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Das jüdische Echo · 1923-01-05 · 1 (5.1.1923) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
1 (5.1.1923)
Date
1923-01-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Das jüdische Echo 5 Vom bayerischen Kriegsschauplatz Wir entnehmen der Münchener Post: Nationalsozialistischer Hausfriedensbruch und anderes. Am Donnerstag, den 21. Dezember, abends 6 Uhr drangen zehn Nationalsozialisten in die jüdische Volksküche, Klenzestraße 4, ein. Zwei Mädchen reinigten eben das Lokal. Zu einer davon sagte einer der Eindringlinge: „Bist du ein Judenmensch?“ Auch die eben dazugekommene Leiterin wurde angepöbelt. Dann wollten die Besucher die jüdische Nationalfondsbüchse beschlagnahmen. Einige fuchtelten mit Gummiknütteln umeinander und riefen immer: „Wann kommen die Juden zum Fressen?“ Der Vorfall wurde sofort der Polizei, Rumfordstraße 49, gemeldet und um Eingreifen gebeten. Der anwesende Schutzmann erklärte, er müsse erst das Protokoll aufnehmen. Als er dann in die Volksküche kam, waren die Eindringlinge bereits abgezogen. Damit blieb der Polizei die Mühe und die Unannehmlichkeit erspart, die Personalien der Nationalsozialisten, die Hausfriedensbruch und andere strafbare Handlungen begangen hatten, feststellen zu müssen. Der Schutzmann, der also nur noch feststellen konnte, daß die Gummiknüttelleute da waren, meinte naiv oder auch nationalsozialistisch ausgedrückt: „Da ist doch nichts dabei, wenn die Nationalsozialisten in die Volksküche hereingehen.“ (!!) Wenn es sich um ein Einzelvorkommnis handeln würde, könnte man sagen, daß der Schutzmann im Dienste seine nationalsozialistische, antisemitische Gesinnung zum Ausdruck gebracht und aus dieser Einstellung heraus auch seine dienstliche Handlung vollzogen hat. Da aber in München in den letzten Monaten nahezu täglich Übergriffe dieser bewaffneten Banden gemeldet werden, ohne daß wirkungsvoll dagegen eingeschritten wird, müssen aus diesen Tatsachen andere Schlüsse gezogen werden. Unserer Meinung nach ergibt sich daraus, daß es weniger auf die Gesinnung des einzelnen Schutzmanns als auf die Tatsache ankommt, daß bei den Schutzleuten das Empfinden vorhanden ist, daß ihren Vorgesetzten m der Polizeidirektion solche Anzeigen nicht erwünscht, ja manchmal direkt unangenehm sind. Das scheint uns der tiefere Grund für das laxe Auftreten der Außenorgane zu sein, womit die unerhörten Auswüchse sich immer übler bemerkbar machen und die Unsicherheit Münchens verhängnisvoll gesteigert wird. Durch dieses Verhalten der Behörden, für das die Regierung die volle Verantwortung trägt, werden die nationalsozialistischen Elemente, die zum Teil von dieser „politischen“ Tätigkeit leben, immer kühner. Die Kühnheit wird zu anderem gesteigert durch das Aufpeitschen Hitlers, der ja erst wieder ankündigte, daß es sich „nicht mehr um Monate, sondern nur noch um Wochen handle, bis der Schlag geführt sei.“ Aus der jüdischen Welt Palästina Sir Herbert Samuel!m Emek Jesreel. Jerusalem. Der Oberkommissar Sir Herbert Samuel hat neulich eine Reihe Ortschaften, darunter auch die Arbeitsgenossenschaft in Eju Charud. besucht und alle Anstalten der Arbeitsgenossenschaft, wie Schule, Kindergarten und das Krankenhaus, eingehend besichtigt. Der Oberkommissar erkundigte sich besonders nach der sanitären Lage der Siedlung, wobei er darauf hingewiesen wurde, daß die Umgegend von Eju Charud der einzige den Juden gehörende Boden ist, wo die Sümpfe noch nicht trocken gelegt sind, und daß diese Tatsache auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Arbeiter sehr nachteilig einwirkt. Die Mitglieder der „Kwuzah“ (Arbeitsgenossenschaft) ersuchten den Oberkommissar, ihnen zu erlauben, ihre Verwandten aus Europa nach Palästina zu bringen. Der Oberkommissar versprach,, diese Bitte in Erwägung zu ziehen. Seine besondere Befriedigung drückte Sir Herbert Samuel darüber aus, daß in der Klinik der „Kwuzah“ im laufenden Jahre etwa 5000 Araber unentgeltlich behandelt worden sind. Die Jaffaer Orangensaison. Das Exekutivkomitee der Jaffaer Orangenpflanzer und -Verschiffer hat nunmehr nach langwierigen Verhandlungen seine Abmachungen mit der Schiffslinie Moß Ellerman Prince Lines beendet. Danach wurden für die Verschiffung der Früchte nach England die Frachtraten pro Kiste auf 2 Schilling 3 Pence gegen 2 Schilling 6 Pence während der Saison 1921—1922 festgesetzt. Die erste Sendung von 15 000 Orangenkisten sollte Jaffa gegen den 15. November verlassen. weitere Verschiffungen sollen regelmäßig jeden zehnten Tag folgen. Auch die Verhandlungen wegen Herabsetzung der Bahnfrachten für den Örangentransport von Jaffa nach Jerusalem hatten Erfolg. Die Aussichten für die kommende Saison werden als gut bezeichnet. Die Kaufleute zahlen gegenwärtig den Pflanzern 25 bis 28 türkische Piaster für die Kiste. Eine neue Zementfabrik in Haifa. Dieser Tage kam der Kauf von 3000 Dunam Boden durch die Palestine Land Development Company als Teil eines größeren Bodenkaufes bei Haifa zum Abschluß. Diese 3000 Dunam wurden für die Zementfabrik „Nescher“ (Adler) erworben und amtlich auf deren Namen registriert. Diese Gesellschaft wird demnächst die ersten Schritte zur Errichtung der Fabrik unternehmen. Sie beabsichtigt, auf diesem Boden auch Arbeiterhäuser für ungefähr 200 Arbeiter zu erbauen. Das polnische Konsulat in Jerusalem. Wie eine polnische Telegraphenagentur berichtet, wurde das polnische Konsulat in Jerusalem eröffnet. Zum Konsul wurde Herr Adamkiewicz ernannt. Die öffentliche Sicherheit in Palästina. Jerusalem. Der Oberkommissär von Palästina. Sir Herbert Samuel, hat eine spezielle Kommission eingesetzt, welche die Frage der öffentlichen Sicherheit in Palästina zu regem haben wird. Den Vorsitz in dieser Kommission führt Sir Wyndham Deeds. Der Häuserbau in Palästina. Jerusalem. Wie der bekannte amerikanische Industrielle Vailet dem Vertreter des J.C.B. mitteilte, gedenkt er einige Millionen Dollars im palästinensischen Häuserbau zu investieren. Die erbauten Häuser sollen zu günstigen Bedingungen an die Bewohner weiter verkauft werden. Gleich nach den Pessachtagen soll mit dem Bau der ersten 100 Häuser begonnen werden. Zahlreiche Amerikaner besuchen Palästina. Dieser Tage haben sich mehr als 100 amerikanische Juden nach Palästina begeben, um dort Grundstücke zu erwerben, auf denen sie Häuser erbauen wollen. Es werden jetzt in Amerika Gruppen organisiert, die gemeinsam zwecks Bodenerwerbs Palästina besuchen wollen.

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