Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 4 (26.1.1923)
- Date
- 1923-01-26
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 47 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE Stürmisch akklamiert betrat dann Nahun So« kolow die Tribüne und entwarf in meisterhafter hebräischer Rede eine Charakteristik Bjaliks als nationalen Dichter, den Sänger der Wiedergeburt. „Freuen wir uns“, schloß er, „daß wir Zeitgenossen Bjaliks sind!“ Oberr abbin er Prof. Dr. C h a 3 e s . der deutsch sprach, gab der Hoffnung Ausdruck, daß mit der Zunahme der nationalen und internationalen Geltung der hebräischen Sprache auch der Ruhm Bjaliks wachsen wird. Wladimir J a b o t i n s k i entwarf ein Bild des Menschen und Dichters Bjalik, der nicht allein in seinen nationalen Gesängen, sondern auch in seinen Liebes- und Naturliedern ein Sänger des Protestes gegen die Armseligkeit unseres Lebens ist, „Bjalik hat nichts, das seiner würdig ist, aber die kommenden Geschlechter werden ihm gehören.“ Der Dichter S. Schneur sprach hierauf ein schönes Poem, „Der Zaddik kommt“. Für die Erschienenen war es ferner ein freudiges Ereignis, Saul T scher nichowski begrüßen zu können, der ebenfalls ein Gedicht zu Ehren des Jubilars vortrug. Mit erlesenen Darbietungen jüdischer Musik schloß die erhebende Feier. Polen Eine jüdische Fabrik in Pinsk abgebrannt In Pinsk brannte die große Zündhölzchenfabrik „Progreß-Vulkan“, die die größte ihrer Art in ganz Polen war, vor einigen Tagen gänzlich ab. 750 jüdische Arbeiterfamilien wurden brotlos, außerdem geriet die jüdische Bevölkerung der Umgebung (Fuhrleute, Expedienten und Angestellte), die von der Fabrik ihre Einkünfte bezogen, in eine schwere materielle Bedrängnis. (J. C. B.) Frankreich Der „Jude“ Blum Der erste Redner, der vorige Woche in der Pariser Kammer gegen die Besetzung des Ruhrgebietes energisch protestierte, war der jüdische Abgeordnete Blum. Es ist interessant zu hören, wie die Kammer auf seine Ausführungen reagierte. Nach dem „B. T.“ führte Blum folgendes aus: „Nicht nur im Namen der Sozialisten, sondern im Namen vieler Franzosen und im Interesse des Landes“ (Beifall links; rechts wird gerufen: „Jude!“). Blum: „Sie wollen mich beleidigen; aber da ich Jude bin, halte ich Ihren Zuruf nicht für eine Beschimpfung.“ Der Royalist de Verneuil ruft: „Gehen Sie Sauerkraut fressen!“ (Stürmische Entrüstung bei vielen Abgeordneten.) Die Sitzung wird aufgehoben. Nachdem sie wieder aufgenommen ist, protestiert der Abgeordnete Archimbaud gegen die Zurufe des Royalisten und der Präsident bittet in sehr höflicher Weise, „konfessionelle Fragen“ nicht in die Debatte zu ziehen. Blum setzt seine Rede darauf fort. Man kann darauf ersehen, daß die Meinung, Frankreich sei vollkommen frei von Judenhaß, irrig ist Auch hier das alte Lied: Die Reaktion auf eine Stellungnahme gegen die Regierungspartei eines Landes seitens eines Juden ist stets der Antisemitismus. Frithjof Nansen und die jüdischen Organisationen Paris. (J. C. B.) Das Komitee der jüdischen Delegationen richtete an Dr. Frithjof Nansen anläßlich des ihm verliehenen Nobel-Preises ein Glückwunschtelegramm, in welchem Dr. Nansen als eifriger Organisator der Hilfsarbeit für die Hungernden in Rußland und als Verfechter der Minderheitsrechte im Völkerbundsrat begrüßt wurde, ln seinem Dankschreiben sagt Dr. Nansen unter anderem: Ich empfinde den tiefsten Dank für die Unterstützung, die die jüdischen Organisationen meinem Werk haben zuteil werden lassen. tiuiimiimiimimminniumuiiiiiiHiiiiiiiuiiiiiiitmiUHniiiiiiiiiiiiiiimiiimHimitiiHtHHtniiniiiiJi Fortsetzung des Feuilleton folgt in der nächsten Nummer des „Echo“. ililniiitiiilitniiiiiliiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiniiiiiiiimiiiiililMIlilifillllllllliiiliiiliiliiiimlliiiüili'iiliiliniT Gemeindenu.Vereins-Echo Nationalionds München. Die glänzend verr laufene Filmvorführung hat dem N.F. wieder eine Reihe von neuen Freunden zugeführt. Wir bitten unsere Freunde, uns Adressen von interessierten Gemeindemitgliedern zugehen zu lassen, damit wir diesen Propadandamaterial übersenden können. Die Anforderungen an den N.F. sind infolge der unerhörten Markentwertung besonders groß geworden, sodaß es der Anstrengung aller bedarf, um das vorgeschriebene Kontingent zu erreichen. Der Verband der jüd. Jugendorganisationen Münchens nimmt schärfstens Stellung gegen die gefährliche Erklärung der Ortsgruppe München des Centralvereins d. St. j. Gl, in den Münchener Tagesblättern, die den Antisemiten selber die Waffen in die Hand gibt und gegen die verräterische Stellung des Verbandes der nationaldeutschen Juden. Wir erklären vollste Solidarität als Juden mit allen Juden in Deutschland. Für den Verband: Fritz Weißbart. J. J. V.: Ernst Lewin; Esra u. V. j. A.: Louis Levinger; J. J. W. B.: Herbert Fröhlich; Blauweiß- Mädchen: Martha Held; Bar Kochba: Ernst Heumann; Jüdisch, Arbeitsgemeinschaft; Wilschinsky; V. j. St. Jordania: Etienne Basch; Jüd. Wanderbund Blau-Weiß: Erich Deutsch Der Verband jüdischer Jugendorganisationen Münchens, dem alle neutralen, orthodoxen und nationalen jüdischen Jugendgruppen Münchens angehören, hat beschlossen, einen Sprechsaal für jüdische Gegenwartsfragen auf neutralem Boden einzurichten. Vorträge und kleinere Referate sollen dazu dienen, die einzelnen Gruppen über die verschiedenen Anschauungen in gemeinsamer Aussprache zu orientieren. Der 1. Vortrag findet Samstag, den 27. Januar im Bibliotheksaal der jüdischen Kultusgemeinde Herzog Maxstraße 7/2. abends 8 Uhr statt. An Stelle des erkrankten Dr. Giinzburg spricht Dr. M. J. Gutmann über „die Lage des jüdischen Volke s“. Die Jugend aller jüdischen Parteien ist hierzu ein-- geiaden.