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Das jüdische Echo · 1923-02-02 · 5 (2.2.1923) · p. Seite 57

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
5 (2.2.1923)
Date
1923-02-02
Page
Seite 57 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 57 und grüne Blätter und Blüten pflückte, in der Jugend unter schattenden Bäumen träumte, in Reife und Alter bei seinem Wirken und Schaffen der stärkenden und verjüngenden Natur nahe blieb und niemals von ihrer Schönheit ausgeschlossen war. Wie werden unsere Nachfahren in solchem Rahmen ihres Lebens genießen! Ich wünsche ihnen schon jetzt Glück und Segen dazu. JVL N o r d a u. Vom bayerischen Kriegsschauplatz Die Ruhrbesetzung und die antisemitischen Nationalsozialisten in Bayern München. (J.P.Z.) Der letzten Nummer des in München erscheinenden Organs der Hitler- Leute, dem „Völkischen Beobachter“, entnehmen wir einige für die Schreibweise dieser Hetzergesellschaft kennzeichnende Proben. Die französische Ruhrbesetzung suchen die bayerischen Hakenkreuzler natürlich als jüdische Börsenmache hinzustellen, als Folge des „alljüdischen Börsenkrieges“. Die politische Auffassung der Giftmischer ist von einer verblüffenden Einfachheit. „Im Namen Wilsons fabrizierte d'er Jude Brandeis den Versailler Vertrag mit den Herren Kahn und Mandel aus Paris, Anthony Rothschild aus London war auch dabei, und Paul und Felix Warburg ebenfalls nicht weit entfernt.“ Den Schluß des Artikels bildete ebenso natürlich die obligate Drohung: die Nationalsozialisten sehen den kommenden Tagen ruhig entgegen, denn sie haben eine große Hoffnung: nicht etwa darauf, daß endlich die gute Sache siegen muß, nicht auf die sittlichen Kräfte der deutschen Nation, sondern „daß den- Verrätern an unserem Vaterlande einmal eine Abrechnung erblühen wird, an welcher Jahrhunderte denken werden. Wir wissen, wie sie heißen: Und das deutsche Volk wird das auch einmal wissen.“ Zarter können bayerische Hakenkreuzler Pogromdrohungen wirklich nicht mehr umschreiben. Personalia ist nach 49jähriger gesegneter Wirksamkeit als Hauptlehrer, Kantor und Chordirigent in der Münchner Kultusgemeinde nach längerem Krankenlager am 26. Januar im 77. Lebensjahre verschieden. Mit ihm verliert unsere Gemeinde einen Beamten von seltener Pflichttreue. Pünktlichkeit und Schaffensfreudigkeit, einen Ewed neemon im edelsten Sinne des Wortes, dessen Amtsführung, dessen nie versagende Hilfsbereitschaft für uns Kollegen zum leuchtenden Vorbild wurde. Geboren am 16. April 1846 zu Braunsbach in Württemberg, besuchte er das Lehrerseminar in Eßlingen, nach dessen Absolvierung er das Lehreramt in Dötzbaeh versah, um schon nach wenigen Jahren einem Rufe nach Göppingen zu folgen. Seine ersprießliche Tätigkeit in diesem wesentlich erweiterten Wirkungskreise lenkte das Augenmerk der Münchner Kultusverwaltung auf diesen zielbewußten, tatkräftigen Beamten, und im Jahre 1874 wurde Frei zunächst als Religionslehrer nach München berufen. Bald aber eröffnete sich ihm hier ein weites Arbeitsfeld auch auf dem Gebiete des Kantorats als Nachfolger Maier Kohns und auf dem eines Chordirigenten, dem, neben Meister Löwenstamm, die Aufgabe zufiel, den 1876 neu eingerichteten reformierten Gottesdienst musikalisch auszugestalten. In hingebungsvoller, erfolgreicher Erfüllung seines übernommenen Pflichtenkreises, erwarb sich Frei während nahezu eines halben Jahrhunderts nicht nur die Anerkennung und Wertschätzung seiner Vorgesetzten, auch aufrichtigste Liebe und rührende Anhänglichkeit ward ihm zuteil seitens der gesamten Gemeinde. In dankbarer Verehrung blickten zu ihm auf drei Generationen, denen er religiöser Erzieher. Berater und Führer war, die ihm die Treue wahrten auch über die Schulzeit hinaus. Wie vestand er es als Scholiach Zibbur, durch die Würde und das Verständnis seiner synagogalen Vorträge, unterstützt von einem unverwüstlichen, wohlklingenden Bariton, seine Zuhörer andächtig zu stimmen, wie bewunderungswürdig war namentlich am Jom Kippur seine Leistungsfähigkeit. wenn er während des ganzen Tages seines Amtes als Chasan und Chordirigent mit peinlicher Gewissenhaftigkeit und Unermüdlichkeit waltete! Bei all seiner großen beruflichen Inanspruchnahme fand aber Frei noch Zeit, in bemerkenswerter Weise sich auch außeramtlich zu betätigen. So wirkte er viele Jahre hindurch mit Erfolg und Eifer in der Vorstandschaft der Achawah. wie auch in der München-Loge, wo er die Anregung gab zur Gründung der Logenbibliothek und zur Förderung des Handfertigkeitsunterrichts. Als Mitglied des Verwaltungskörpers unserer Ge- TSnuThallmcrier München %ßaünerfa:id. Glaser

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