Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 50 (22.12.1922)
- Date
- 1922-12-22
- Page
- Seite 632 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103027-9147625--05365-9078034- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
632 Das Jüdische Echo Nr. 51 kennbar geblieben sind, inmitten all dieses Jammers, blühende, lachende Felder, tragende Bäume, saubere Häuser, lachende, fröhliche, gesunde Menschen; jüdische Siedlungen, jüdische Menschen. Man sieht die schwer Arbeitenden, man sieht aber auch ihre Leistungen. Und nicht nur ihre wirtschaftlichen Erfolge. Man bekommt einen mehr als abstrakten Begriff von dem geistigen Leben des neuen Jischuw, wenn man mit eigenen Augen die Stätten sehen kann, die hebräische Sprache und wahrhaft jüdisches Leben ausstrahlen, nicht nur in das kleine Ländchen Palästina. sondern schon jetzt wieder über die ganze Welt. Es hat einen ungemein hohen Reiz, ein jüdisches Fest im jüdischen Lande, und wenn auch nur im Bilde, zu sehen, bestimmte Vorstellungen mit den Menschen zu verbinden, die die Führenden und Ausführenden an der großen Sache sind, die nichts anderes als Erhaltung des Lebens und Rettung der Ehre der jüdischen Gesamtheit bedeutet. Es wäre sinnlos, zu zergliedern, was ein solcher Film dem Einzelnen geben kann. Es wäre ja auch gar nicht möglich. Denn jeder wird ja doch anders sehen und anders fühlen, den empfangenen Eindruck anders verarbeiten. Was hier festgestellt werden soll, ist die Tatsache, daß nichts von all den Möglichkeiten, die wir bisher hatten, so geeignet ist, als dieser Film. Ersatz dafür zu sein, daß wir nicht in eigener Person hinüber nach Erez Israel fahren können. Ein starkes Bindungsmittel ist dieser Filmstreifen, stärker und vor allen Dingen überzeugender, als das geschriebene Wort. Es ist selbstverständlich, daß diesen Lichtseiten eine ganze Reihe von Nachteilen, mehr oder weniger schwerer Art gegenüber stehen, daß der Film nur Ausschnitte, noch dazu unvollständige Ausschnitte geben kann, daß die Farbe, das Wort und das Wichtigste, das Leben fehlt. Der Film ist ein Ersatzmittel, ein Surrogat, lange nicht so gut, als die Präparate, die uns in Deutschland der Weltkrieg beseheerte. Aber er ist das Beste, das wir haben. Der neue Palästinafilm wird in den nächsten Wochen in Bayern und Württemberg an verschiedenen größeren Orten zur Aufführung gelangen. Wer das Bedürfnis in sich spürt, Palästina und sei es auch nur um ein winziges Stückchen näher zu kommen, wer den Wunsch hat, nicht nur zu hören, sondern selbst, wenn auch nur mit den Augen eines anderen zu sehen, der komme! Li-r. gegenüber der alten Jlkademie Aus der Jüdischen Weift Palästina Die Entwicklung der Palästina-Arbeiterbank Der jüdischen Arbeiterbank in Palästina wurde bei ihrer Gründung im vorigen Jahre mit einer gewissen Skepsis begegnet. Manchen konnte es nicht einleuchten, daß auch Arbeiter eine Bank haben müssen, die ja nach der herrschenden Ansicht ein kapitalistisches Unternehmen ist.. Andere wiederum hegten Bedenken, ob die idealistisch gesinnten jüdischen Arbeiter in Palästina über das nötige Maß von praktischem Geschäftssinn verfügen, um ein derartiges Institut geschäftsmäßig leiten zu können. Alle diese Bedenken wurden durch die veröffentlichte Bilanz dieser Bank pro 30. September d. J. vollends zerstreut. Wie aus dieser Bilanz hervorgeht, ist die Arbeiterbank nicht bloß bestrebt, ihrem Programm nach Maßgabe ihrer bescheidenen Mittel möglichst gerecht zu werden, sondern sie ist auch in einer stetigen Entwicklung begriffen, die als zufriedenstellend bezeichnet werden kann. So betragen z. B. die Aktiva bezw. Passiva mit genanntem Tage über 70 000 ägyptische Pfund und der Totalumsatz im Monat September d. J. beläuft sich auf 117 530 ägyptische Pfund. Die Tätigkeit der Arbeiterbank wird durch folgende Ziffern veranschaulicht: Mit Ende September betrug der Stand der Darlehen und diskontierten Wechsel für öffentliche Arbeiten 18 613, landwirtschaftliche Betriebe 3342, Kooperativen 4852 und Institutionen 16 296 ägyptische Pfund. Mit der fortschreitenden erfreulichen Entwicklung der Arbeiterbank wächst naturgemäß auch der Grad des Vertrauens, den die Öffentlichkeit in ihre Gebarung und Tätigkeit setzt. Infolgedessen steigen auch stetig die Depositen und Kontokorrenteinlagen, die inklusive des Darlehens der Zionistischen Organisation und diverser Bankkredite am Abschlußtage 38 786 ägyptische Pfund betrugen. Da die ausgegebenen 30 000 Aktien bereits zur Gänze verkauft sind, wurde für den 7. bezw. 14. Dezember d. J. nach Tel-Awiw eine außerordentliche Generalversammlung der Arbeiterbank einberufen, die über die Erhöhung des Aktienkapitals beschließen soll. Ein Drittel aller Aktien wurde in Palästina placiert, wo man die segensreiche Tätigkeit der Arbeiterbank aus der Nähe beobachten kann und deren große Bedeutung für den Aufbau des Landes, namentlich im Hinblick auf die gegenwärtige wirtschaftliche. Krisis, voll und ganz zu würdigen weiß. * Die Erkenntnis von der Wichtigkeit der Arbeiterbank und der notwendigen Einbeziehung der Wirksamkeit zugunsten derselben in den Kreis der allgemeinen zionistischen Aufgaben dringt allmählich auch außerhalb Palästinas durch. So hat der kürzlich stattgefundene Delegiertentag der deutschen Zionisten in Kassel folgenden Antrag einstimmig zum Beschluß erhoben: „Der Delegiertentag erblickt in der jüdischen Arbeiterbank ein wichtiges Instrument der Finanzierung und wirtschaftlichen Entwicklung'des Palästina-Aufbaues. Er ruft alle Zionisten zur Unterstützung der Aktion zur Verbreitung der Aktien der Arbeiterbank auf und beauftragt den Landesverband, die Aktion aufzunehmen und mit allen Mitteln zu fördern.“ Bekanntlich hat auch der letzte Parteitag der österreichischen Zionisten eine ähnliche Resolution beschlossen. *