Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 50 (22.12.1922)
- Date
- 1922-12-22
- Page
- Seite 633 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 633 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE Inhaberaktien der Arbeiterbank (ä Pfund Sterling 1.2.0 für die Aktie) sind in Wien bei der Unionbank (Devisen-Korrespondenz, Renngasse 1) erhältlich. Informationen über die Erwerbung von Aktien und über die Zahlungsmodalitäten erteilt Herr M. Henisch. Deutschland Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden Eine Reihe wichtiger Momente veranlaßt die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden die für den 26. und 27. September anberaumte Erziehungskonferenz für einige Monate zu verschieben. Über den neuen Termin wird die jüdische Öffentlichkeit rechtzeitig Kenntnis erhalten. Von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden wird uns folgendes mitgeteilt: In den allernächsten Tagen wird an die deutsche Judenheit die Aufforderung ergehen, zur Hebung der Notstände unserer jüdischen Wohlfahrts-, Kranken-, Erziehungs- und anderer Anstalten, sowie der kulturellen Einrichtungen in Deutschland, Mittel im großen Umfange aufzubringen. Die Gemeinden und die Landesverbände veranstalten in Gemeinschaft mit der Zentralwohlfahrtsstelle eine Sammel-Aktion unter der Bezeichnung „Jüdische Not“. Sie richtet an alle in Deutschland lebenden Juden einen dringenden Appell, sich an der Sammlung nach Maßgabe ihrer Kräfte zu beteiligen. Das gesamte deutsche Judentum wird es als ihre vornehmlichste Pflicht betrachten, das große Werk zum Gelingen zu bringen. Nur wenn wir selbst uns aufraffen, alles Erdenkliche zur Linderung der Notstände zu tun, wird mit Sicherheit erwartet werden können, daß von Seiten ausländischer Organisationen in tatkräftigster Weise eingegriffen wird, um die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland über die gegenwärtig bittere Krisis hinwegzuhelfen. England Die jüdische Kolonialbank Die die Placierung der J. C. T.-Aktien betreibende Abteilung des Finanz- und Wirtschaftsrates der Zionistischen Organisation gibt bekannt: Die Bekanntmachung, daß die Dividende des J. C. T. für das Jahr 1921 5 Prozent gebührenfrei beträgt, sowie die Mitteilung, daß auf die Aktien der Anglo-Palestine Comp., dieser Schwesterngesellschaft des J. C. T., 7 Prozent Dividende ausgeschüttet werden, scheint einen sehr günstigen Eindruck auf die Juden der ganzen Welt gemacht zu haben. Während der letzten zehn Jahre hat die J. C. T. ungefähr 10 000 Pfund an Dividenden ausgezahlt, welche Tatsache sich bei der gegenwärtig in verschiedenen Ländern in Angriff genommenen Kampagne für die Kapitalserhöhung der Bank geltend macht. Fast in allen Ländern sind besondere Komitees oder Vertreter mit dem Verkauf der J. C. T.-Aktion beauftragt. Die amerikanische Zionistische Organisation hat mit ihrer Aktion am 15. November eingesetzt, indem sie die jüdische Bevölkerung aufforderte, 1 0 0 0 0 0 Aktien ä 1 Pfund zu erwerben. Die dortigen zionistischen Hauptstellen sind überzeugt, daß dieser Betrag binnen kurzem gezeichnet werden wird. Selbst in England, wo augenblicklich Sammlungen gewissen Schwierigkeiten begegnen, schreitet der Aktienverkauf recht befriedigend fort. Gegen 4500 Pfund sind in England bereits eingegangen. Die Abteilung des Finanz- und Wirtschaftsrates, die den Aktienverkauf betreibt, hat besondere Vertreter zu diesem Zweck nach Großrumänien, den baltischen Staaten, wie auch nach Holland und Finnland entsandt. Polen Narutowicz Warschau (Tel. der Poln. Tel.-Ag.). Heute mittags während der feierlichen Eröffnung der Jahresausstellung im Gemäldesalon wurde gegen den Staatspräsidenten Naturowicz ein Attentat verübt. Der Präsident ist tot. Der Attentäter ist der akademische Maler E1 i g i u s z Niewiadomski. Er wurde festgenommen. Hiezu schreibt die „Wiener Morgenzeitung“: Gabriel Narutowicz, zwei Tage lang Präsident der polnischen Republik, war ein gläubiger Katholik. Aber der Schuß, der ihn traf, galt dem Judentum. Die Agitation, die sich unmittelbar nach seiner am 9. Dezember erfolgten Wahl erhob, trug die verzerrten Züge des antijüdischen, bis zum Wahnsinn entflammten Hasses. Narutowicz #ar in einem heftigen Wahlkampf Sieger über den Kandidaten der reaktionär-nationalistischen Gruppen geblieben. Den Ausgang der Wahl hatten die nationalen Minderheiten, die Juden, Deutschen, Weißrussen und Ukrainer entschieden. Kein Wunder, daß die Person dieses in der Schweiz ausgebildeten, vornehmen Pazifisten augenblicklich zum Zentrum der wütendsten Angriffe wurde, der eine geschickte Hand alsbald den antisemitischen Grundton gab. Das Schicksal, das Narutowicz getroffen hat, war fast auf die Stunde genau vorauszusehen. So vehement und so gut vorbereitet war der Sturm losgebrochen, daß die polnische Regierung noch knapp vor ihrem verfassungsgemäßen Rücktritt die Straßen der Hauptstadt hatte durch Militär besetzen lassen und daß der Präsident sich nirgends ohne Ulaneneskorte hatte zeigen dürfen. Man hat Narutowicz als Kandidaten der Juden ausgegeben, ihn als Repräsentanten jüdischer Interessen bezeichnet und der von Hetzern ä la Jutoslawski bearbeiteten studentischen Jugend denunziert. „Tod den Juden!“ scholl es nach der Wahl durch die Straßen, „Boykott gegen die Juden!“ predigte der gewesene österreichische Generalstäbler Haller, „Polen muß von den Juden befreit werden, die den Narutowicz auf den Schild gehoben haben!“ war der mit eintöniger suggestiver Kraft in allen Versammlungen, allen Zeitungen wiederholte Kehrreim der giftigen Hetze. Es ist unnötig zu sagen, daß die Abstimmung der jüdischen Abgeordneten nur Ausfluß des Rechtes ihres Mandates war und daß sie in der gegebenen Situation gar nicht anders hätten votieren können. Ebenso wie sie hatten auch die Vertreter der anderen nationalen Minderheiten sich für den,Mann entscheiden müssen, der als Minister des Äußern bei jeder Gelegenheit den entschiedenen Willen zum Frieden und zur inneren Konsolidierung Po-