Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 46 (17.11.1922)
- Date
- 1922-11-17
- Page
- Seite 575 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 575 Vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die jüdischen Frontsoldaten zur Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen zusammenzusehließen, insbesondere zur Abwehr aller Angriffe, die auf eine Herabsetzung ihres vaterländischen Verhaltens im Kriege gerichtet sind, hielt am Sonntag, den 29. Oktober, in Berlin im Logenhaus U.O.B.B. seine Hauptversammlung ab, zu der die Mitglieder des Bundesvorstandes und eine große Anzahl von Delegierten auswärtiger Ortsgruppen erschienen war. Die Tagung wurde durch den Geschäftsbericht des Vorsitzenden, Herrn Dr. Leo Löwenstein, eingeleitet, der im Verlaufe dieser Ansprache der zwölftausend auf dem Felde der Ehre gefallenen jüdischen Kämpfer des deutschen Heeres gedachte, deren Geist und Überlieferung vom Bunde immer als wertvolles Gut gehütet werde. Es bleibt die Aufgabe des Bundes, in stolzer Trauer auf die Gefallenen die Lebenden zu sammeln zu ihrem Kampf für die Ehre des deutschen Judentums. Der Geschäftsbericht wies einen erfreulichen Zuwachs an Ortsgruppen und Mitgliedern auf und zeigte, daß sich die junge Organisation im letzten Jahre innerlich gefestigt habe und trotz der Schwierigkeiten, die aus dem Mangel an materiellen Mitteln erwachsen sind. Die Bundeszeitschrift blickt auf ein einjähriges Bestehen zurück und soll in Zukunft eine zweckmäßige Ausgestaltung erfahren. Auch sollen die Landesverbände stärker durchorganisiert werden. Hierauf hielten die Mitglieder Dr. Wiener -Berlin und Hechinger- München Referate über die gegenwärtige antisemitische Bewegung. Beide Referenten schilderten die Auswüchse dieser Bewegung in Deutschland und beleuchteten die Mittel, mit welchen von Seiten der Gegner gearbeitet wird. Besonders schwierige Verhältnisse bestehen in Bayern, wo schwere Ausschreitungen gegen jüdische Bürger Vorkommen. Als erfreuliche Tatsache wurde von dem Münchener Vertreter die unparteiische Haltung des Bayerischen Kriegerbundes und seiner Leitung gegenüber den dortigen Ortsgruppen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten erwähnt. Im Anschluß an diese Referate wies der Bundesvorsitzende darauf hin, daß es eben für Deutschland zwei Wege zur Gesundung gebe, der erste sei der Zusammenschluß aller vernünftigen Elemente nach rechts und links und Mitte, um unser Vaterland bei möglichster Ruhe im Innern über die schweren Gefahren hinweg zu bringen, die ihm von allen Seiten drohen. Dieser Weg erfordert gewisse Entsagung bei allen Parteien und bei jedem Einzelnen. Der andere Weg der Entwicklung ist der des Bürgerkrieges, der ungeheure blutige Opfer fordern würde, ohne schließlich einer der beiden Parteien den vollen Sieg zu bringen. Darum müsse der erste Weg gewählt werden. Der Bundesvorsitzende betonte weiterhin, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten bei diesem Wirken unter allen Umständen verzichten müsse, sich für irgend eine politische Partei zu erklären. Er müsse in dieser Beziehung vollständig neutral bleiben, wie er auch in seinen Reihen Angehörige aller Parteien aufweist. Die Nachmittags-Sitzung war internen Bundesangelegenheiten gewidmet. ^us der Jüdischen Welt Deutschland Ein jüdischer Lehrer verhungert Der Verein israelitischer Lehrer in der Provinz Pommern veröffentlicht für sein Mitglied, den Greifswalder Lehrer Goczewski, der „nach schwerem körperlichen Leiden und tiefer Seelennot“ gestorben ist, einen Nachruf, in dem es heißt: „Ihm ist jetzt wohl, denn ein Beamtenelend, wie es tragischer nicht sein konnte, hat seinen Abschluß gefunden.“ Die Gemeinde Greifswald zahlte das klägliche Monatsgehalt von 500 Mk. Die Erhöhung wurde abgelehnt mit der Drohung, daß alle Mitglieder aus der Gemeinde austreten, falls eine Erhöhung der Gemeindebeiträge gefordert würde, und erst das Einschreiten des Regierungspräsidenten zwang die Gemeinde zur Erhöhung von 1000 Mark monatlich. Der Verewigte ist an Entkräftung verschieden. Es handelt sich um die jüdische Gemeinde Greifswald, bei der der Verstorbene als jüdischer Lehrer und vermutlich zugleich als Kultusbeamter angestellt war. Der Fall wirft ein schreckliches Licht auf die in letzter Zeit immer wieder betonte unerträgliche Notlage der jüdischen Lehrerschaft, auf die auch in der letzten Zeit der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hingewiesen hat. Die Situation in kleinen Gemeinden, wo ein starker Antisemitismus herrscht, und wo im übrigen für jeden Angehörigen der Gemeinde jetzt der Austritt so überaus leicht gemacht wird, sind natürlich tief traurige. Das hindert jedoch nicht, daß ein Gehalt von 500 Mk. einen so empörenden Zustand darstellt, daß er durch alle Notlage nicht entschuldigt werden kann. Es wäre dringend zu wünschen, daß wenigstens der Verband preußischer Gemeinden bald seine Tätigkeit PORZELLAN-NIfiDEBLAOI MÜNCHEN THE ATI NBR STR ASSE »3 gegenüber der FtldhermhmÜe «B0SSTI AUSWAHL IM 6EBBAVCISF0BZBIiLAI TÄTLICHE LAeEBEBGÄSZUNCt