amerika weilende Gouverneur von Jerusalem, Sir Ronald Storrs, stattete dem Präsidenten Harding im Weißen Haus einen Besuch ab. Sir Storrs informierte den Präsidenten über die Tätigkeit und die Ziele der Pro-Jerusalem-Gesellschaft. sowie über andere Palästina-Angelegenheiten, die den Präsidenten interessiert haben. Das Gespräch dauerte über eine halbe Stunde. Daraufhin war der Gouverneur bei1 dem als Zionistenfreund bekannten Senator Curtiß zu Mittag geladen. Am Tage darauf gab der englische Botschafter in Washington zu Ehren Sir Ronald Störs ein Diner, welchem Richter Louis D. Brandeis, der rumännische Gesandte Prinz Bibascu und Gemahlin (bekanntlich eine Tochter des früheren englischen Premiers Asquith) sowie andere Persönlichkeiten des diplomatischen Korps und der jüdischen Öffentlichkeit beiwohnten. Gouverneur Storrs wird nun für einige Zeit Gast des Herrn Nathan Strauß in dessen unweit New York gelegenem Winterhause sein. Weizmanns Reise nach Amerika Wie aus London gemeldet wird, begab sich der Präsident der Zionistischen Organisation, Prof. Dr. Weizmann, auf Einladung der amerikanischen zionistischen Organisation am 23. Februar nach Amerika. Prof. Weizmann wird dort hauptsächlich für den Keren Hajessod tätig sein. Deutschland Jud^n und Judenfeinde im Ruhrgebiet Essen. In einer großen Rheinstadt versuchten französische Kreise mit den dortigen Juden

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