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Das jüdische Echo · 1923-02-09 · 6 (9.2.1923) · p. Seite 72

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
6 (9.2.1923)
Date
1923-02-09
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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72 Das Jüdische Echo Nr. 6 Mister German unterbrach und ich die „Votes“ nicht aufhalten möchte, behalte ich es mir für ein anderes Mal vor und schließe meinen „Speech“ in der Hoffnung, daß wir nicht die größte Schande der Welt auf unsere Häupter laden werden. Denn es wäre eine große Schande, wenn wir unsere Ladies auf unserem freien Territorium nicht als gleichberechtigte Bürgerinnen anerkennen würden. Was würde die Presse dazu sagen? „Europa“ würde mit den Fingern auf uns zeigen! Ladies und gentlemen! Laßt euch nicht von den Heuchlern beeinflussen, die sich an die „Bibel“ halten und nicht wissen wollen, was die Bibel über die erste Frau — Eva — sagt: daß sie Mark von unserem Mark und Leib von unserem Leibe ist.“ Mit diesen Worten schloß der Amerikaner seinen „Speech“ und empfing von der Kolonie stürmischen Beifall und ein lautes Hurra! Endlich begann die Abstimmung darüber, ob die JDreizehninser in dreizehn besondere Kolonien geteilt werden sollte oder nicht. Die Mehrheit erklärte sich für die Teilung. Zwölf Paar Hände erhoben sich. Der einzige Opponent blieb unbeachtet. Es war der Sozialist. Doch die Organisation war damit nicht abgeschlossen. Es blieb noch viel Arbeit zu tun! ] (Fortsetzung folgt.) 5 Die Bestattung Max Nordaus Paris, den 25. Januar 1923. Heute hat die Beerdigung von Max Nordau bei einer Teilnahme von mehr als 3000 Personen stattgefunden. Dem Wunsche Nordaus entsprechend, war sein Körper in seinen Tallis gehüllt, der Sarg mit der blauweißen Fahne mit dem Davidstern umhangen. Dem Sarge folgten seine Familie und seine beiden nächsten Freunde und Mitstreiter, Dr. Alexander Marmoreck und Jean Fischer. An der Beerdigung nahmen ferner teil: Herr Zlatopolski als Vertreter des Keren Hajessod, Herr S. Marks für die englischen Zionisten, ferner Vertreter der Ica, des Comite des Delegations Juives und der Jüdischen Welthilfskonferenz. Die Beerdigung fand auf dem Friedhof Montparnasse statt. Die Gebete sprach der Oberrabbiner von Paris, Israel Levy, Dr. Marmorek sagte das Kaddisch. Im Sinne der Anordnungen von Dr. Nordau wurden keine Grabreden gehalten. Die Inschrift auf dem Grabe wird entsprechend Dr. Nordaus Wunsch nur hebräisch sein. Herr Sokolow, der sich zur Beerdigung von Berlin nach Paris begeben hatte, wurde durch die augenblicklichen schwierigen Verkehrsverhältnisse im Ruhrgebiet gehindert, rechtzeitig in Paris einzutreffen. Nordaus Sterbestunde und letzte Tage Paris. (J. C. B.) Max Nordaus Tod erfolgte in Anwesenheit seiner Gattin, seiner Tochter Maxa, einer begabten Malerin, und seines treuesten Freundes Dr. Alexander Marmorek. Mehr als ein Jahr hat sich Max Nordau infolge seines Gesundheitszustandes der literarischen Tätigkeit fernhalten müssen. Ein größeres philosophisches Werk, an welchem er zuletzt gearbeitet hat, ist unvollendet geblieben. In den letzten Jahren seines Lebens befand sich Max Nordau in schwierigen finanziellen Verhältnissen. Trotzdem sein Gesundheitszustand im letzten Sommer gebieterisch eine längere Sommerreise erforderte, hat es ihm, seine materielle Lage nicht erlaubt, sich diese Erholung zu gönnen. Seine einzige Existenzquelle in der letzten Zeit war das monatliche Gehalt, das er von der Redaktion der in Buenos Aires erscheinenden Zeitung „La Nacion“ erhielt, deren langjähriger Mitarbeiter er war. Die Redaktion dieser Zeitung überwies ihm pünktlich sein Gehalt, trotzdem er seit mehr als 18 Monaten keinen Artikel an sie gesandt hatte. Jede Überweisung war von einem Schreiben begleitet, in welchem die Redaktion der Zeitung ihm ihre Wünsche nach einer schleunigen Erholung aussprach. Ungeachtet seiner materiellen Lage lehnte Nordau jeden Versuch, mit ihm über irgendeine finanzielle Unterstützung oder eine bezahlte Stellung in der Zionistischen Organisation zu sprechen, entschieden ab. Im Laufe der letzten Monate hatte sich der Gesundheitszustand Max Nordaus so verschlechtert, daß die Ärzte seine Umgebung ersucht haben, niemanden zu ihm zu lassen. Vor ungefähr einer Woche wurde sein Zustand bereits so, daß jede Hoffnung auf seine Wiedergenesung aufgegeben werden mußte. Max Nordau befand sich bis zum letzten Augenblicke seines Lebens bei klarem Bewußtsein. Gemeindenu. Vereins-Echo Jüdische LehrkurSe In den Monaten Februar und März finden die folgenden von dem wissenschaftlichen Ausschuß der Israelitischen Kultusgemeinde veranstalteten Lehrkurse statt: 1. R a b b i n e r D r. Baerwald: „Judentum u. Christentum“. (Donnerstag, den 15. und 22., Mittwoch, den 28. Februar und Donnerstag, den 16., 22. u. 29. März abds. 9 Uhr pünktlich.) 2. Dr. Hans Taub -München: „Schopenhauer und Nietzsche in ihrer Stellung zum Judentum.“ (An denselben Abenden um 8 Uhr pünktlich.) 3. D r. Leo B a e c k , Rabbiner der1 Jüdischen Gemeinde Berlin: „Die bestimmenden Gedanken in der Weltgeschichte.“ (4., 6., 8. und 10. März.) Die Kurse zu 1. und 2. finden im Saale der Cossrnan Werner-Bibliothek, Herzog Maxstraße 7/1, statt. Ort und Stunde der Kurse zu 3. wird noch bekannt gegeben. Teilnehmerkarten für die Kurse zu 1. und 2. können mit Rücksicht auf die Raumverhältnisse nur in beschränkter, Zahl abgegeben werden. Die Ausgabe findet in der Kanzlei der Kultus gern ein de ab Montag, den 5. Februar 1923 statt. Die Kursgelder betragen für Erwachsene Mk. 250.— (pro Vortragszyklus) für Mitglieder der Jugendorganisationen Mk. 100.—. Für den Kurs 3 werden die Kosten für die Teilnahme und die Ausgabe der Karten später mitgeteilt. Der Verband der jüdischen Jugendorganisationen Münchens hält am Samstag, den 17. Februar 1923 abends 8 Uhr im Bibliotheksaal, Herzog Maxstraße 7/2, seinen 2. Sprechsaal ab. Stud. iur. H. Klein-Nürnberg spricht über |ie Steilung .jdex Orthodoxie im heutigen Judentum. *Freie Aussprache Die Jugend aller jüdischen ‘Parteien ist ein geladen. Bar Kochba München. Am 17. Februar findet unser zweiter Vortragsabend im K.J.V., Bayerstraße, statt. Referent: Herr Ernst Simon (Würzburg). Die Vorstandschaft.

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