Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 3 (19.1.1923)
- Date
- 1923-01-19
- Page
- Seite 36 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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t 36 Das Jüdische Echo Nr. 3 von Eynern von neuem betont werden, wenn auch Herr Minister Severing sich das schwere Mißfallen des Herrn Abgeordneten Fischbeck zugezogen hat, indem er unter Menschen von menschlichen Rücksichten sprach. Die indische Auffassung von Sittlichkeit beruht im wesentlichen auf dem Worte: ta twam asi. Das bedeutet: du mußt in jeder leidenden Kreatur dich selbst erkennen, nur dann wirst du die richtige Einstellung im Denken, im Handeln, in der Hilfsbereitschaft haben. — Die Deutschen werden sich daran gewöhnen müssen, wie die Würfel des Schicksals nun einmal gefallen sind, in dem Juden auch das Wesen zu erblicken, von dem es gilt: ta twam asi. Was die Juden erleben an erzwungenen Wanderungen, an Leiden im Kriege und nach dem Kriege, e s könnte einmal auchdeutsch esSchicksal werden, besonders wenn die Dinge sich so entwickeln, wie Herr Minister Severing voller Sorge uns vorgezeichnet hat. Und ich glaube, Herr Minister Severing steht mit dieser Besorgnis nicht allein. Arthur Schopenhauer, den die Deutschnationalen mit Stolz unter die Judengegner zählen, hat einmal die Juden den Hans ohne Land unter den Völkern genannt. Johann, der König von England, wurde spottweise so genannt, weil er sein Land verloren hatte, und Schopenhauer wendet das auf die Juden an. Als die Juden ihr Land verloren, zählten sie kaum so viel Millionen, wie es heute schon Deutsche sind, die ihr Land verloren haben und jetzt in der Irredenta, unter fremden Völkern wohnen. Wenn das eintritt, was sich ereignen kann und, wie ich fürchte, auch ereignen wird: wenn Deutschland gezwungen sein wird, Millionen und aber Millionen Menschen in andere Länder zu schicken, dann sind diese Deutschen in noch viel höherem Maße „Hans ohne Land“ unter den Völkern, als es die Juden jemals gewesen sind. Dann wird ein großer Kreis deutscher Menschen das Schicksal der Juden als eigenes Schicksal empfinden und sehen, daß das deutsche Schicksal, unter anderen Bedingungen und Verhältnissen, nur die Abwandelung des jüdischen Schicksals ist. Ich wünsche dann dem deutschen Volkstum die Kräfte, die das jüdische Volkstum fast in einer zweitausendjährigen Entwicklung als „Hans ohne Land“ bewahrt und bewährt hat. Nur dann wird sich das Deutschtum erhalten. Dann werden es die Juden sein, die dem ins Unglück geratenen deutschen Bruder nach dem Schicksalswort „Ta twam asi“ die hilfreiche Hand reichen, die heute der deutsche Mitmensch dem Ostjuden nicht reichen will. Es ist das geschichtliche Verdienst der Juden, nicht undankbar sein zu können. Es ist das Schicksal der Juden, daß sie immer mit inbrünstiger Liebe und Verehrung auf gesehen haben selbst zu den Ländern, wo sie durch Polizeischikanen, wirtschaftlichen Boykott und Zurückweisungen aller Art die schlimmsten Quälereien erlitten haben. Ich bin überzeugt, es werden einmal die Generationen von Ostjuden, die nach uns kommen, den deutschen leidenden Mitmenschen nicht entgelten lassen, was der Herr Abgeordnete Dr. Kaehler und seine Partei und was Herr Fischbeck und seine ungeistigen Brüder an den Ostjuden gesündigt haben. (Lebhafter Beifall bei der Ver. Soz.-Dem. P.) Severings Memorandum. Wie der A m 11 i c h e P r e u ß i s c h e P ressedienst mitteilt, hat der preußische Innenminister an den Reichsminister des Äußern, Herrn Dr. v. Rosenberg, eine eingehende Denkschrift gerichtet, in der er auf die vom innenwie außenpolitischen Standpunkt gleich bedeutsame Frage der Osteinwanderung hinweist und konkrete Vorschläge macht, durch die den aus dieser Zuwanderung drohenden Gefahren begegnet werden könnte. Wenn auch, so wird in der Denkschrift ausgeführt, in letzter Zeit die Zuwanderung nachgelassen habe, so sei doch zweifellos eine große Zahl von Flüchtlingen aus dem Osten zum Teil aus Gründen bei uns geblieben, die ihnen die Rückkehr in ihre Heimat oder eine Weiterwanderung tatsächlich unmöglich machen. Alle vom polizeilichen Standpunkt unternommenen Maßnahmen hätten sich gegenüber den Gefahren, die uns aus dem Zustrom von Leuten fremden Stammes drohten, als unzureichend erwiesen. Angesichts der Tatsache, daß es sich — welthistorisch betrachtet — um eine Wanderbewegung vom Osten her handle, bei der Deutschland die Brücke von Ost nach West bilde, komme es darauf an, Deutschland in seiner Schwäche und Armut davor zu bewahren, ein Kessel zu werden, aus dem die Einwanderer sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen können. / T?auThallmcuer München TheaünerÜrAQ. <jlaser ObvzellanjQ.