Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 46 (17.11.1922)
- Date
- 1922-11-17
- Page
- Seite 574 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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574 Das Jüdische Echo Nr. 46 einer ausschließlich araberfreundlichen und auf Verhinderung der jüdischen Heimstätte hinzielenden Politik übergehen. Es braucht gar nicht untersucht zu werden, ob eine solche Änderung der Politik im Interesse Englands gelegen wäre, ob die erhofften militärischen Ersparnisse sich tatsächlich ergeben würden und ob die Araber in Palästina, auf die sich England dann ausschließlich stützen würde, dieses Vertrauen besser rechtfertigen würden als ein jüdisches Palästina. Fest steht jedenfalls, daß eine solche Änderung der englischen Politik nur dann eintreten könnte, wenn die englische Regierung beim Völkerbund eine ebenso einstimmige Abänderung des Palästinamandats in dem obigen Sinne beantragen und erreichen würde, wie es die ursprüngliche Mandatsübertragung gewesen ist, nicht zu vergessen die Zustimmung der Vereinigten Staaten, welche dem Völkerbund nicht angehören, deren Zustimmung zum Palästinamandat aber von England ausdrücklich gewünscht und auch erlangt worden ist. Man braucht sich nur zu überlegen, welche unendlichen Komplikationen, welche Forderungen auf Kompensationen von seiten anderer Mächte als Entgelt für die Zustimmung zur Abänderung des Mandates ein derartiger Schritt im Gefolge haben müßte, welchen Verlust an Prestige es für die Regierung eines großen Reiches mit sich bringen würde, die ein Mandat bestimmten Inhalts 5 Jahre lang mit aller Energie erstrebt hat, um es schließlich kurz nach seiner Erklärung mit dem entgegengesetzten Inhalt versehen zu lassen. So wird man begreifen, daß ein derartiger Schritt für die neue englische Regierung nicht möglich ist. Sie würde damit den Oppositionsparteien, welche, wie auch immer der Ausfall der Wahlen sein mag, stark sein werden, sehr kräftige und' willkommene Argumente liefern, und auch viele der eigenen Anhänger, denen die Kontinuität der Außenpolitik ohne Rücksicht auf die innere Parteitage noch ein unantastbares Prinzip ist, vor den Kopf stoßen. Es ergibt sich also, daß der jüdische Palästinaaufbau, der jetzt vor sich geht, nicht auf eine flüchtige Konstellation, die sich mit der Minute ändern kann, aufgebaut ist. sondern viele feste Stützen hat, daß er eigentlich alle Garantien besitzt, die möglich sind — bis auf eine, die gleich zu erwähnen sein wird —: er besitzt die sympathische und aktive Parteinahme führender Männer aus allen Parteien der Mandatarmacht, ja ganzer geschlossener Parteien, wie z. B. der englischen Arbeiterpartei. Er steht unter dem Schutze eines feierlichen Beschlusses und Vertrages des Völkerbundes. welchen sämtliche im Völkerbund vertretenen Mächte zugestimmt haben, dazu noch die wichtigste Macht, die außerhalb des Völkerbundes steht. Er kann sich stützen auf einen jüdischen Oberkommissar, der auf Grund der Balfourdeklaration ernannt und jetzt bestätigt wurde; auf die ausdrückliche Erklärung der jetzigen englischen Regierung in der bisherigen Politik fortzufahren; auf die administrative Unterstützung und nötigenfalls auf den militärischen Schutz der englischen Mandatsverwaltung. Das alles zusammen sind gewichtige Faktoren, denen gegenüber einzelne Änderungen in der inner- oder außenpolitischen Konstellation eines Landes und sei es auch Englands, wie sie in den heutigen unruhigen Tagen fast täglich Vorkommen, nicht schwer ins Gewicht fallen können. Solche Ereignisse werden sich wiederholen (wir können schon wieder ein neues verzeichnen: Mussolini als Haupt der Faszistenpartei ist italienischer Ministerpräsdent geworden und hat sich gegen die jüdische Heimstätte in Palästina ausgesprochen), sie würden aber unter den gegebenen Bedingungen keinesfalls imstande sein, etwas an unserer günstigen Lage zu ändern, wenn wir zu allem anderen noch die eine Garantie hätten, die uns fehlt, und ohne deren Erlangung uns über kurz oder lang das Erreichte doch wieder verloren gehen kann. Diese Garantie ist der unbedingte opferbereite Wille des gesamten jüdischen Volkes. Ein solcher Palästinawille, der jetzt vielfach entweder noch fehlt oder so schwach ist, daß er nicht genügend Opfer für den Aufbau bringt, müßte ein Doppeltes fertig bringen: Er müßte einmal durch Hingabe bedeutender Mittel die jüdischen Positionen in Palästina rasch so stärken, daß die jüdische Änsiiedlung dort bereits an sich einen beträchtlichen Faktor darstellen würde, welcher sich selbst weiterhelfen könnte und mit welchem jeder, der in England oder anderswo Palästinapolitik triebe, positiv und negativ viel mehr zu rechnen hätte, als das heute noch der Fall ist. Ein solcher Palästinageist müßte aber ferner die Wirkung haben, daß die geschlossene und entschlossene Stimmung der gesamten Judenheit zu Gunsten der jüdischen Heimstätte in Palästina jeden absehrecken müßte, der den jüdischen Palästinaaufbau etwa leichtsinnig anzutasten willens wäre. Das Ergebnis ist also: Es hat für uns Juden keinen Sinn, bei jedem scheinbar ungünstigen Ereignis der internationalen Politik das Ende des jüdischen Palästina — sei es freudig, sei es traurig gestimmt — kommen zu wähnen, denn unser Palästinaaufbau ist politisch gut fundiert. Es wäre aber erst recht verkehrt, sich lediglich auf das Mandat zu verlassen und im Übrigen die Hände in den Schoß zu legen in der Hoffnung, daß sich die Sache schon irgendwie machen wird. Keine Sache macht sich von allein, und wenn wir nicht das Unsere tun und auch noch die letzte Garantie liefern, so wird uns Palästina durch irgend eine politische Konstellation doch noch verloren gehen. Jedes ungünstige politische Ereignis bedeutet daher für uns keine Aufforderung zum Ausmalen etwaiger schlimmer Möglichkeiten, sondern einen Ansporn zur verstärkten Arbeit und zum verstärkten Opfer für Palästina. M. HAUS KREU-UCKO THEATINERSTR. 16 TELEFON 27831—32 BIETET BESONDERE PREISVORTEILE IN: KLEIDERSTOFFEN - SAMT UND SEIDE DAMEN- UND JUNGMÄDCHEN-KONFEKTION TEPPICHEN-GARDINEN-DECKEN