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Das jüdische Echo · 1923-02-16 · 7 (16.2.1923) · p. Seite 80

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
7 (16.2.1923)
Date
1923-02-16
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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80 Das Jüdische Echo Nr. 7 gemeiner Bewunderung), der behaglich in das Lederpolster seines Autos zurückgelehnt durch die Straßen fährt, nicht ebenso angenehm seine Reise durchs Leben zurücklegt. Schon in der Schule macht man den Kindern klar, daß die Zufriedenheit in der kleinen Hütte eher zu verweilen pflegt, als in dem Palast des Reichen. Und in der Praxis? Wie steht es da? Wir alle wissen, daß es gerade heute schlimmer ist als je. Man kauft und verkauft alles, den täglichen Lebensbedarf, die Kunst und den Künstler, den Mann für die Tochter, die Tochter für den Mann. Man weiß, daß es nichts nützt, denn wie gesagt, in der Theorie ist man sich einig und man tut es doch. Zwangsläufig, wie die einmal in Gang gesetzte Maschine, an der der Bremshebel fehlt. Der Einzelne gilt alles, die Gesamtheit nichts. Der Spekulant weiß, daß er nach Kräften dazu beiträgt, das Geld zu entwerten, die Allgemeinheit und damit doch wieder sich selbst zu schädigen. Tut nichts. Die Hauptsache ist, wenn sich seine Kasten füllen oder heute, wo wir es so herrlich weit gebracht haben, das Bankkonto steigt, wobei die Allergescheitesten allerdings es jetzt wieder aus bestimmten Gründen wieder mit dem Kasten halten. Und nun haben sich Menschen gefunden, die stark genug sind, das als richtig Erkannte auch für sich und nicht nur für die anderen als bindend anzuerkennen, die glauben, bei bescheidener Lebensführung und geringen Ansprüchen an Luxus in Wirklichkeit besser, d. h. glücklicher leben zu können, als die anderen. Denen, und das ist das Entscheidende, die Allgemeinheit vor dem eigenen Ich kommt und denen das nicht etwa eine Phrase, wie etwa jene „berühmten“ Zeitungsartikel aus dem Jahre 14 es waren, bedeutet. Ihr Verhältnis zum Staate ist ein grundsätzlich anderes, als das der heutigen Generation. Sie sehen hier nicht die Zweiheit, hier der Staat, verkörpert durch Steuerbehörde und Gerichtsvollzieher, dort der Staatsbürger, der sich freut, jenem anderen ein Schnippchen schlagen zu können. Sie fühlen sich selbst als der Staat, sie wollen den Staat, den sie freudig bejahen. Daß allerdings dieser Staat, wie sie ihn sich denken, nur das Wort gemeinsam hat mit jenem juristischen Gebilde, das wir heute so nennen, versteht sich von selbst. Denken wir uns alle Bürger jenes „Zukunftsstaates“ von dem Geiste beseelt, wie er jenen Menschen innewohnt, so wissen wir auch, wie er aussehen wird. Bis zu diesem Punkte gehen deutsche Jugend und jüdische Jugend, geht die Jugend der gesamten Welt einen gemeinsamen Weg. Nun aber kommt für unsere jüdischen Jungen etwas Neues hinzu. Sie sehen sich nicht in der günstigeren Lage, in der etwa die englische Jugend und bis /Ve uhcrus ers/r. 15, gegenüber der alten Jlkademie zu einem gewissen Grade auch die deutsche Jugend sich befindet. Während diese zwar mangelhaft Bestehendes* aber immerhin doch Bestehendes nur zu ändern haben, gilt es für sie neu aufzubauen. Während andere Jugend Menschen und Mittel in immerhin erheblichem Maße zur Verfügung hat, sind unsere Menschen wenig, unsere Mittel fast null. Wenn andere Völker immerhin eine territoriale Einheit und eine Einheit der Sprache besitzen, so fehlt uns als einer Gesamtheit noch Land1 und Sprache. Hat es bei solchen Bedingungen überhaupt Sinn, anzufangen, muß man da nicht verzweifeln, wo ein Hindernis nach dem anderen sich türmt? Die Antwort ist bereits gegeben. Der Anfang i s t gemacht. Drüben in Palästina und hier im Galuth regen sich Kräfte, die so stark sind, so expansionsfähig, daß man bereits vor ihnen bangt, aber auch Respekt bekommt. Niemand kann sich heute dem verschließen, was da bereits geschaffen worden ist. Weit über den engen Kreis der jüdischen Interessensphäre hinaus ist Palästina Gegenstand der Aufmerksamkeit für die Politik, die Presse und damit für den einzelnen Menschen gleich welcher Nationalität oder Religion geworden. Sicherlich nicht nur der freudigen Zustimmung, wenn man auch sagen kann, daß die heftigsten Gegner des jüdischen Palästina die Juden sind. Niemand aber wird bestreiten können, daß die jüdische Leistung in Palästina sich Achtung erzwungen hat, eine Achtung, an der selbst die übelsten Spötteleien gewisser jüdischer Kreise nichts ändern kann. So also sieht die Jugend aus, mit der heute ernsthaft gerechnet werden kann und muß. Und wie tritt man ihr gegenüber? Wer hat Verständnis für die eigenartige und große Situation, in der man sich heute befindet? Gutartige Verständnislosigkeit ist, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, noch das Beste, was unsere Jungen erfahren. Aber welch große Anzahl von Erziehern setzt diesem auf klarer Erkenntnis beruhenden Willen absichtliches Nichtverstehenwollen, plumpen Hohn und in vielen Fällen brutale Vergewaltigung entgegen! Ist es da ein Wunder, wenn wir dann zu Zuständen kommen, wie wir sie oben geschildert haben? Daß junge Menschen heimlich oder offen aus dem Elternhause fliehen, schuldigen Respekt verletzen, gegen die, die ihnen das Höchste sein sollten, Haß oder was noch weit schlimmer ist, Gleichgültigkeit oder gar Verachtung empfinden? . Hier ist viel zu ändern, viel gut zu machen. Diese Sache ist nicht mehr tot zu schweigen. Eltern, die ihre Kinder lieben und die ihnen mehr sein wollen, als gottgewollte Vorgesetzte, die das richtige Gefühl dafür haben, daß es möglich ist, daß Eltern zugleich die besten Freunde ihrer Kinder sind, sie mögen sich mit dem hier aufgezeigten Problem befassen. Vielleicht ist der Weg der heutigen Jugend nicht der richtige, sicherlich sind persönliche Ausnahmen zu machen. Aber das sollte jeder begreifen, daß nur auf dem Wege eines wahren innerlichen Verständnisses die Stimmung geschaffen werden kann, aus der heraus jenes harmonische Verhältnis erwachsen kann zwischen Eltern und Kind, wie wir es in Romanen so oft, in der Wirklichkeit so selten finden. Li-r. Aus der jüdischen Weif Bulgarien Sofia. Eine rührige Tätigkeit entfaltet Großrabbiner Dr. M. Freier in seinem Wirkungskreis hier. Vor allem nahm er das Schulwesen in die Hand. Es ist ihm gelungen, ein jüdisches Seminar zu gründen, das er zu einer Hochschule für jüdi-

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