Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 7 (16.2.1923)
- Date
- 1923-02-16
- Page
- Seite 82 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Das Jüdische Echo nr.7 sich richten. Insbesondere ist es die antisemitischreaktionäre Welle in München, von der im Ausland viel Notiz genommen wird und die natürlich nicht gerade dazu beiträgt, Deutschland die Sympathien zu verschaffen, deren es heute nötiger bedarf als je. Wir nehmen in diesem Zusammenhang Notiz von einem Bericht des „Daily Telegraph“ vom 19. Januar 1923 unter der Überschrift „Reaktion in Bayern. Antijüdische Agitation.“ Der Bericht meldet Vorbereitungen zu Judenpogromen in Bayern und stellt fest, daß die Situation in Berlin als sehr ernst angesehen wird. Ob die Beschuldigung bestimmter Personen als Urheber der Münchener Bewegung, wie sie im „Daily Telegraph“ vorgenommen wird, richtig ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls ist es von Wichtigkeit, daß man in Deutschland von dieser Wirkung der Judenhetze auf das Ausland rechtzeitig Kenntnis nimmt. München. In der „C.-V.-Zeitung“ (Organ des Central-Vereins) finden wir aus der Feder Dr. Holländers einen Artikel aus „Münchens dunklen Tagen“, welchem wir u. a. folgende Stelle entnehmen: . . . „Weite Kreise der Münchener Bevölkerung und des bayerischen Oberlandes haben einsehen gelernt, daß man mit Hitler-Methoden Deutschlands Ansehen in der Welt vernichtet, nach innen Unfrieden schafft und Hohn und Spott dem deutschen Namen zufügt. Auch die maßgebende Partei Bayerns, die Bayerische Volkspartei, ist allmählich des Treibens der nationalsozialistischen Banden müde geworden. Sie hat sich mit Recht gesagt, daß letzten Endes das Christentum die Zeche bezahlen wird, wenn Hitler siegt. Denn die Hetze dieser Kreise wider das verjudete Christentum entspricht in ihrer Zielbewußtheit dem Kampf gegen die Juden. Auch der größte Teil der Münchener Presse beginnt die Gefahr einzusehen, mit Ausnahme des Münchener „demokratischen“ Blattes, der „Münchener Neuesten Nachrichten“, die man ohne Übertreibung als das versteckte Leiborgan der Hitler-Leute ansehien kann. Bedauerlich genug ist es, wenn der Inseratenteil dieses Blattes mit Anzeigen jüdischer Firmen gespickt ist. Hoffentlich wird den Inserenten bald klar, daß sie mit Insertionen in dieser Zeitung diejenigen Leute füttern, welche in der von ihnen getriebenen Politik dem niedrigsten Judenhaß verkappt Zutreiberdienste leisten.“ Wenige Wochen, nachdem die „Münchner Ortsgruppe des Central-Vereins“ das bekannte Inserat in den „Münchener Neuesten Nachrichten“ erscheinen ließ, ist diese Bemerkung erschienen; eine trefflichere Kennzeichnung konnte die Leitung des „Central-Vereins“ der Leistung ihrer Münchener Ortsgruppe nicht entgegenstellen. Wir halten es für überflüssig, dem noch etwas hinzuzufügen. Holland Dr. Weizmann beim holländischen Außenminister Haag. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Dr. Weizmann, hatte mit dem holländischen Minister des Äußeren Jonkher van Karneveek eine längere Unterredung im Außenministerium. Rumänien Die Juden in der rumänischen Verfassung Bukarest. In der Verfassungskommission des rumänischen Parlaments kam die Gesetzesvorlage über die staatsbürgerlichen Rechte der rumänischen Juden zur Verhandlung. Der Justizminister Floruscu machte im Namen der Regierung den folgenden Vorschlag: Alle rumänischen Einwohner,, sowohl die altrumänischen, als auch in den neu erworbenen Gebieten, die seitdem« Jahre 1916 im, jetzigen Rumänien wohnen, erhalten die rumänische Staatsbürgerschaft. Der jüdische Deputierte Dr. Stern forderte im Namen der jüdischen Parlamentarier die Staatsbürgersehaft für alle Juden Altrumäniens, die seit 1919 im Lande wohnen, die Judenschaft in den neu erworbenen Gebieten Rumäniens müßte aber auf Grund der Friedensverträge die rumänische Staatsbürgerschaft automatisch erhalten. Der Ministerpräsident Bratianu opponierte dagegen, daß man sich an den Versailler Vertrag anlehne und führte aus, eine interne Übereinstimmung sei in jedem Falle einer auswärtigen Kontrolle vorzuziehen. Der Verfassungsausschuß nahm zum Schlüsse den Antrag des Abgeordneten Constantinescu an, der wie folgt lautet: Es wird nur jenen Juden die rumänische Staatsbürgerschaft zuerkannt, die seit 1914 im« Lande gewohnt haben und die die Kriegsleiden auf der Seite Rumäniens mitgemacht haben. Die Annahme des Antrages Constantinescui hat in allen Kreisen der rumänischen Judenhe.it lebhafte Trauer und Empörung hervorgerufen. Der Beschluß des Verfassungsausschuisses ist .geeignet, das Gefühl von einer grundsätzlichen Änderung der rumänischen Judenpolitik seit dem Frieden wieder ins Wanken zu bringen. Wir hoffen, daß das Plenum sich nicht an den Vorschlag des Verfassungsausschusses halten wird. 13buThaIlmcüer Mönchen %ßaünßcÜrAÖ. Glaser CßmzUlane. mm® YD