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Das jüdische Echo · 1923-03-02 · 9 (2.3.1923) · p. Seite 106

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
9 (2.3.1923)
Date
1923-03-02
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
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106 Das Jüdische Echo Nr. 9 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE feierlichen Empfangsabend. Für Sonntag nachmittag wurde durch das Empfangskomitee eine Konferenz einberufen, auf welcher Sokolow ein großes Referat über die Lage des jüdischen Volkes in Palästina und in den Golus-Ländern hielt. An der Konferenz beteiligten sich die Vertreter sämtlicher jüdischen Gemeinden und Zentralinstitutionen in Polen. (J. C. B.) Deutschland Keren Hajessod unter Ostjuden Zusammen mit der verstärkten Keren Hajessod- Arbeit unter den Zionisten hat in Deutschland eine Aktion eingesetzt, die bisher stark vernachlässigt wurde. Es handelt sich um die Erfassung ostjüdischer Kreise für den Keren Hajessod. die speziell in Berlin bisher niemals geglückt war. Der Grund hierfür war der Mangel an geeigneten Persönlichkeiten, die imstande waren, diese Arbeit in der richtigen Weise durchzuführen. Seit einigen Wochen hat die Keren Hajessod-Zentrale Herrn Dr. Helfm a n n mit der Arbeit unter den ostjüdischen Kreisen in Deutschland betraut, und es kann gesagt werden, daß es Herrn Dr. Helfmann schon in kurzer Zeit gelungen ist. Erfolge zu erzielen, d i e die bisherigen Ergebnisse unter den deutschen Juden weit übertreffen. Er wurde hierbei von einer Anzahl Herren unterstützt. und es gelang ihm auch, in allen Städten, wo er im Aufträge der Keren Hajessod-Zentrale die Arbeit in ostjüdischen Kreisen organisierte, Herren zu finden, die die Arbeit in den Orten weiterführen. Es kann nicht genug betont werden, daß die Arbeit unter den Ostjuden für die Gesamtergebnisse des Keren Hajessod von außerordentlicher Bedeutung ist da es sich zeigt, daß die ostjüdischen Kreise gewillt sind, tatsächlich ansehnliche Beträge für Palästina herzugeben. England Die zionistische Exekutive an dte englische Regierung London. (J. C. B.) Bekanntlich hat das Aktionskomitee der zionistischen Organisation während seiner letzten Berliner Session eine Resolution angenommen, die den Beschluß der zionistischen Exekutive, eine Reihe politischer Forderungen an die englische Regierung zu richten, und besonders die vom Waad leumi in Palästina formulierten Ansprüche zu unterstützen, gebilligt. Das J. C. B. erfährt nun aus offizieller zionistischer Quelle, daß Schritte zur Verwirklichung dieser Resolution bereits unternommen worden sind. Diese Schritte betreffen die Fragen der Immigration, die Freigabe von Staatsgrund für Neukolonisation, den Wechsel des administrativen Personals, die rechtliche Position des Waad leumi usw. Die Exekutive betrachtet diese politische Aktion als eine Aufgabe, die von ihrer Seite ein systematisches und methodisches Vorgehen erfordert. Das J. C. B. erfährt ferner, daß in Übereinstimmung mit den Erklärungen, die der Präsident der zionistischen Organisation1: vor seiner Reise aus Palästina abgegeben hat, für die nächste Zukunft eine Besserung in der Immigrationsangelegenheit zu erwarten ist. TSchecho-Slow akei Steinherz — zurückgetreten Prag. (Telegr. der „Wiener Morgenzeitung“.) Rektor Dr. Steinherz hat sein Amt niedergelegt Er erklärt, er könne nunmehr auf sein Amt verzichten, nachdem der liberale Gedanke über den reaktionären gesiegt habe. Jetzt, da sich die Antisemiten mit der Tatsache eines liberalen Rektors abfinden mußten, trete er zurück. Wenn Steinherz vor Ablauf seiner Amtstätigkeit die Rektorswürde aufgibt so liegt allerdings der wahre Grund in den Sabotageakten einzelner seiner Amtskollegen. Als nächste Anwärter auf die Rektorswürde kommen drei Professoren in Betracht die Juden oder „Judenstämmlinge“ sind. Die neue Rektorswahl dürfte infolgedessen den arischen Professoren einige Schwierigkeiten bereiten. (Gegen den jüdischen Rektor Steinherz hatte sich bekanntlich in letzter Zeit die Agitation der antisemitischen Studentenschaft in besonders unflätiger Weise gerichtet D.Red.) Rumänien Energisches Einschreiten gegen die antisemitische Studentenschaft Abermalige Schließung der Hochschulen Bukarest. (J. C. B.) Der Ausschuß der rumänischen Universitäten hat beschlossen, als Antwort auf die erneuten antisemitischen Ausschreitungen der rumänischen Studenten alle Fakultäten der rumänischen Hochschulen und Universitäten sowie die Studentenheime auf ein Jahr zu schließen. Die Abhaltung der laufenden Prüfungen wird bis 1924 unterbrochen. Aufhebung studentischer Privilegien Bukarest. (J. C. B.) Der Minsiter für Volksbildung hat alle den Hochschulstudenten auf den Eisenbahnen, Straßenbahnen und in den Theatern gewährten Privilegien zurückgezogen. Das Organ der Studentenvereinigung „Cuventul“ ist verboten worden. Gerichtliche Verfolgung der Urheber Bukarest. (J. C. B.) Der Oberstaatsanwalt Petrescu hat ein gerichtliches Verfahren gegen sechs Studenten aus Professor Cuzas nächster Umgebung eingeleitet, denen eine direkte Beteiligung an den Ausschreitungen nachgewiesen wurde. Ferner wurde ein gerichtliches Verfahren gegen vier Studenten wegen Anstiftung zu Unruhen eingeleitet. Die drei jüdischen Studenten, die deswegen verhaftet wurden, weil sie die jüdischen Kaufleute aufgefordert haben, zum Zeichen des Protestes gegen die Ausschreitungen ihre Geschäfte zu schließen, sind aus der Haft entlassen worden.

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