Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 2 (12.1.1923)
- Date
- 1923-01-12
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Das Jüdische Echo Nr. 2 de leur devouement respectueux et de leur profonde reconnaissance pour la bonte qui a toujours ete temoignee par Sa MajestS ä ses Sujets juifs. Les sionnistes ont le desir de soulager leurs fr&res malheureux dans differents pays d’Europe, et ils veulent contribuer ä la grandeur et prospörite de l’Empire ottoman. Ils esperent donc que la loyaute de ces tendances sera appreciee et encouragee par la haute Sagesse du Khalife. Je prie Votre Excellence de bien vouloir vous faire l’interprete de ces sentiments et voeux sinceres aupres de Sa Majeste Imperiale le Sultan. Dr. Theodore Herzl, President du Congres Sioniste. Der dritte Kongreß! 17. August, Basel. Meine Eindrücke: Am ersten Tage habe ich mich auf meinem Präsidentensitz bitterlich gelangweilt, am zweiten geärgert. Gaster kam her und agitierte in den Couloirs und Kommissionen gegen mich: das Tischtuch sei zwischen uns zerschnitten! Es wurde eine Art Schiedsgericht zurechtgebracht, dem er seine Gravamina gegen mich vorlegte. Ich antwortete, überführte ihn seines Unrechts, und wir gaben uns die Hände. Versöhnt war er so wenig, daß er in einer dumpfen Weise gegen mich Stimmung machte, namentlich wenn er den Vorsitz hatte. Greenberg sprach englisch gegen das A.-C. Gaster übersetzte die Angriffe mit Voluptät. Als aber der Obmann des Finanzausschusses ebenfalls englisch das Absolutorium empfahl, vergaß Gaster in der Übersetzung anzugeben, daß die Kommission vollauf befriedigt war. Bentwieh verlangte nähere Kassaausweise. Das rief einen Vertrauenssturm hervor, in welchem Gaster Herrn Bentwieh plötzlich im Stiche ließ und theatralisch zu meinen Gunsten sprach, was mir bei allen geschmackvollen Leuten nur schaden konnte. Dann saßen wir bis 2 Uhr morgens über der Banksache. Die Verhandlungen nahmen den Charakter einer respektablen Schläfrigkeit an, wie in einem wirklichen Parlament. Ich konnte nur bis 6 Uhr schlafen. Dann kam mir der Morgengedanke, die von Bentwieh verlangten, vom Kongreß verweigerten Details heute zu Beginn der Sitzung bekanntzugeben, sonst würde das ganze Jahr hindurch aus diesem Titel gegen mich agitiert werden. 18. August, Basel. Der dritte Tag war etwas amüsanter. Gegen Mittag lieferte ich das Präzedens einer Kabinetts- /Ve uh CI US ersfr. 15, gegenüber der alten Akademie frage, damit der Kongreß nicht zu glatt verlaufe. A Tale of a Tub von Swift. Während ich mit meiner Demission drohte, wenn die von mir den sieben Gründern der Bank versprochenen Foundershares vom Kongreß nicht bewilligt würden, erinnerte ich mich des Tunnels bei Baden, den die Südbahnbauer auch unnötig mitten in einer Ebene angebracht hatten, damit die Wiener sähen, was ein Tunnel sei. * * Gaster hielt gestern eine „Kulturrede“, die mehr ein theologischer Bierschwefel war. Le bois creux des guitares. * * * Abends die Generalversammlung der Kolonialbank, eine Parade. Eine statistische Darstellung, nämlich eine Darstellung von Statisten. Aber sehr effektvoll. 21. August. Rückkehr von Basel. Im Kupee hinter Salzburg. Der Kongreß ist glatt verlaufen. Eine gute Stimmung ist wieder erzielt worden — die sich nun wieder allmählich verlieren wird. Das Weiterarbeiten wird uns übrigens diesmal erleichtert durch eine vertrauliche Anleihe aus den kommenden Schekel. Der brave Schalit aus Riga, Barbasch, Dr. Katzeneisohn und Sachs versprachen je 5000 Fl. — wollen noch weiter sammeln, so daß ich Schritte in der Türkei tun kann und N... einen unmittelbaren Backschisch versprechen kann. * * * Ich war am vierten Tag sehr müde. Gaster hatte ich gesagt, ich würde ihn abends nach der Bahn bringen. Als ich ihm aber um 10 Uhr im Hotel sagte, daß ich müde sei, machte er ein so beleidigtes Gesicht, daß ich rasch hinzufügte, ich würde ihn dennoch begleiten; und so geschah es.. Alle Päpste wollen den Pantoffelkuß. * * * Und nachdem ich wieder eine Woche lang die Gefühle der Freiheit gekostet habe und ein Herr war, muß ich wieder in meine schnöde Knechtschaft bei der Neuen Freien Presse heimkehren, wo ich keine eigene Meinung haben darf. Es ist die Frage einiger lumpiger tausend Gulden, die ich als Familienvater nicht aufgeben darf. * * * Die für München besonders interessanten Stellen, die Aufschluß über den Schwabenstreich des damaligen Gemeindevorstehers, den 1. Kongreß wegzuprotestieren, gibt, werden wir demnächst bringen. Vom bayerischen Kriegsschauplatz Die Geldquellen der bayerischen Nationalsozialisten Auf der letzten Tagung des bayerischen Industriellenverbandes hatte das geschäftsführende Präsidialmitglied., Dr. Kuhlo, die Gerüchte über finanzielle Beziehungen des bayerischen Industriellenverbandes zu den Nationalsozialisten als Lüge und Verleumdung bezeichnet. Das gibt der „Süddeutschen demokratischen Korrespondenz“ Anlaß zu fragen, ob cs auch Lüge und Verleumdung sei, daß „zwischen den prominenten, einflußreichen Mitgliedern des Industriellenverbandes und den freigebigen und großzügigen Geldgebern des Herrn Hitler Personalunion besteht“. Weiter wird gefragt: „Bestreitet Dr. Kuhlo, daß er als der maßgebende Mann des Industriellenverbandes und