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Das jüdische Echo · 1923-01-26 · 4 (26.1.1923) · p. Seite 45

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
4 (26.1.1923)
Date
1923-01-26
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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Nr 4 Das Jüdische Echo 45 das taten, für viele von uns nicht mehr lebendig, tebendig aber ist das jüdische Gefühl geblieben, das auch wie vor zum Dienst an der übergeordneten Gemeinschaft des jüdischen Volkes zwingt. Und es hat heute seinen Ausdruck in der zionistischen Bewegung, über deren Berechtigung nicht mehr wie vor Jahren diskutiert zu werden braucht Wenn sie damals noch als das utopische Produkt einiger Fanatiker verlacht werden konnte, beute muß noch dem Widerstrebenden klar sein, daß durch sie sich ein historisches Ereignis vollzieht. Und hier interessieren uns nur die Wirkungen dieses Ereignisses auf den Antisemitismus. Man hat uns früher entgegengehalten, daß der Zionismus unnötig sei; mehr noch: daß seine Existenz den fortschreitenden Prozeß eines immer mehr verschwindenden Antisemitismus hemme. Man wird uns das wohl heute nicht mehr entgegenhalten wollen. Nun ist zwar richtig, daß auch der Zionismus nicht die Grundvoraussetzung des Antisemitismus, das Vorhandensein von Juden, aufheben kann, aber seine weiteren Voraussetzungen, das Vorhandensein einer ungeschützt preisgegebenen und deshalb verachtetest Minorität — die kann er allerdings aufheben. Das heute wirksame Bild des Juden als das eines" unproduktiven Händlers, eines zersetzenden Intellektuellen und eines Schmarotzers am geistigen Gute der andern, muß vor einem neuen Bilde verschwinden: wenn wieder eine jüdische Gemeinschaft, normal gegliedert und in allen Stufen menschlicher Produktivität tätig, ihr Brot aus eigenem Boden und ihre Kultur aus den Tiefen der eigenen Seele zu schaffen versteht. Dies neue Bild in seinen Anfängen schon heute sichtbar, wird gewiß seine Zeit brauchen, in das Bewußtsein der Völker zu dTingen. aber dann muß es zwangsläufig das des gespenstisch wandernden, auf keiner Scholle wurzelnden Juden aufheben und damit die Achtung begründen, die erste Voraussetzung für ein normales Zusammenleben natürlich getrennter Gruppen ist. Die Furcht, als schlechte Deutsche zu gelten, drapiert sich durch die Kühnheit mit der unsere Gegner diesen antisemitischen Ein wand (der von dieser Seite immer zu erwarten ist) ganz speziell den Zionisten zuweisen wollen. Nun. lassen Sie uns einen Augenblick, fern aller Demagogie, diesem entscheidenden Emwand, dem Einwand der Angst ins Angesicht sehen. Auch der deutsche Zionist ist ein Kind deutschen Bodens und deutscher Kultur. Deutsche Landschaft gab ihm das Urerlebnis des Naturgefühls; deutsche Sprache die Möglichkeit der Bildungserlebnisse. Besonders diese Tatsache, daß die deutsche Sprache die einzige ist, die der deutsche Zionist so vollständig beherrscht, wie man eine Sprache beherrschen muß, wenn sie mehr als Begriffe vermitteln, wenn sie durch den Geist ihrer Form in Tiefen führen soll, wo das wahre Verständnis, jenseits des Begriffes gerade erst beginnt — diese Tatsache besonders ist einfach ausschlaggebend. Eine ungeheure. nie zu lösende, innerlich ewig bindende Verkettung mit dem Deutschtum besteht für jeden, der rn ihm aufgewachsen und einer seelischen Bildung durch Kultureinflüsse überhaupt zugänglich' ist. Und nur in dieser tatsächlichen inneren Verknüpftheit besteht der Gradmesser für die Beziehungen, die jemand! zum Deuschtum unterhält Ein Deutscher, wenn dies Wort kein Rassen begriff sein soll, ist ein Mensch deutscher Kultur. Und ich wage die Behauptung, daß in dieser Beziehung zwischen einem Zionisten und einem Nicht- Zionisten bei sonst gleichen menschlichen Qualitäten gar kein Unterschied besteht. Und kein Mensch hat ein Recht zu verlangen, daß dieser deutsche Lebenskreis nun auch alle anderen Lebenskreise in sich schließt, denen ein Mensch etwa angehören kann. Vielleicht ist es ein Glück, wenn Glaube, Abstammung. Sprache und Staat harmonisch zusammenfalten, aber dien wenigsten Menschen ist dies Glück beschieden: sehen Sie auf die Nationalitätenstaaten; sehen Sie auf die Unterschiede noch in geschlossenen Nationalstaaten. Es ist die verbohrteste Form des Nationalismus, die bespitzelt und verdächtigt, was nicht ganz dem engen Normalmaß der herrschenden Schicht entspricht. Und dieser verbohrtesten Form haben sich unsere Gegner an geschlossen, statt gerade, auch von ihrem Standpunkt aus, die Einstellung zu bekämpfen, deren Engherzigkeit nicht nur den jüdischen, sondern ebenso den deutschen Interessen widerspricht. Es ist die Einstellung. auf Grund deren man in gewissen Grenzländern so erfolgreich germanisiert hat. Wer sich mit dieser Art von Einstellung als Jude identifiziert, der wird in Wahrheit damit nicht dem Zionismus, sondern sich* selber schaden, weil die Geister, die er rief, ganz bestimmt vor ihm. selbst wenn er inseriert, nicht Halt machen. Nein, meine Damen und Herren, wenn wir den Antisemitismus in seinem Grunde aufheben wollen. dann gibt es nur den einen Weg: seiner nicht zu achten und unbekümmert um ihn dem jüdischen Zukunftsziele nachzustreben. Dann werden wir am Ende unseres Weges durch die Macht einer Tatsache auch die Feindschaft aufgehoben haben, die nicht aufheben kann, wer sich durch sie das Gesetz seines Handelns bestimmen läßt. Die jungen Juden, die als Arbeiter und Handwerker nach Palästina gehen, das jüdische Heim zu errichten, nennen wir Chaluzim. und: das heißt: Pioniere. Und Sie können sie. wenn sie in kleinen Trupps auf dem Wege ins Land den Münchner POBXBLLAH-NnwraiLi«! MÜNCHKN THE ATI H ERSTRAS SR 9$ gugmüUr Aar FaMarrukmRs BÖ9STC AUSWAHL IX CtKXBAUClSPHBXlIiLAff TlflLICIE IiAHKBKKSÄIIVIS

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