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Das jüdische Echo · 1923-02-23 · 8 (23.2.1923) · p. Seite 94

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
8 (23.2.1923)
Date
1923-02-23
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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94 Das Jüdische Echo Nr. 8 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/$ Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE tinskys am besten aus der damaligen Zeit erklärt werden können. Die reichhaltige Nummer bringt ferner aus der Feder von Eduard Strauß, Frankfurt a. M., den Wortlaut seines zweiten Vortrags „Zur Geschichte des Christentums“, der sich diesmal in tiefgründiger Weise mit Paulus beschäftigt. —■ Das Abonnement des „Juden“ kostet jetzt in Deutschland vierteljährlich 2000 Mk. Anmeldungen zum Abonnement sind zu richten an den Jüdischen Verlag, Berlin NW 7. Dorotheenstr. 35. Personalia Moritz Maier Rosch chodesch Adar — kurz vor Sabbat- Eingang — geleitete eine große Schar von Freunden, Kollegen aus Volks- und Mittelschulen und dankbaren Kindern Moritz Maier, Religionslehrer und Kantor in München, zur letzten Ruhe und betteten ihn auf dem alten Friedhof in der Thalkirchner Straße, der erst vor wenigen Tagen die sterblichen Überreste Heinrich Frei’s aufgenommen, in die winterliche Erde. Moritz Maier, geboren am 25. Dezember 1866 zu Fischach, erhielt in Burgpreppach und Würzburg seine Ausbildung und wirkte wenige Jahre in Ingolstadt, seit 1892 im Dienste des jüdischen Religionsunterrichtes in München. . Ein stiller Kollege, mied er es ängstlich an die Öffentlichkeit zu treten. Zwei Freunde begleiteten ihn, die ihm Inhalt und Freude seines Lebens waren: Seine Bücher und die ihm anvertraute Jugend. Eine Bibliothek, in der er unter Verzicht auf Lebensgenüsse die erlesenen Werke jüdischer Wissenschaft sammelte, war der Schatz, den er hütete und ständig mehrte. Aber diese Bücher waren ihm nicht totes Kapital; mit stillem Forscherfleiß grub er nach den Goldkörnern, und da er mit einem erstaunlichen Gedächtnis begnadet war, erwarb er sich als Autodidakt ein seltenes Wissen. Jüdische Volksbräuche, das Reich der Sage und des Märchens waren die Sondergebiete seiner Forscherarbeit. Die Wissenschaft aber wurde ihm nicht der Spaten, mit dem er nach irdischem Besitze grub, nicht die Krone, um damit nach außen zu glänzen. Die Jugend unserer Gemeinde genoß die Früchte und was er in der stillen Studierstube, umgeben von den stummen Büchern, gefunden, gewann Leben in der Schulstube. Hier säte er und hier erntete er den schönsten Lohn, die rührende Liebe der kleinsten, den Dank der reiferen Schüler, die ihm auch nach der Schule die Treue wahrten, die Anerkennung der Eltern und der Schulbehörden. Das bekundete auch das ehrende Grabgeleite, die warmen Worte, die ihm Rabbiner Dr. Baerwald und Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumayer im Namen der Gemeinde, die Direktoren der städtischen Töchterschule und der Mädchenhandelsschule dem pflichteifrigen Lehrer, der Vizepräsident der München-Loge dem langjährigen Bibliothekar widmeten. Im Auftrag der jüdischen Kollegen und des Lehrkörpers der Stielerschule durfte ich, der durch fast vier Jahrzehnte in Freundschaft Moritz Maier verbunden war, die Reihe der Redner mit mahnenden Worten an die Schüler schließen: „Sie sollten des Lehrers Worte auf ihres Herzens Tafeln schreiben und was er gelehrt, in die Tat Umsetzern“ S. Dingfelder, Feuilleton Königin Esthers Tränen Von Martha Nothmann Bei dem alten Abraham sind die Kinder am liebsten, wenn er abends Pfriem und Schustermesser beiseite gelegt hat, dann sitzen sie ganz bestimmt um ihn herum. „Eine Geschichte, Abraham, eine Geschichte!“ Und der alte Abraham erzählt dann vom König David und vom starken Simson —■ von dem schönen Absalon und dem tapferen Gideon — und er erzählt alles noch viel schöner, als wie es in der Bibel steht. Heut haben die Kinder die Geschichte der Königin Esther gehört, denn morgen ist Purim. Abraham hat erzählt, wie die Königin durch ihre Schönheit den König bezwang und durch ihre Klugheit und Güte ihr Volk rettete. „Und der böse Haman kam mit seinen?ehn Söhnen an den Galgen, Esther aber lebte als Königin lange herrlich und in Freuden“, so schließt Abraham seine Erzählung. „Und dann? Und dann4“ Voll brennender Ungeduld sehen ihn die schwarzen Kinderaugen an, — ach, eine so schöne Geschichte, wie die von der Königin Esther, dürfte nie zu Ende gehen — „und dann? und dann? Geht es nicht noch weiter? Starb dann die Königin Esther? Ist nun alles aus?“ Sie wissen ja — der alte Abraham weiß noch mehr, als wie in der Bibel steht. Lächelnd sieht er in die erwartungsvollen Kinderaugen. „Nein, die Königin Esther ist nicht gestorben. Ein Herz, das so unendlich liebevoll und gütig ist, das kann ja nie sterben.“ „Also ist sie im Himmel?“ „Nein, sie ist auch nicht im Himmel. Es wäre zu traurig für die Königin Esther, wenn sie, die ihr Volk so sehr geliebt hat, vom Himmel herab ansehen müßte, wie es nun in Knechtschaft und Unglück leben müßte. Deswegen hat sie der Ewige mitsamt ihrem Palast tief in die Erde versenkt. Und dort schläft sie, inmitten ihrer wunderbaren Schätze, umgeben von ihren Dienern und Dienerinnen.“ — „Oh — die ganze Zeit schläft sie?“ „Nein, nicht die ganze Zeit. Einmal im Jahr, in der Purimsnacht, da wandelt sie über die Erde.“ ,Ach, ich weiß — ich weiß,“ der kleine Josef springt mit flammenden Wangen empor. „In silbernen Schuhen geht sie, weiße Kleider hat sie an und einen goldenen Mantel darüber.“ Der Alte nickt. „Woher weißt Du das alles?“ Josef kann vor Eifer kaum sprechen. „Aber bei uns hängt ja ihr Bild — o, wie schön ist die Königin Esther — sechs kleine Mohrenknaben gehen hinter ihr her, mit goldenen Schalen in der Hand. Warum tragen sie die Schalen?“ „Das hat schon seinen Grund.

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