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Das jüdische Echo · 1923-02-23 · 8 (23.2.1923) · p. Seite 93

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
8 (23.2.1923)
Date
1923-02-23
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 93 der Leitung der Bewegung zurückzutreten. Aber der innere Zwang ist stärker. Er treibt ihn fort zu einer neuen Anspannung seiner Kräfte zu einem Maß von Arbeit, das kaum faßbar erscheint, wenn man bedenkt, daß daneben der Broterwerb gehen mußte. Es ist wirklich die „idee mait r e s s e“, von der er einmal spricht, die Idee als Herrin, die sich hier ausdrückt. Zur Ausführung der Idee stand ihm an äußeren Machtmitteln nichts zur Verfügung. Er hatte keine Menschen, die sollten ja für die neue Sache erst gewonnen werden, er hatte kein Geld, denn sein Vermögen reichte ja nicht einmal hin, ihm eine vom Broterwerb unabhängige Existenz zu sichern. Die reichen Juden, denen er sich vor Veröffentlichung seiner Schrift näherte, um sie für den Gedanken zu gewinnen, wollten nichts von ihm wissen. Sein ganzes Rüstzeug war seine eigene Persönlichkeit, seine Erscheinung, seine Rede, seine Fehler, sein Wille. Und damit ging er ans Werk und damit hat er es in wenigen Jahren erreicht, daß eine politisch aktionsfähige, alle Länder umfassende jüdische Organisation geschaffen wurde, daß bei den Mächten eine Atmosphäre der Sympathie für den Zionismus geschaffen wurde, daß die Grundlagen vorhanden waren, für die Balfourdeklaration, die dreizehn Jahre nach seinem Tode erfolgte und das Palästinamandat, das den Beginn der Verwirklichung seiner Idee darstellt. Die politische Kunst, der Erfindungsgeist, die Energie, die von Herzl aufgewendet wurden und deren Wirken wir in den, Tagebüchern bis ins einzelne verfolgen können, würden tatsächlich, wie Nordau später sagte, genügen, um zehn Ministerpräsidenten eingerichteter Normalstaaten die Unsterblichkeit zu sichern. Jede Konstellation wußte er zu benutzen, jede Beziehung zum besten der Bewegung zu verwenden, jeden Weg zum Ziel, der sich als ungangbar herausstellt, durch einen anderen neu ersonnenen zu ersetzen, bei jedem Mißerfolg noch einen Umstand zu entdecken, den er bei einem künftigen Versuch ausnützen konnte. Seine politischen Pläne haben niemals etwas Kleines. Sie gehen, wenn sie auch oft mit materiell kleinen Mitteln betrieben werden und betrieben werden mußten (der Mangel an Geld geht wie ein roter Faden durch das Buch) immer auf Erreichung eines großen Zieles, auf Hervorbringung eines großen Eindrucks. Dabei wird aber keineswegs die Ausführung im einzelnen vernachlässigt. Hier ist Herzl jede Kleinigkeit wichtig, von der Anrede und der Schlußform in Briefen bis zu den Einzelheiten des bei Audienzen und anderen Unterredungen zu tragenden Anzuges, bis zur Ausstattung des Tagungssaales für den ersten Kongreß. Dr. M. (Schluß folgt.) In letzter Stunde!*) wenden sich die in dem Jüdischen Beamten-Bund zusammengeschlossenen Vereinigungen an die jüdische Öffentlichkeit, insbesondere an die Gemeindeverwaltungen. Das Judentum in Deutschland ist in Todesgefahr! Schon haben zahlreiche Rabbiner, Lehrer und Kultusbeamte ihren Beruf preisgegeben, schon sind zahlreiche Gemeinden ohne Beamten, ohne geistigen Führer. Die Seminare haben ihre Tore geschlossen, die noch offenen stehen leer! Es wird in wenigen Jahren an jeglichem Nachwuchs *) Von dem Jüdischen Beamten-Bund (einer Zusammenfassung der Lehrer-, Rabbiner- und Kantorenverbände im ganzen Reiche) geht uns obiger Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung zu. fehlen. So steht das deutsche Judentum vor seinem Untergang. — In klarer Erkenntnis dieser katastrophalen Lage rufen wir den Führern der schon so lange geplanten Gesamtorganisationen zu: Eilet, ehe es zu Spät ist! Stellt alle Eure Sonderwünsche zurück! Einigt Euch, um zu retten, was noch zu retten ist! Es gilt, für Gott und seine Thora zu kämpfen! Aus der Not des Augenblickes rufen wir den G„emeindevorstehern und den Gemeinde n zu: Bringt jegliches Opfer! Stellt die Beamten und Lehrer mindestens den Staatsbeamten gleich! Gebt ihnen menschenwürdiges, menschenmögliches Dasein! Sie gehen Euch sonst samt und sonders verloren, und Ihr findet keine anderen, keinen Ersatz! Denkt an die Zukunft Eurer Kinder, Eurer Gemeinden, Eurer Gemeinschaft. Eures Glaubens! Schon jubelt — kann die Sachlage greller beleuchtet werden? — die christliche Mission ob unserer durch die Vernachlässigung der Glaubensdiener gekennzeichneten Glaubenschwäche, schon hat die judenfeindliche Presse sich dieses Beweises für unseren krassen Materialismus bemächtigt, schon nehmen sich die allgemeinen Beamtenverbände der im Elend verkommenden jüdischen Beamten an — soll dieser Chiliul haschem noch größer werden? Noch wenige Monate dieser sträflichen Lässigkeit, und die deutsche Judenheit steht an dem Grabe, das sie sich selbst geschaufelt, dessen schauriges Momento mori verwaiste Gotteshäuser, verödete Schulen bilden. Nicht um unsertwillen, nein, um unseres heiligen Glaubens willen ertönt unser Notschrei. Wenn Euch das Judentum noch etwas gilt, laßt unseren Ruf nicht ungehört verhallen! Jüdischer Beamten-Bund Dr. J. Höxter, J. B. Levy. Litirariscit@s Echo Januarheft des „Juden“ Soeben ist das Januarheft der Zeitschrift „Der Jude“ erschienen. Die neue Nummer bringt u. a. bemerkenswerte Beiträge von Dr. Walter Preuß und Dr. Hugo Bergmann (beide Jerusalem) zu Fragen des Aufbaus in Palästina. Dr. Walter Preuß behandelt die Gdud Haawodah, deren soziale Auffassungen imd erzieherische Prinzipien eingehend untersucht und geschildert werden. Hugo Bergmann berichtet anläßlich der bevorstehenden Konferenz der Histadruth Hapoalim über die wichtigsten Fragen der palästinensischen Arbeiterschaft, ihre parteimäßige Gliederung, ihre fachlichen Probleme und ihr Verhältnis zur Zionistischen Organisation. Moses Beilinson hat die Tatsache des Ausscheidens von Jabotinsky aus der Zionistischen Organisation zum Anlaß genommen, um die in russischer Sprache erschienenen Schriften Jabotinskys (eine Sammlung von Feuilletons und ein Versdrama) einer Betrachtung zu unterziehen. Beilinson versucht in interessanter Weise zu zeigen, daß Jabotinsky stark von der reaktionären Zeit beeinflußt ist, die nach der ersten russischen Revolution von 1905 einsetzte und in der er seine schriftstellerische und politische Tätigkeit begann. Beilinson glaubt, daß die Bejahung der Gewalt, die schroffe, ablehnende Kritik am zeitgenössischen Judentum und andere charaL* teristische Merkmale der Persönlichkeit Jabo«

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