Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 4 (26.1.1923)
- Date
- 1923-01-26
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Das Jüdische Echo Nr. 4 Bahnhof passieren, gerade jetzt häufig genug sehen. Viele von Ihnen werden kein Interesse daran haben, und selbst wenn Sie kämen, würden Sie nichts sehen als junge Menschen von wenig gepflegtem Äußern, und Sie würden Angst haben, durch Bekanntschaft mit ihnen den Antisemitismus gegen sich zu erregen. Gerade diese Chaluzi-m aber, indem sie Pioniere des Landbaues sind, sind Pioniere einer Zukunft, in der Ihre Kinder als Juden die Achtung genießen, die Sie ihnen selbst auf dem Weg des Inserates als Juden nicht werden verschaffen können. Es ist die Art großer Dinge, sich in so unscheinbarem Gewände vorzubereiten. Vom bayerischen Kriegsschauplatz Der Kissinger Saalezeitung vom 11. er. entnehmen wir folgendes hübsche Inserat: Die Sturmabteilung hat am Freitag abend vollkommen anzutreten zwecks technischer Anleitung und Wahl des Führers. Nationalsozialistische Arbeiterpartei Bad Kissingen Die Vorstandschaft Wir hoffen, daß die Sturmabteilung gar nicht mehr in Funktion zu treten braucht, weil der „Ansturm“ aller anständigen und wirklich erholungsbedürftigen Kurgäste durch. Inserate solcher und ähnlicher Art in dieser übrigens, so viel wir wissen, einzigen in Kissingen erscheinenden Zeitung sicherlich entsprechend nachlassen wird. An die Kurverwaltung in Bad Kissingen erlauben wir uns die Anfrage, ob sie glaubt, angesichts einer solchen, wie man sieht, für Mord und Totschlag organisierten Bande, für einen geregelten Kurbetrieb sorgen zu können. Die „Geistigkeit“ einer Münchner Behörde Der Berliner „Vorwärts“ erfährt: Der Münchener Reichsfilinprüfstelle lag ein Antrag auf Zulassung des Films „Nathan der Weise“ vor. Der Film hält sich streng an das Drama von Lessing. Das erste Gutachten gab Regierungsrat Dr. Merberger, Referent für öffentliche Ordnung und Sicherheit am Polizeipräsidium in München ab. Er führte laut Protokoll aus: „Mit nackten Worten gesagt, ist der Inhalt des Films: der Jude ist alles, die anderen, ob Christ oder Türke, sind nichts. Die breite Darstellung dieses Inhalts, in typisch jüdisch gefärbtem Sinne durchgeführt und in vielen Fällen für unser gereiztes Publikum zu grell unterstrichen, muß Andersdenkende und Fühlende verletzen, muß insbesondere in der heutigen politisch zugespitzten Zeit öffentlichen Anstoß erregen, wo keiner als der schlechtere zurückstehen will und wo größere Volksteile in den Juden Ursachen ihres Unglücks erblicken.“ Das Gutachten kommt zu dem Schluß, daß der Film außerordentlich geeignet erscheint, die öffentliche Ordnung der Sicherheit zu gefährden. Der andere Sachverständige, ein Pfarrer, meinte, die gegebene Lösung der Frage, welches die beste Religion sei, muß als verletzend empfunden und scharf abgelehnt werden und die überwiegende Herausarbeitung des Judentums als der weitaus besten, muß besonders zur Jetztzeit sowohl den katholischen als auch den protestantischen Teil der Bevölkerung verletzen. Die Kammer ließ den Film trotzdem zu. Ein Regierungsoberinspektor legte Beschwerde ein. Die FiLmüberprüfstelle zu Berlin verwarf die Beschwerde und gab den Film „Nathan der Weise“ frei. — Jeder Kommentar könnte nur abschwächen. München. Selbst gutgläubige Christen, deren Eltern und Großeltern bereits das Judentum verlassen haben, haben auch unter dem Antisemitismus zu leiden. Wie wir hören, beabsichtigen verschiedene christliche Mitbürger, deren Familiennamen noch jüdisch klingen, bei der Regierung um Namensänderung einzukommen. Als Grund wird hierfür angegeben, daß ihre Kinder in den Schulen durch ihren Namen steten Anpöbelungen ausgesetzt sind. Man sieht, der Antisemitismus treibt immer herrlichere Blüten. Aus der Jüdischen Welt Palästina Die Stadtanleihe Tel-Awlws Von Richter Rosenblatt, der sich in Amerika mit der Unterbringung der Tel-Awiwer Stadtanleihe befaßt, ist am 1. Januar in Tel Awiw ein Telegramm eingelaufen, wonach die Placierung der Anleihe ohne allzu große Anstrengungen und Reklame in Amerika erfolgreich vor sich gehe. Eine christliche Bank habe Schuldscheine für 3000 Pfund erstanden. Bereits im Laufe dieses Monats soll die erste Rate der Anleihe im Betrage von 25 000 Pfund nach Tel Awiw überwiesen werden und der Rest im Verlaufe der nächsten zwei Monate. Die palästinensische Volkszählung Die amtlichen Ziffern Das Kolonialamt hat soeben die Ergebnisse der jüngst in Palästina stattgefundenen Volkszählung veröffentlicht. Danach wohnen in Palästina: Muselmanen 589 564, Juden 83 794, Christen 73 026, Drusen 7028, Samaräer 163, Bahais 265, Metawallis 156, Hindus 1454, Sikhs 408, insgesamt 755 858. Der Gesundheitszustand in den Kolonien Jaffa. Nach einer im „Doar Hajom“ veröffentlichten Statistik hat sich der Gesundheitszustand in den Kolonien im Vergleich zu den Kriegsjahren wesentlich gebessert. Die Malaria ist auf etwa 75% gegen das Vorjahr zurückgegangen. Bei einer noch durchzuführenden Regelung der Wasserverhältnisse ist eine weitere Besserung zu erwarten. 2000 Piund-Vermächtnis für die hebräische Universität Der. kürzlich verstorbene Dr. Isaac Gelibler von Zamac hat in seinem letzten Willen sem Eigentum, ein Haus, eine Anzahl wertvoller medizinischer Instrumente und eine Bibliothek itn Werte von 2000 Pfund der hebräischen Universität von Jerusalem vermacht. Deutschland Die Bjalik-Feier in der Berliner Philharmonie Die von der hebräischen Kulturorganisation Beth-Waad zu Berlin am 16. Januar abends veianstaltete Feier zu Ehren des 50. Geburtstages Chaim Nachman Bjaliks nahm einen großartigen und erhebenden Verlauf. Lange vor Beginn der Feier war der Riesensaal der Berliner Philharmonie, der mehrere tausend Personen faßt, bis auf den letzten Platz gefüllt. Viel wurde bemerkt, daß Bjalik selbst in seiner bekannten Abneigung, sich öffentlich feiern zu lassen, im Saale nicht anwesend war. Um 9 Uhr abends eröffnete Dr. Bernfeld im Namen des Beth-Waad die Festversammlung und zog eine geistvolle Parallele zwischen Bjalik und Jehuda Halewi.