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Das jüdische Echo · 1923-03-16 · 11 (16.3.1923) · p. Seite 129

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
11 (16.3.1923)
Date
1923-03-16
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 129 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21641 ELEGANTE PELZE ungestörten Verlauf der Vorlesungen möglich gemacht hat, beschlossen, die Laboratorien und Kliniken der medizinischen Fakultät am 5. März provisorisch zu eröffnen. Von dem Verhalten der Studentenschaft wird es nun abhängen, ob diesem Versuche die Wiederaufnahme aller Vorlesungen oder die Schließung der Universität für d,as ganze laufende Studienjahr folgen wird. Aus diesem Anlaß erließ der Universitätssenat einen Aufruf an die Hochschüler, in welchem er zunächst feststellt, daß die antisemitische Bewegung von den Feinden des rumänischen Volkes in die Kreise der Jugend hmeingetragen wurde, um auf diesem Wege in Rumänien Ruhestörungen größeren Stils hervorzurufen. „Der Senat ist bereit, die Universität für sämtliche Hörer, ohne Unterschied der Rasse und der Konfession, wieder zu eröffnen. Die in schlechtem Latein Numerus clausus getaufte Bewegung stehe der Seele des rumänischen Volkes ebenso ferne, wie den Traditionen der Universitäten aller gebildeten Völker. Der Numerus clausus ist aus Budapest über die Grenze geschmuggelt worden, wo der gewesene ungarische Unterriehtsminiister Stephan Haller im September 1920 ein gleichnamiges Gesetz geschaffen hat. An einer Universität, die sich ihrer Würde und ihrer k u 11 u r e 1 len Mission bewußt ist, gibt es keinen Numerus clausus. Sollte ein Teil der Studenten die Vorlesungen an der Universität dennoch weiter stören, so würde die Universität für dieses Jahr endgültig geschlossen werden. Der Aufruf des Senates schließt mit den Worten: „Die Universitäten dürfen nicht zu Brutstätten des Hasses werden, sie müssen wie in der Vergangenheit auch in der Zukunft die Brennpunkte der Annähe, ungshestrebungen zwischen den Völkern und des Fortschritts der Wissenschaft sein, wenn sie ihre Existenz rechtfertigen wollen.“ literarisches Echo „Der Jude“ Eine Monatsschrift, herausgegeben von Dr. Martin Buber im Jüdischen Verlag, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 35. Das 2. Heft des VII. Jahrgangs ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Paul Amann, Die Lebensprobe (Zur Kritik der politischen Einsicht des nationalbewußten Judentums in Deutschland); Oskar Karbach, Das Oktroy der jüdischen Emanzipation (Aus „Theorie der jüdischen Assimilation“); David Koigen, Auszug; Hermann Weil, Perez, (Aus einem zur siebenten Wiederkehr seines Todestages gehaltencvi Vortrages); Franz Rosenzweig, An Zion (Übersetzung der Klage des Jehuda Halevi zum neunten Ab). Bemerkungen: Simon Ernst, Elieser Ben Jehuda; Robert Weiß, Die Eigenarbeit als ökonomische Notwendigkeit der palästinensischen Wirtschaft. Umschau: Siegmund Kaznelson, Rückblicke; Arjeh Tartakower. Die palästinensische Genossenschaft und ihre gesetzliche Regelung; Richard Koch. Das freie jüdische Lehrhaus in Frankfurt a. M.; Samuel Rappaport, Eine neue hebräische Anthologie. Abonnementspreis pro Quartal: Deutschland 2000 Mark. Aus der jüdischen Welt Palästina Ein paar kurze Notizen übe/r die Jüdische Nationalbibliothek Während es in Berlin außer Tausenden von Privatbibliotheken allein rund hundert öffentliche Bibliotheken zum Gebrauche des Publikums und bestimmter Kreise gibt, hat das neue jüdische Palästina nur die Anfänge der „National- und Universitäts-Bibliothek“ in Jerusalem und. die noch viel kleineren der Jaffaer Bibliothek „Schaar Zion“ in Tel-Awiw. Außerdem entsteht in Berlin der erste Ansatz zu einer Bibliothek des Technikums in Haifa aus der Joseph-Hirsch-Stiftung. Die nächste Aufgabe ist es. erstlich der Wolffsohn- Stiftung durch große Spenden möglich zu machen, den Baugrund zu erwerben, auf dem sie mit ihrem eigenen Kapital das David Wolffsohn-Haus für die Bibliothek errichten will. Dann muß die Berliner Hauptsammelstelle der Bibliothek möglichst viele Bücher geschenkt bekommen und durch Gewährung von reichlichen Geldbeiträgen in die Lage versetzt sein, planmäßig Bücher und Materialien für die Bibliotheken, insbesondere die National- Bibliothek, zu erwerben, endlich muß dafür Sorge getragen werden, daß das Budget der Bibliothek regelmäßig gesichert wird. Die unendliche Wichtigkeit des Bibliothekwesens ist von den zionistischen Behörden immer wieder betont worden. Zuletzt von dem XII. Kongresse und dem letzten Delegiertentage. Aber von Seiten der zionistischen Landsmannschaft in Deutschland ist recht wenig getan worden. Wir verweisen nur kurz auf diese Beschlüsse: Beschluß des XII. Zionistenkongresses zu Karlsbad Der XII. Zionistenkongreß macht die systematische Förderung des gesamten jüdischen Bibliothekwesens in Erez-Israel der Leitung zur Pflicht. Er erblickt in der Gründung, der Förderung und dem Ausbau der Bibliotheken ein wichtiges Erfordernis auch des materiellen Ausbaus des jüdischen Palästinas. Er erwartet, daß an dieser allgemeinen, kulturellen, nationalen und jüdischen Sache jeder Jude ohne Unterschied von Partei und Anschauung nach besten Kräften mitarbeitet. Jeder Zionist soll verpflichtet sein, nach Maßgabe seines Könnens Bücher und Geldmittel beizusteuern. Die Landsmannschaften sollen gehalten sein, Landes-, Bezirks- und Ortskomitees dem Bedürfnisse entsprechend für die Palästinabibliotheken einzurichten. Der Delegiertentag der Deutschen Zionisten zu Cassel faßte folgende einstimmige Resolution: Der Delegiertentag erklärt die Arbeit für das jüdische Bibliothekwesen in Palästina als überaus bedeutsam für den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas. Es wird jedem deutschen Zionisten zur Pflicht gemacht, an diesem Kulturwerk ideell und materiell mizuarbeiten und Prof. Heinr. Loewe in seiner aufopferungsvollen und umfassenden Tätigkeit zu unterstützen. Der Delegiertentag drückt die Hoffnung aus, daß Heinrich Loewe in leitender Stellung alsbald in Palästina selbst seine Arbeit aufnehmen wird.

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