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Das jüdische Echo · 1923-03-02 · 9 (2.3.1923) · p. Seite 104

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
9 (2.3.1923)
Date
1923-03-02
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 Das Jüdische Echo Nr. 9- Er gab den österreichischen Ministerpräsidenten Badeni und Körber Ratschläge über die verfahrene österreichische Nationaliätenpolitik, die sich nachher als richtig herausstellte, nachdem sie von den Beratenen kurzsiehtigerweise nicht befolgt worden waren. Diese politische Beratung diente ihm wieder zur Erlangung engerer Beziehungen zur österreichischen Regierung, die ihm gerne zur Herausgabe einer selbständigen politischen Zeitung verholfen hätte; es war nicht ihre Schuld, daß die Verhandlungen darüber beide Male scheiterten. Was hier geschildert wurde, waren die Faktoren, die Herzl beim Kampfe für seine Idee ins Feld führen konnte. Diesen Kampf hatte er gewissermaßen nach zwei Fronten zu führen: er hatte das jüdische Volk für seine Auffassung von der jüdischen Zukunft zu gewinnen, und er hatte andererseits die Regierungen dazu zu bewegen, dem hinter ihm stehenden jüdische!^ Volk Palästina zu geben. Die ungeheure Schwierigkeit, ja beinahe Unmöglichkeit einer erfolgreichen Arbeit bestand darin, daß das eine Ziel nicht erreicht werden konnte, bevor das andere erreicht war. Das jüdische Volk, und darin besonders wieder die Mächtigen und Reichen, wollten ihm meistens überhaupt nicht oder doch nur dann folgen, wenn von Seiten der Regierungen, besonders der türkischen, eine definitive Zusage^ vorläge. Und die Regierungen standen ihm wiederum mißtrauisch oder ablehnend gegenüber, solange er ihnen nicht nachweisen konnte, daß wirklich das jüdische Volk mit seiner Finanzkraft ihn stütze. Diesen Widerspruch auszugleichen, beide Erfolge zusammen zu erzielen, hat er seine Kraft aufs Äußerste angespannt und mit nie ermüdender Geduld die glänzendsten Kombinationen ersonnen und durchgeführt, hat er kleinere Erfolge auf der einen Seite dazu benützt, um wieder mehr von der anderen erreichen zu können. Aber die Aufgabe war für die wenigen Jahre, die er darauf verwenden konnte, zu groß. Die Umsetzung der Ideen in die Wirklichkeit, ihre Einsenkung in die Köpfe und Herzen der Menschen erfordert Zeit; sie läßt sich nicht erzwingen; und so wurde Herzls Ziel nicht in den neun Jahren seiner Wirksamkeit, sondern erst eineinhalb Jahrzehnte später zur Wirklichkeit, als die Zionsidee bewußt und unbewußt in viel breitere Schichten der Judenheit gedrungen war, und' die Mächte in ihrem Vertragsgegner, der Zionistischen Organisation, einen Faktor sich gegenüber hatten, der, wo nicht das ganze jüdische Volk, so doch einen einflußreichen, leistungsfähigen und gut organisierten Teil desselben darstellte. Man darf aber nicht vergessen, daß auch V/e izmann und S o k o 1 o w, welche gegenüber der alten MacJemie die Balfourdeklaration und das Palästinamandat errangen, in ihrer politischen Arbeit Schüler Theodor Herzls waren: Wie er, haben sie gearbeitet mit der Kraft der Idee, mit den Bedürfnissen eines leidenden Volkes, mit der Dankbarkeit, dem good will, den. dieses Volk demjenigen entgegenbringen würde, der ihm hilft, endlich mit dem Nutzen, den die Mächte selbst von der jüdischen Heimstätte hätten. Der dritte Band der Tagebücher, den jeder Leser der beiden ersten mit Ungeduld erwarten wird, erscheint hoffentlich bald. Dort wird der Abschluß dieses Heldenlebens zu lesen sein und man wird sehen, wie zu all den vielen schon gebrachten Opfern an Vermögen, Zeit und Kraft, zur Hintansetzung der eigenen Person und Familie* zu Demütigungen und Kränkungen, noch das letzte Opfer hinzutritt, das der Gesundheit und des Lebens. Das alles bahnt sich in den beiden ersten Bänden schon sichtbar an, und wer vielleicht einmal meinen sollte, er leiste zu viel für das Judentum und seine eigenen Opfer seien vielleicht zu grotß, der öffne diese Bücher — und schäme sich! Dr. M. Vom bayerischen Kriegsschauplatz Pogromhetze1 eines ,Judenstämmlings“ München. Der Herausgeber der „Süddeutschen Monatshefte“, einer nationalistischen Monatsschrift, Professor Coßmann, ein Judenstämmling von Ludendorff-Gesinnung, führte eine heftige Kampagne gegen den Rechtsanwalt Dr. Philipp Loewenfeld. der die Verteidigung des in dem bekannten Tendenzprozeß verurteilten Sozialisten Fechenbach innehatte. Nunmehr veröffentlicht Dr. Loewenfeld einen Offenen Brief, in dem er mitteilt, Coßmann habe ihn nun schon zum dritten Male mit voller Namensnennung als vaterlandslos denunziert. Dr. Loewenfeld erklärt: „Es liegt nahe, Sie als Autor oder Inspirator dieser Artikel zu vermuten. Ich fordere Sie deshalb auf, alsbald öffentlich zu erklären, daß Sie den beiden Artikeln in den „Münchener Neuesten Nachrichten“ fernstehen. Geben Sie diese Erklärung nicht binnen drei Tagen öffentlich ab, so muß ich mir Vorbehalten, Sie als einen Mann zu charakterisieren, der unter dem Schutz der Anonymität heimtückisch Mordpropaganda gegen einen sachlichen Gegner bewirkt und zudem als Jude die antisemitischen Mordinstinkte noch anfeuert.“ Personalia Lizzie Ellern m.i '■yv 1%v~ .' 01 Einen Nachruf zu schreiben, ist immer schwer. Doppelt schmerzlich ist es, wenn es darum handelt, durch einen Nachruf gewissermaßen zu bestätigen, daß das Leben eines jungen, tapfer seinen Weg suchenden Menschen abgeschlossen, der Kampf ausgekämpft ist. Lizzie Ellerns Hingang bedeutet nicht nur für ihre Angehörigen und Freunde einen schweren Verlust. Mit ihnen trauert die Gesamtheit der Nürnberger Zionisten, trauert die im Blau-Weiß vereinigte jüdische Jugend, trauert der noch weitere Kreis derjenigen, denen sie bei der Leistung von zionistischer, von Palästinaarbeit Beispiel und Vorbild war. Es war nicht ihre Art, viele Worte zu machen, aber wenn sie etwas übernahm, dann tat sie es ganz, gleichgültig, ob es sich, um kleine technische Arbeiten oder um entscheidende lebensgestaltende Dinge handelte. Sie verkörperte so recht den Geist, aus dem heraus nur unsere Hoffnung auf den

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