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Das jüdische Echo · 1923-01-05 · 1 (5.1.1923) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
1 (5.1.1923)
Date
1923-01-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo r BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE gegen diesen auf und bewies, wie falsch die Idee sei. daß die Juden den jüdischnationalen Geist und die hebräische Sprache auch in dem Galuth entwickeln können, wie Smolenski behauptet hatte. In diesem Briefe führte er den Beweis, daß eine vollkommene kulturelle Renaissance des jüdischen Volkes und der hebräischen Sprache nur in Erez Israel möglich sei. In Konsequenz dieser Anschauung begab er sich bereits 1881 nach Palästina, wo er an dem Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte zu arbeiten begann. Er zählte zweifellos zu den geistreichsten und bedeutendsten Juden, die in Palästina in den letzten Jahrzehnten gewirkt haben. Sogleich nach seiner Ankunft trat er in die Redaktion der damals in Jerusalem erscheinenden hebräischen Zeitung „Chawazeleth“ ein. später redigierte er die monatlichen Beilagen der Zeitung „Mewassereth Zion“. Als Journalist nahm er einen scharfen Kampf gegen die assimilatorischen Institutionen wegen ihrer Teilnahmslosigkeit am Wiederaufbau Erez Israels auf. Er griff unter anderem die Alliance Israelite Universelle an, weil sie die Emigration der russischen Juden nach Amerika, das er als „Friedhof des Judentums“ bezeichnete, unterstützte. Er verlangte, daß die Alliance statt dessen die Emigration der russischen Juden nach Palästina lenke, um so den Wiederaufbau Erez Israels zu ermöglichen. Seine Haupttätigkeit wandte er jedoch der Wiederbelebung der hebräischen Sprache als Umgangssprache zu. Auf diesem Gebiete leistete er Unvergängliches und er war der erste in Erez Israel, der in seinem Heime die hebräische Sprache als Umgangs- und Muttersprache eingeführt hat. Er begnügte sich jedoch nicht allein mit der Wiederbelebung der hebräischen Sprache, sondern suchte die Sprache zu entwickeln und den modernen Bedürfnissen anzupassen. So gehört er zu den ersten Schöpfern der modernen hebräischen Literatur- und Umgangssprache. Um die hebräische Sprache unter den Massen zu verbreiten, schuf er im Jahre 1885 die erste populäre und billige hebräische Zeitung in Palästina, den „Hazwi“. Da er als Grundbedingung zur Schaffung eines Kulturzentrums in Palästina die Existenz eines nationalbewußten lebendigen Volkes erachtete, begann er auch einen scharfen Kampf gegen die Chalukkah wegen ihres Systems, die palästinensische Judenschaft durch milde Gaben zu erhalten. Er unterstützte auf Schritt und Tritt die jüdische Kolonisation und die Forderungen der Kolonisten, die nach Palästina kamen, um nicht von Spenden, sondern vom Ertrag ihrer eigenen Arbeit zu leben. Er wurde auch dieses Kampfes wegen von der Orthodoxie schärfstens angegriffen und mehrmals von den orthodoxen Rabbinern Palästinas mit dem Bann belegt. Die Orthodoxie scheute selbst nicht vor Denunziationen zurück und erzielte sogar beim damaligen türkischen Pascha das Verbot seiner Zeitung. Kurz darauf wurde Ben Jehuda verhaftet. Trotzdem setzte er seinen Kampf gegen die Orthodoxie und ihre Machenschaften fort. Interessant ist, daß Ben Jehuda. als das englische Ugandaprojekt auftauchte, für das Eintreten der zionistischen Organisation für dieses Projekt gekämpft hat. Späterhin jedoch revidierte er seine Anschauung. In den letzten Jahrzehnten widmete er sich ausschließlich der Erforschung der hebräischen Sprache. Sein hebräisches Sprachlexikon gehört sicherlich zu den Standardwerks der modernen hebräischen Kultur. Von diesem sind bereits sechs Bände erschienen, das Manuskript des siebenten Bandes ist bereits druckfertig. Diese sieben Bände stellen aber erst die Hälfte des Wörterbuches dar. Ob es ihm gelungen ist, sein Lebenswerk zu Ende zu führen, ist noch unbekannt. Außer dem Lexikon veröffentlichte Ben Jehuda eine ganze Reihe von wertvollen Arbeiten, so eine Geographie Palästinas und eine ganze Reihe von mustergültigen Lehrbüchern für die jüdische Jugend. Seine letzten Lebensjahre widmete er der Arbeit an seinem Lexikon. An der von ihm begründeten hebräischen Tageszeitung „Doar Hajom“ hat er wenig mitgearbeitet. Die Hauptredaktion dieses Blattes ruht in den Händen seines Sohnes, des hebräischen Schriftstellers Ben A w i. Mit welcher Zähigkeit Ben Jehuda dein Ideale, die hebräische Sprache zur lebendigen Umgangssprache zu machen, diente, geht aus der folgenden Anekdote hervor: Als er sich in Paris mit einer dort studierenden Landsmännin verlobt hatte, teilte er ihr mit, daß er in Palästina, wo er damals bereits lebte, nur mit einem engen Kreise Umgang pflege, der ausschließlich Hebräisch spreche und keine andere Sprache verstehe. Daher müsse seine künftige Frau sofort mit dem Studium des Hebräischen beginnen. In der Tat setzte sie noch in Paris und auf der Überfahrt mit dem Erlernen des Hebräischen ein und als sie in Palästina war, hielten Ben Jehudas Freunde durch ein ganzes Jahr an dieser frommen Lüge fest. Erst als die Frau des Hebräischen genügend mächtig war, durfte sie erfahren, daß es mit der hebräischen Umgangssprache seiner Bekannten keineswegs so weit her war. Denn erst Ben Jehuda schuf das hebräische Milieu im jüdischen Hause, die hebräische Umgangssprache, und seine Kinder waren wohl die ersten, welche völlig hebräisch erzogen wurden und denen die Sprache der Bibel in vollem Sinne Muttersprache wurde. Uber seine wissenschaftlichen Leistungen mögen* die Urteile auseinandergehen, als Vorkämpfer des lebendigen Hebräisch bleibt sein Verdienst dauernd und unangetastet und ihr täglich größeres Aufblühen bedeutet für Ben Jehuda das schönste Denkmal. R. („Wiener Morgenzeitung“.) Ben Jehudas Beendigung. Jerusalem. Aus Anlaß der Beerdigung E. Ben Jehudas waren alle jüdischen Institutionen und Geschäftslokale in der Stadt geschlossen. Der Oberkommissär Sir Herbert Samuel war bei der Beerdigung vertreten. Es war das größte jüdische Leichenbegängnis Palästinas in der neuen Zeit. Am offenen Grabe sprachen Ussischkin, das Oberhaupt der palästinensischen zionistischen Exekutive; Mr. David Yellin, Oberhaupt des jüdischen Nationalrates in Palästina und viele andere. In der Stadt wurde eine dreitägige Trauer proklamiert. Einstein nach Argentinien berufen Ein Telegramm aus Buenos Aires meldet: Das Instituto cultural argentino-germano hat beschlossen, als erste deutsche Gelehrte, die zur Veranstaltung von Vorträgen in Argentinien eingeladen werden sollen, die Professoren Einstein und Abderhalden in Aussicht zu nehmen.

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